UBS: Unternehmer kümmern sich zu spät um Nachfolge

Eine Masse von Unternehmern aus der Babyboomer-Generation steuert auf die Pensionierung zu, ohne ausreichende Nachfolgeregelung. Dabei sind 40 Prozent für ihre Altersvorsorge auf den Verkaufserlös aus ihrer Firma angewiesen.

Zürich (sda). «Viele Unternehmer und Unternehmerinnen glauben, es gehe einfach immer so weiter und sie tun sich schwer, ihr Baby loszulassen», sagte UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann am Montag vor den Medien in Zürich.

Selbst von Unternehmern, die die nächsten Jahre ihre Nachfolge regeln müssen, sei nur ein Drittel bereit. Bereit sein heisst, dass die Nachfolgelösung definiert, der Nachfolger involviert und das Ganze formell geregelt ist.

Dies geht aus einer Umfrage der UBS bei 337 Unternehmen hervor, die zwischen 750 000 und 200 Millionen Franken Umsatz erzielen. Befragt wurden Patron, Eigentümer und Eigner von nichtkotierten Gesellschaften.

Erstaunliche Unbeschwertheit

Die Hälfte der Eigner, bei denen die Übergabe die nächsten 10 Jahre ansteht, habe sich noch keinerlei Gedanken gemacht über die Nachfolge. Wirkliche Vorkehrungen getroffen hat erst eine Handvoll, wie aus der Studie weiter hervorgeht.

Schlecht für das Geschäft der grössten Schweizer Firmenkundenbank mit 120 000 Firmenkunden ist, dass die grosse Mehrheit der Unternehmen finden, sie bräuchten keine Hilfe bei der Nachfolgeregelung. Wenn sie Beratung brauchten, dann höchstens bei der Festlegung des Unternehmenswerts und der Suche nach einem Käufer.

Dem seit Januar amtierenden UBS-Schweiz-Chef geht es nach eigenen Worten aber nicht nur um das eigene Geschäft. «Es gibt tragische Fälle, wo jemand ein Leben lang arbeitete und dann keine Vorsorge hat», so Lehmann.

Keine ökonomische Perspektive

Oft würde die persönliche Vorsorge verdrängt, fügte UBS-Chefökonom Daniel Kalt hinzu. Gemäss Studie sind 40 Prozent der Unternehmer für Altersvorsoge auf Erlöse aus dem Verkauf des Unternehmens angewiesen. Doch die Mehrheit kenne den Finanzbedarf nicht, um einen angemessenen Lebensstil im Alter abzusichern.

Menschlich verständlich, aber ökonomisch schlecht sind gemäss UBS die Prioritäten, die die Eigner für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge nannten. Am wichtigsten sei ihnen, dass keine Arbeitsplätze vernichtet würden und ihre Firmenphilosophie weitergeführt werde. Einen maximalen Verkaufswert zu erzielen, sei sekundär, erklärte Kalt.

Es sei zudem bemerkenswert, dass Fragen, die ganz zu Beginn der Nachfolgeplanung beantwortet werden sollten, als besonders relevant angesehen werden. Die Akzeptanz eines Nachfolger werde als grössere Hürde betrachtet als transaktionsspezifische Herausforderungen. «Es sind diese Soft-Faktoren und nicht die transaktionsrelevanten Aspekte, die man sehr früh angehen müsste,» führte Kalt aus. Deren Vorbereitung werde vernachlässigt.

Handgestrickte Bilanzen

Die Nachfolgeregelung sei für die UBS ein Kernbereich im Unternehmensgeschäft, sagte Lehmann. Oft seien die Bilanzen handgestrickt, die Besitzverhältnisse von Privat- und Geschäftsliegenschaften vermischt. Mit Steuerberatern und Treuhändern alleine könne man diese Herausforderungen nicht meistern.

Die geburtenstärksten Jahrgänge der 53- und 54-Jährigen hätten ihre letzten 10 Jahre im Arbeitsleben vor sich, ergänzte Lehmann. Es wäre schade, wenn reihenweise Unternehmen untergingen mangels Nachfolgelösung. Für eine Nachfolgeregelung brauche man mindestens drei bis fünf Jahre.

Nachfolgeregelung steht bei 73 786 Firmen an

Gleichentags veröffentlichte der Wirtschaftsauskunftsdienst Bisnode D&B eine Analyse zur Unternehmensnachfolge. Danach haben 13,4 Prozent der Unternehmungen ein Nachfolgeproblem. Auch gemäss Bisnode braucht es fünf Jahre, um eine Nachfolge zu regeln, also müssten sich Unternehmer spätestens mit 60 Jahren dran machen. Aktuell sei dies aber nur bei 30 Prozent der Firmen der Fall.

In den kommenden fünf Jahren stehen laut Bisnode 73 786 (Vorjahr: 74 744) kleine und mittelgrosse Unternehmen vor der Übergabe an eine neue Generation.