Checkliste

So bauen Sie ein achtsames Management auf

Achtsamkeit muss auch ausserhalb des Yoga-Raums stattfinden. Wie baut man ein achtsames Management auf? Zehn Tipps – inklusive Beispiele.

Google bietet schon seit zwölf Jahren Yoga und Meditationsunterricht in seinem Hauptsitz in Silicon Valley an. Was 2006 als Experiment begann, gehört heute zum A und O der sogenannten «Yoglers» – eine Zusammenführung von «Yoga» und «Google». Gopi Kallayil, der Chief-Evangelist von Google, ist überzeugt, dass es genauso wichtig ist, den Mitarbeitenden Yoga-Kurse anzubieten, wie ihnen gesundes Essen in der Kantine zu servieren.

Ob in Form von ganztägigen Achtsamkeitsseminaren oder von 30- bis 60-minütigen Yoga- und Meditationslektionen: Das Ziel ist, Führungskräften und Mitarbeitenden ein Werkzeug in die Hand zu geben, um mit den täglichen Herausforderungen wie Stress, Konflikten, Kritik, oder inneren Blockaden konstruktiv umzugehen.

Eine wichtige Grundvoraussetzung, dass Achtsamkeit Früchte trägt, ist, dass man sie nicht nur im Yoga-Raum, sondern auch im Alltag lebt. Immer mehr Firmen kommen zu der Erkenntnis, wie positiv und messbar sich ein achtsames Management auf den langfristigen Erfolg ihres Unternehmens auswirkt. Doch wie baut man ein solches Management auf?

1. Zuhören

Schulen Sie das Management, den Mitarbeitern zuzuhören, anstatt Lektionen zu erteilen.

  • Do: Die Mitarbeitenden haben bei einer wöchentlichen Sitzung genügend Raum zur Meinungsäusserung und zu Ideenvorschlägen und fühlen sich ernst genommen. 
  • Don't: Der Manager monopolisiert die wöchentliche Sitzung, spricht ausschliesslich von gesetzten Zielen und lässt die Mitarbeitenden dabei kaum zu Wort kommen.

2. Werte verbreiten

Verkörpern Sie Werte wie Verständnis, Toleranz und Achtsamkeit verbreiten Sie diese als Hauptwerte im Unternehmen.

  • Do: Die Vorgesetzten organisieren kontinuierlich gemeinsame Teambuilding-Aktivitäten, mit dem Ziel, das Verständnis verschiedener Teams für einander zu verbessern. Achtsamkeitsseminare können diesbezüglich wirkungsvoll sein.  
  • Don't: Die Vorgesetzten setzten sich nicht ein, um die abteilungsübergreifende Kommunikation zu fördern. Die Abteilungen arbeiten folglich zu isoliert voneinander. 

3. Positives zuerst nennen

Schulen Sie das Management darauf, Gesprächspartnern bei jedem Gespräch zuerst die positiven und danach erst die negativen Rückmeldungen zu geben.

  • Do: Der oder die Vorgesetzte hebt bei einem Einzelgespräch zuerst die Stärken und Fortschritte hervor und übt erst danach allfällige Kritik. So kann der Gesprächspartner diese besser annehmen.
  • Don't: Der Gesprächspartner wird zu stark beschuldigt oder sogar persönlich angegriffen, was zur Folge hat, dass der Respekt in der Arbeitsbeziehung schwindet.

4. Positiv bleiben

Schulen Sie Vorgesetzte und ihre Mitarbeitenden, sich in Stresssituationen auf den Sachverhalt zu konzentrieren und diesen vom Beziehungsaspekt zu unterscheiden. Ausschlaggebend ist dabei, dass sie sich immer auf die positiven Aspekte des Sachverhaltes konzentrieren.

  • Do: Wenn ein Team etwa einen erhofften Deal nicht an Land ziehen konnte,  werden die verantwortlichen Account Manager auf Verbesserungsmöglichkeiten bezüglich ihrer Kundenakquisitionsstrategie hingewiesen. Dabei betrachten diese bewusst das Potential für Fortschritte, welches diese Situation mit sich bringt.
  • Don't: Vorgesetzte und Mitarbeitende lassen sich von ihren Gefühlen überwältigen und haben keine konkreten Hilfstechniken zur Hand, um systematisch positiv mit beruflichem Stress oder Niederlagen umzugehen.

5. Bewusst Atmen

Die Mitarbeitenden und das Management sollen sich ihrer Atmung bewusst sein und eine tiefe Bauchatmung anstelle einer oberflächlichen Brustatmung sicherstellen.

  • Do: Die Firmenleitung startet eine Initiative, welche den Mitarbeitenden helfen soll, sich eine tiefe und bewusste Atmung immer in Erinnerung zu rufen. Jeden Tag denkt sich ein anderer Mitarbeiter eine spielerische Idee aus, um seine Arbeitskollegen ans Atmen zu erinnern.
  • Don't: Die Firmenleitung übt zu viel Druck auf die Angestellten aus, ohne sie dabei auf ihre eigene Gesundheit und ein gutes Köperbewusstsein aufmerksam zu machen.

