Zürcher Ressourcen Modell

Berufliche Neuorientierung: Die eigenen Ressourcen aktivieren

Das Zürcher Ressourcen Modell, eine Selbstmanagement-Methode, unterstützt Menschen bei der beruflichen Neuorientierung. Die Methode hilft dabei, Gewünschtes in Handlung umzusetzen. Ein Interview mit dem Erfinder Frank Krause.

Herr Krause, inwieweit ist Ihrer Ansicht nach das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) im Coaching und in der Beratung in Bezug auf die berufliche Neuorientierung einsetzbar?

Frank Krause: Das ZRM eignet sich dafür sehr gut. Es ist allerdings auch kein Wundermittel, das einen erfolgreichen Abschluss einer Arbeitssuche garantiert, seine «Reichweite» ist vielmehr klar definiert: Das ZRM ist ein Selbstmanagement-Tool, mit dem ausschliesslich Ziele verfolgt werden, die zu 100 Prozent unter der eigenen Kontrolle der betreffenden Person liegen. Eine neue Arbeitsstelle zu finden ist aber eben gerade kein Prozess, der 100 Prozent unter der eigenen Kontrolle steht. Es handelt sich stattdessen um eine (obendrein komplexe) Interaktion eines ganzen Systems, in dem neben der arbeitsuchenden Person auch die Arbeitsmarktlage, die potenziellen Arbeitgeber und viele weitere Faktoren mitspielen. Das ZRM befasst sich zudem allein mit dem psychologisch-motivationalen Aspekt auf Seiten der Arbeitsuchenden, mit der Absicht, deren Chancen innerhalb der soeben genannten Interaktion zu verbessern.

Wie fördert eine gezielte Ressourcenaktivierung eine berufliche Neuorientierung?

Mit Hilfe eines speziell entwickelten projektiven Verfahrens ermöglicht es das ZRM zwei für die Neuorientierung wesentliche Ressourcen zu aktivieren: Neben bewussten Motiven können damit auch unbewusste Bedürfnisse ans Licht gebracht werden. Eine derart gründliche Klärung ist wesentlich, sofern die angestrebte Arbeitsstelle nachhaltig befriedigen soll. Hierzu Klarheit zu erlangen, erleichtert die Neuorientierung, erlaubt der arbeitsuchenden Person im Bewerbungsgespräch klarer und sicherer aufzutreten sowie gegebenenfalls zwischen alternativen Angeboten besser, sprich fundierter, zu entscheiden.

Das Zürcher Ressourcen Modell

Das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) ist eine von Maja Storch und Frank Krause (Bild) für die Universität Zürich entwickelte Selbstmanagement-Methode, die in Seminaren als auch im Coaching Anwendung findet. Sie beruht in erster Linie auf neurowissenschaftlichen und motivationspsychologischen Erkenntnissen. Mittels der im ZRM praktizierten konsequenten Orientierung an persönlichen Ressourcen – wie z.B. unbewusste Bedürfnisse, bewusste Wünsche, Stärken, Überzeugungen, Einstellungen, Gefühle, Fähigkeiten – und durch einen wissenschaftlich begründeten Coaching-Prozess, kann die Fähigkeit erlernt und gestärkt werden, Gewünschtes auch tatsächlich in Handlung umzusetzen (Storch & Krause, 4. Auflage 2007).

www.zrm.ch, www.frankkrause.net

Storch, M. & Krause, F. 2007 (4. Auflage). Selbstmanagement - ressourcenorientiert. Grundlagen und Trainingsmanual für die Arbeit  mit dem Zürcher Ressourcen Modell - ZRM. Huber: Bern.

Im ZRM stehen persönliche Ressourcen im Vordergrund. Welche dieser Ressourcen sind Ihrer Ansicht nach wichtig für eine berufliche Neuorientierung?

Im ZRM wird der Klient durch einen Prozess begleitet, in dessen Verlauf er einen Pool persönlicher Ressourcen entwickelt. Ein zentrales Element dieses Ressourcenpools ist das «Motto-Ziel». Im Gegensatz zu den herkömmlich häufig benutzten Ergebnis-Zielen («Ìch suche einen Job mit einem Gehalt von .... ») oder Verhaltens-Zielen («Ich schreibe täglich eine Bewerbung»), beinhaltet ein Motto-Ziel eine Haltung ( zum Beispiel «Ich  bleibe ruhig, behalte die Übersicht und zeige gelassen und souverän, was ich drauf habe»). Dieser besondere ZRM-spezifische Zieltypus ist erwiesenermassen mit besseren Gefühlen verbunden und somit mit mehr Motivationskraft in punkto «Umsetzung in Handlung» versehen. Diese Motto-Ziele werden von der jeweiligen Person selbst entwickelt.

Ergänzt wird der Ressourcen-Pool durch sogenannte «Erinnerungshilfen» – zum Beispiel ein spezielles  Parfum, eine Krawatte, ein auf dem Schreibtisch aufgestelltes Bild – Alltagsobjekte, die von der Person als passend zu ihrem Motto-Ziel erlebt werden. Diese Verknüpfung gewährleistet, dass das entwickelte Motto-Ziel in der fraglichen Situation (Neuorientierung-Jobsuche) erinnert wird und handlungsleitend wirken kann. Auch der Körper – Stichwort «Embodiment» – kann in den Aufbau des Ressourcenpools einbezogen werden.

