HR Today Nr. 4/2018: Recruiting

«Coole Socken»

Wer sich auf dem Arbeitsmarkt Gehör verschaffen will, sollte Seriosität nicht mit Langeweile verwechseln. Das dachte sich auch die Rehaklinik «aarReha» im aargauischen Schinznach und macht mit einem Augenzwinkern auf sich aufmerksam.

Fünfzig neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieses kleine Jobwunder muss die Rehabilitationsklinik «aarReha» vollbringen. Ein Teil dieser Jobs wird für die Erhöhung der Bettenkapazität in Schinznach benötigt, die anderen für den neuen Standort in Zofingen.

Pflege-berufe.ch listet aktuell über 5000 Stellenangebote auf. Vor diesem Hintergrund wird die Suche nach den neuen Pflegeprofis, Ärztinnen und Therapeuten für das Unternehmen mit 250 Mitarbeitenden zu einer Mammutaufgabe. 
Erschwerend kommt dazu, dass die Klinik zwar bei den Patientinnen und den zuweisenden Ärzten eine Erfolgsgeschichte, auf dem Arbeitsmarkt hingegen eher noch ein Geheimtipp ist. Um das zu ändern, hat man an zwei «Baustellen» gearbeitet.

Die Pflicht: Die neue Karriere-Website

Zuerst wurden die Hausaufgaben gemacht. «Damit meine 
ich unsere neue Karriere-Website», erklärt Projektleiterin 
Stefanie Hitz. «Wir wollten, dass sich Interessierte rasch einen Überblick über die für sie relevanten Informationen verschaffen können. Darum lassen sich die Informationen auf unserer neuen Seite mit einem Mausklick sortieren. So erhalten die einzelnen Berufsgruppen auf Wunsch immer nur die für sie wichtigen Informationen ausgespielt.»

Besonders charmant: Stefanie Hitz hat die Chefinnen und Chefs der verschiedenen Abteilungen vor die Kamera geholt und mit einem Augenzwinkern zu einem «Vorstellungsgespräch» gebeten. So gibt dort nun zum Beispiel Volker Tempelmann, der künftige Vorgesetzte interessierter Pflegeprofis, Informationen zu seinem Werdegang und einen ersten Einblick darüber, wie er so tickt und was ihm wichtig ist.

Die Kür: Eine Kampagne mit Augenzwinkern

Noch immer verwechseln viele Arbeitgeber in der Personalwerbung Seriosität mit Langeweile und wundern sich, dass man sie kaum oder als verstaubt wahrnimmt. Nicht so das «aarReha»-Team, dessen unkomplizierter, lockerer Umgang untereinander einer der Trümpfe als Arbeitgeber ist. «Wir 
lachen gerne, auch über uns selbst», meint Stefanie Hitz schmunzelnd dazu. «Und weil wir mit unseren beiden Standorten ein 100-prozentiges Aargauer Unternehmen sind, lag die Idee mit den weissen Socken ja fast schon auf der Hand.» Oder am Fuss, um es genau zu nehmen.

Schon bevor die Idee dazu entstand, arbeitete das Unternehmen an seiner «Arbeitgeber-DNA». Dabei kristallisierten sich vier Vorzüge heraus. Und genau diese Qualitäten lassen sich hervorragend auf die Sockenidee adaptieren. Der dehnbare Bund passt zum Beispiel ausgezeichnet zu den überdurchschnittlich flexiblen Arbeitszeitmodellen. Der Umstand, dass in der Rehaklinik mehr Zeit für die Behandlung der Patienten als zum Beispiel in Akutspitälern zur Verfügung steht, passt wunderbar zum Freiraum an der Sockenspitze. Und bei den ausgezeichneten Sozialleistungen liegt der Bezug zur verstärkten Ferse ebenso nahe wie das gute Arbeitsklima, das Platz zum Atmen lässt.

Die Socken werben nun als Blickfang im Rahmen einer zeitlich befristeten Kampagne für die Jobs bei aarReha. Sie flimmern von Kinoleinwänden und Bildschirmen von Bussen und Postautos. Und mit Facebook-Ads wandelt das Unternehmen auf neuen Pfaden. Selbst einzelne Jobinserate wurden angepasst, und zwar sowohl online als auch für den Einsatz in regionalen Printmedien. In diesen Inseraten wird dann auch humorvoll erklärt, dass auch Pflegeprofis, Therapeuten und Ärztinnen willkommen sind, die auf andere Sockenfarben stehen. «Kein Problem», steht da, «viel wichtiger sind uns Ihr Humor, Ihre Fachkompetenz und Ihr Interesse für Neues.» Das ist herrlich unverkrampft und souverän.

Weisse Socken als Stars der Personalwerbung

Das Beste dabei ist: Die weissen Socken gibt es wirklich. Tausend Stück hat Projektleiterin Stefanie Hitz bestellt. Auf der Banderole sind die Arbeitgebervorteile aufgedruckt. Sie kommen bei Jobmessen zum Einsatz und sind dort augenzwinkernde Türöffner für Fachgespräche. Sie wären durchaus auch als Teil einer Guerillamarketingaktion denkbar, zum Beispiel im Rahmen einer Verteilaktion vor grossen Spitälern in Zürich. «So weit wollen wir im Moment aber nicht gehen», sagt Stefanie Hitz. «Wir zählen darauf, dass Interessierte auch so von unseren spannenden Jobs erfahren.»

Die aber vielleicht wichtigsten Werbeträger sind bei fast jeder guten Kampagne die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie wurden daher als Erste eingeweiht. Im Rahmen eines gediegenen Apéros wurde die neue Website live geschaltet und gewissermassen die Socke aus dem Sack gelassen. Alle Mitarbeitenden erhielten ihr persönliches Exemplar der sympathischen aarReha-Werbeträger. Intern vor extern: Auch das ist richtig stark gemacht. Coole Socken, diese Aargauer.

Hintergrund

Der Fachkräftemangel ist in der Gesundheitsbranche ausgeprägt und macht die Besetzung von 50 neuen Stellen zu einem Kraftakt. Vor allem, wenn die Arbeitsplätze abseits der Städte mitten im Aargau entstehen. Die Schinznacher Rehaklinik «aarReha» macht aus der Not eine Tugend und wirbt mit 100 % Aargau – und weissen Socken. Diese sind nicht nur Blickfang auf Anzeigen, in Kinos und im öV, sondern sie gibt es wirklich, Banderole mit den Arbeitgebervorteilen inklusive.

 

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Jörg Buckmann unterstützt Unternehmen, Behörden und Spitäler bei deren Positionierung auf dem Arbeitsmarkt und in Fragen rund um HR-Kommunikation und Personalmarketing. Er betreibt den Blog buckmanngewinnt. www.mehrblickzuerich.ch

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