6. Im Hier und Jetzt präsent sein

Entwickeln Sie zusammen mit der Belegschaft und dem Management ein Bewusstsein für den gegenwärtigen Augenblick und verbinden Sie sich gedanklich weder mit der Vergangenheit noch mit der Zukunft.

  • Do: Ein Manager gibt seinem Angestellten nach unterlaufenem Fehler am nächsten Tag eine neue Chance und überdenkt festgefahrene Situationen immer wieder neu. 
  • Don't: Der Manager bleibt an alten Gedankenmustern verhaftet, wirft seinem Angestellten alte Fehler wiederholt vor und beeinträchtigt dabei dessen Kreativität.

7. Kreatives Potential erkennen

Schulen Sie Führungskräfte darauf, ihr eigenes kreatives Potenzial und dasjenige ihrer Mitarbeiter zu erkennen.

  • Do: Ein Teamleiter arbeitet eng mit seinem Team zusammen, hält die Hierarchie flach und bietet den Mitarbeitenden die Möglichkeit, ihre Kreativität und ihre Stärken zum Ausdruck zu bringen. Diese Art von Projektführung führt meist zu mehr Innovation und Erfolg, da das Team so von den Stärken jedes einzelnen profitiert. 
  • Don't: Der Teamleiter drängt seine genauen Vorstellungen auf, ohne dabei die Individualität jedes einzelnen zu berücksichtigen. Eine steile Hierarchie gilt in immer mehr Branchen als unangebracht. 

8. Nachhaltige Entscheidungen treffen

Versuchen Sie, nur nachhaltige Entscheidungen zu treffen, die für alle Beteiligten zu einer dauerhaften Win-win-Situation führen. Berücksichtigen Sie immer die mittel- und langfristigen Konsequenzen für das Unternehmen. Schulen Sie das Management darauf, ebenfalls so zu handeln.

  • Do: Ein vor kurzem neu eingestellter Mitarbeiter bewährt sich als zu wenig kompetent für den Job. Anstatt ihn zu entlassen, wird er intern besser ausgebildet. Dies verhindert einen zu starken Personalwechsel, der mittelfristig zu einem zu unstabilen Arbeitsumfeld führen würde. 
  • Don't: Der vor kurzem neu eingestellte Mitarbeiter wird nach bewährter, mangelnder Kompetenz fristlos entlassen. Ein schonungsloser Umgang mit Mitarbeitenden soll möglichst verhindert werden.

9. Runterkommen

Unterstützen Sie die Belegschaft, sich nach einem emotionalen Ausnahmezustand wie Ärger, Wut, Enttäuschung oder Trauer wieder in einen neutralen Zustand zu bringen.

  • Do: Der Manager lädt seinen Arbeitnehmer ein, nach einem erlebten Ausnahmezustand sich eine kleine Pause zu gönnen, zum Beispiel alleine an der frischen Luft, um schnell wieder zu innerer Ruhe zu finden.
  • Don't: Der Manager lässt seinen Arbeitnehmer im Umgang mit Ausnahmesituationen allein. Das erhöht das Risiko, dass dieser ein Burnout-Syndrom entwickelt. 

10. Arbeitsklima verbessern

Erkundigen Sie sich regelmässig nach dem Wohlbefinden der Mitarbeiter. Tragen Sie konkret zu einem besseren Arbeitsklima bei mit Hilfe von gemeinsamen Meditieren oder kollektiver Yogapraxis.

  • Do: Die Geschäftsleitung nimmt die mentale und physische Gesundheit der Mitarbeitenden ernst und bietet eine wöchentliche Meditation oder Yogalektion direkt am Arbeitsplatz an. Dies führt zu einem achtsameren Arbeitsklima und erhöht die kollektive Kreativität.
  • Don't: Die Geschäftsleitung privilegiert allein die Profite der Firma, ohne sich dabei um das Wohlergehen der Angestellten zu kümmern.

Die Geschäftswelt ist regiert von technologischem Fortschritt, konstanter Veränderung und andauernd steigendem Konkurrenzkampf. Um einen klaren Kopf zu bewahren, ist ein achtsames Management unentbehrlich geworden. Bei der zunehmenden Standardisierung aller Arbeitsprozesse darf man nicht vergessen, dass Menschen, die glücklich und ausgeglichen an der Arbeit sind, viel produktiver und effizienter arbeiten. Laut dem «Job-Stress-Index 2016» der Gesundheitsförderung Schweiz erlebt jeder vierte Schweizer Arbeitnehmer Belastungen, die höher sind als seine Ressourcen. Rund 5,7 Milliarden Franken kosten die Leistungseinbussen durch Krankheitsabwesenheiten die Arbeitgeber pro Jahr. Es ist also höchste Zeit, sich Gopi Kallayil und die «Yoglers» als Vorbild zu nehmen.

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Mariane Steffen

Mariane Steffen hat sich nach 20-jähriger Berufserfahrung als PR-Beraterin für globale Unternehmen zur Yoga-Trainerin ausbilden lassen. Mittlerweile bringt sie «Corporate Yoga», das aus Körperübungen, Atemtechniken und Meditation besteht, in Firmen. Zudem bietet sie Achtsamkeitsseminare für das Teambuilding an.

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