Was ist Ihre Empfehlung für Personen, die sich nach langer Betriebszugehörigkeit neu orientieren?

Oft ist eine berufliche Neuorientierung für die  betreffende Person – besonders bei unfreiwilligem Wechsel oder nach längerer erfolgloser Suche – mit hoher Belastung, Unsicherheit, nachlassender Energie und einem Verlust an Selbstsicherheit und Selbstwert verbunden. In so einer Phase ist professionelle Hilfe dringend anzuraten, in fachlicher wie auch in psychologischer Hinsicht. Dabei steht aus psychologischer Sicht meines Erachtens die Erhaltung beziehungsweise die Stärkung des Selbstwertgefühls an vorderster Stelle. Zudem empfehle ich Personen in dieser sehr speziellen Situation, im privaten  Umfeld gezielt den Kontakt mit vertrauten, positiv gestimmten, ressourcen-orientierten Menschen zu suchen und mit sich selber liebevoll und pfleglich umzugehen.

Blockaden und Beeinträchtigung des Selbstbewusstseins begleiten die meisten Jobsuchenden, die öfters Absagen auf ihre Bewerbungen erhalten. Wie geht ZRM mit diesen negativen, gespeicherten Erfahrungen um?

Wichtig erscheint mir hierbei, das Feld der Misserfolge und Absagen schnellstmöglich zu verlassen und den Fokus auf die  Ressourcen- und Lösungs-Seite zu lenken mit Fragen wie: «Was brauchst du, um dich in der Bewerbungssituation sicherer zu fühlen?», «Was könnte dir helfen, wieder Mut und Zuversicht zu erlangen?»,  «Wie kannst du deine Batterien wieder auffüllen?»

Die ZRM-Strategie sagt: «In zielrelevanten Situationen gebe ich mein Bestes, indem ich dafür sorge, dass ich in diesen Situationen in der – für mich – bestmögliche Haltung / Verfassung bin.» Wie sollten Job-Suchende Ihrer Meinung nach diese Haltung in einem schwierigen Arbeitsmarkt behalten?

Frustrationstoleranz und Ausdauer werden bei der Jobsuche häufig auf eine harte Probe gestellt. Eine entsprechend hilfreiche Haltung wird im ZRM erreicht durch die Erarbeitung eines auf diese Erfordernisse abgestimmten Motto-Ziels. Ist das Motto-Ziel erst einmal «ZRM-gerecht» erstellt, beinhaltet dieses Ziel bereits die bestmögliche Haltung (mental-emotional-körperlich) mit der die betreffende Person die Neuorientierung beziehungsweise die Jobsuche angeht. Spätestens mit dem zusätzlichen Einsatz von Erinnerungshilfen, die das Motto-Ziel in der akuten Situation aktivieren, ist für die gewünschte Haltung gesorgt.

«Tu doch was Du willst!» Das war eine Aussage von Ihnen im Zusammenhang mit ZRM. Was sind Ihre Erfahrungen mit diesem Grundsatz?

Dieser Satz ist  absichtlich ein wenig provokativ formuliert. Er verweist darauf, dass es oftmals möglich ist – öfters als viele in Anbetracht der zahlreichen Grenzen, Regeln und Verpflichtungen glauben – dennoch gemäss eigener Bedürfnisse und Motive zu handeln.

Der Satz, auch wenn er locker daherkommt, beinhaltet zwei Aufgaben, die es in sich haben: Zum einen die Klärung: Was will ich denn wirklich? (und nicht nur «Was will ich nicht?»). Gibt es womöglich Bedürfnisse, die mir auf Anhieb gar nicht bewusst sind, die ich im eigenen Interesse jedoch erkunden und ebenfalls berücksichtigen sollte? Was tut mir psychisch und physisch gut, was stärkt meine Persönlichkeit? Und all das unabhängig davon, was andere meinen oder was aktuelle «Trends» gerade vorgeben.

Zum anderen enthält der Satz die Aufgabe: Wie stelle ich es an, was sollte ich beachten, damit es mir gelingt, meine Wünsche und Absichten auch umzusetzen? Geht das nur mit eiserner Disziplin oder gibt es auch andere, nachhaltiger wirkende Ansätze? Das ZRM zeigt eine solche Alternative auf.

Welchen Grundsatz oder Tipp würden Sie Personen auf dem Weg der beruflichen Neuorientierung mitgeben?

Mein Tipp: Die Defizit-Brille ab- und die Ressourcen-Brille aufsetzen sowie bei der Entscheidungsfindung zum Verstand auch die Gefühle mit ins Boot nehmen – um Chancen zu erkennen und diese aktiv und selbstverantwortlich zu nutzen.

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Dorie Massumi hat einen MAS of Advanced Studies ZFH in HRM. Sie ist Geschäftsführerin von Dorie Massumi Newplacement.
www.dmnewplacement.ch

 

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