Checkliste

«Das mache ich morgen» – 6 Tricks, mit denen Sie die Aufschieberitis überlisten

Nur zu gern schieben wir Tätigkeiten auf. Immer und immer wieder. Weil wir keine Zeit haben, weil wir keine Lust haben oder weil wir noch etwas vorbereiten müssen, bevor wir loslegen können. Das ständige Aufschieben hat Folgen – für uns selbst, für die Qualität der Arbeit und für die Umgebung. Die gute Nachricht: Es gibt Tricks, mit denen wir es uns abgewöhnen kann.

Jeder kennt die Aufgaben, auf die man einfach keine Lust hat. Das Telefonat mit dem nervigen Kunden, das Protokoll der letzten Sitzung, bei der man nicht so ganz aufgepasst hat: das verschiebt man schnell mal auf Morgen. Oder Übermorgen. Oder am besten so weit nach hinten, bis es nicht mehr anders geht, weil Fristen ablaufen oder weil sich jemand beschwert. «Im Prinzip ist das ganz menschlich», sagt Psychologin und Buchautorin Dr. Eva Wlodarek. Niemand hat Lust auf unangenehme Dinge. Doch wenn sie immer wieder und immer weiter verschoben werden, bringt man sich irgendwann in Schwierigkeiten. 

Die Folgen 

Selbst wenn man nur selten und wenig aufschiebt, kommt man meist unter Zeitdruck und Stress. Zudem raubt man sich unbemerkt selbst Energie und Lebensfreude. «Wenn wir Dinge aufschieben, gehen sie uns ja trotzdem im Kopf herum», sagt Eva Wlodarek. Wir ärgern uns dann meist über uns selbst oder erfinden Ausreden. «Viele, die aufschieben, sind zum Beispiel davon überzeugt, nur unter Druck gut arbeiten zu können», sagt die Psychologin. Doch damit belügen sie sich häufig selbst, denn ob das Ergebnis ohne Druck nicht noch viel besser gewesen wäre, wissen sie ja nicht. Wenn die Aufschieberei nicht mehr nur das eigene Zeitmanagement beeinflusst, sondern auch das von anderen, gerät der Ruf in Gefahr. «Wenn sich Kollegen, Kunden und Vorgesetzte beschweren, wird es grenzwertig», sagt Wlodarek. In ganz harten Fällen bekommt man die Dinge einfach gar nicht mehr erledigt und versinkt im Chaos. «Wenn es das eigene Leben behindert und andere durch die Verzögerung geschädigt werden, kann es sich um eine psychische Störung handeln», weiss die Expertin. Spätestens jetzt entstehen Minderwertigkeitsgefühle, weil man sich offenbar nicht im Griff hat. Positive Folgen hat das Aufschieben in den Augen der Psychologin nur selten. «Manche Dinge erledigen sich zwar irgendwann von selbst, doch anstatt darauf zu warte, sollte man lieber gleich offen damit umgehen, damit man den Kopf frei hat», sagt sie.

Die Ursachen

Wer hat es nicht schon geahnt: Keine Lust oder keine Zeit sind meist nur Ausreden, mit denen wir die wahren Gründe des Aufschiebens vor uns selbst verschleiern. «Dahinter stecken meist tiefere Ursachen, etwa versteckte Ängste oder zu hohe Ansprüche an sich selbst», weiss Dr. Eva Wlodarek. Sie rät, in sich hineinzuhorchen und sich zu fragen, ob eine der folgenden Ursachen der Hintergrund sein könnte. Hat man die Gründe entdeckt, kann man daran arbeiten. 

  • Angst vor dem Scheitern: Man fängt gar nicht an, weil man davon ausgeht, zu Versagen. 
  • Angst vor dem Erfolg: Es klingt paradox, aber manche fangen gar nicht an, weil sie sich zum Beispiel vor dem Neid der anderen fürchten, wenn sie erfolgreich sind. 
  • Perfektionismus: Viele beginnen gar nicht erst, weil sie Angst haben, einen Fehler zu machen. 
  • Innere Rebellion: Manches wird niemals angefangen, weil der- oder diejenige es einfach nicht machen will. Und nicht den Mut hat, dass deutlich zu sagen. 

Tipps zur Selbsthilfe 

Es gibt einige Tricks, mit denen man sich selbst das Aufschieben abgewöhnen kann. Wenn man allerdings das Gefühl hat, mit dem Aufschieben sich selbst und anderen zu schaden und alleine nicht mehr damit fertig zu werden, sollte man sich Hilfe von Aussen holen. «Dann ist eine psychotherapeutische Unterstützung wirklich nützlich. Besonders mit einer Verhaltenstherapie bekommt man das gut in den Griff», sagt Dr. Eva Wlodarek. Für alle, bei denen das Aufschieben noch ein erträgliches Mass hat, hat die Expertin vor allem einen Rat: «Den Unlustgefühlen nicht nachgeben, sondern einfach anfangen.» Mit ihren folgenden Tipps geht das auf jeden Fall leichter.  

Tipp 1: Erlauben Sie sich, nur kurze Zeit an einer Aufgabe zu arbeiten. 

Niemand sagt, dass Sie alles gleich komplett erledigen müssen. Geben Sie sich selbst die Erlaubnis, die ungeliebte Tätigkeit nur 15 Minuten lang durchzuführen. Dann ist der Anfang gemacht - und wenn Sie erst einmal dabei sind, arbeiten Sie wahrscheinlich doch gleich weiter. 

Tipp 2: Legen Sie Teilschritte fest. 

Unterteilen Sie die Aufgabe in kleine Portionen und setzen Sie sich überschaubare Zwischenziele. Dann erscheint die Aufgabe nicht mehr wie ein riesiger Berg. 

Tipp 3: Machen Sie Wichtiges zu Unwichtigem. 

Gerade bei schriftlichen Aufgaben sitzt man häufig vor dem leeren Blatt. Tun Sie einfach so, als wäre die Aufgabe völlig unwichtig und das Ganze nur eine Übung. Schreiben Sie einfach drauf los. So kommen Sie in einen Schreibfluss. Korrigieren können Sie das später immer noch. 

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Tipp 4: Schaffen Sie Routinen.

Wer immer etwas Bestimmtes tut oder benutzt, bevor er anfängt zu arbeiten, der kommt schneller in die richtige Arbeitsstimmung. Das kann die Kaffeetasse mit dem witzigen Aufdruck sein, ein bestimmter Schal oder die immer gleiche Uhrzeit, zu der Sie beginnen.  

Tipp 5: Achten Sie auf Ihren Biorhythmus. 

Jeder hat seine ganz eigenen Hochphasen für konzentriertes Arbeiten. Prüfen Sie mal, wann Sie am leistungsfähigsten sind. Fangen Sie unangenehme Aufgaben unbedingt in einer solchen Zeitspanne an, dann fallen Sie Ihnen leichter. 

Tipp 6: Vermeiden Sie Ablenkung. 

Wer sich leicht stören lässt, sollte vor ungeliebten Arbeiten Vorkehrungen treffen. Mit Smartphone, Internet und Mails lässt die nächste Ausrede garantiert nicht lange auf sich warten. Auch ein aufgeräumter Schreibtisch hilft. Denn chaotische Stapel erinnern Sie unentwegt an all die anderen Dinge, die Sie auch schon aufgeschoben haben.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei Miss Moneypenny.

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Ruth Preywisch

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