Checkliste

So stärken Sie Ihre Stärken

Ein Bär kommt nicht auf die Idee, fliegen lernen zu wollen – und haben Sie jemals einen Hasen getroffen, der klettert? Wir sollten uns auf unsere Talente konzentrieren. Die heutige Checkliste zeigt, was ein Talent ist, wie es zur Stärke wird und wie wir in fünf Schritten zu unserem «kleinen Genie» finden.

Talente sind Begabungen, die uns fähig machen, Aussergewöhnliches zu leisten. Und sie sind die Grundlage für persönliche Stärken.

Warum sollen wir uns auf unsere Talente konzentrieren?

Die Kurze Antwort: Weil es schlichtweg mehr Spass macht. Es macht uns selbstwirksamer und erfolgreicher.

Ein Beispiel: Ich liebe Sport. Ich gehe gerne joggen, klettern und Rennvelo fahren. Natürlich habe ich es auch mit Ballsportarten versucht: Tennis, Volleyball, Handball – die Liste könnte ich lange fortsetzen. Das Resultat ist immer das gleiche: Ich bin ungeeignet für Mannschaftssportarten und Ballspiele. Auch wenn ich mich echt anstrenge und es wirklich will: Mehr als unteres Mittelmass erreiche ich nicht. Mittlerweile weiss ich, es ist Lebenszeitverschwendung.

Wir Menschen sind in unserer Kultur so aufgewachsen, dass wir immer das Gefühl haben, an unseren Schwächen arbeiten zu müssen. Oft übersehen wir dabei die Schönheit unserer eignen Talente. Ein Bär kommt nie auf die Idee, fliegen lernen zu wollen, und haben Sie schon mal einen Hasen getroffen, der klettert?

Wenn wir das tun, was wir gut können, dann ist nicht nur der Einzelne engagierter und erfolgreicher in seiner Arbeit. Auch die Produktivität des Teams steigt – und zwar um über zwölf Prozent¹. Dies belegen Forschungen von des Meinunsforschungsinstitus Gallup.

Was ist ein Talent und wann wird es zur Stärke?

Talent, Wissen und Übung multiplizieren sich zur Stärke.

  • Talente sind auf natürliche Weise wiederkehrende Denk-, Gefühls- oder Verhaltensmuster. Wir müssen uns nicht anstrengen dafür – sie fallen uns sozusagen in den Schoss, es geht wie von selbst, es fühlt sich an wie ein Automatismus. Über die Gretchenfrage, wieviel davon ist angeboren, anerzogen oder gefördert, streitet die Wissenschaft. Sie kann weder das eine noch das andere nachweisen. Ich mag den Gedanken, dass Talent ein Mix ist aus dem, was ich mitbringe, was mir meine Umwelt in jungen Jahren erlaubt hat zu lernen und zu entdecken, und was ich mir durch Übung selber aneigne.
  • Wissen entsteht zum einen durch konkretes Know-how, zum anderen durch Do-how – also das Wissen, wie etwas getan wird. Eine Führungskraft hat Talent zum Führen und auch die Gelegenheit, dies zu tun. Damit ist sie aber noch nicht zwingend eine gute Führungskraft. Es kann ihr helfen, sich Fachwissen über Führungsstile, Gesprächstechniken, Teamprozesse und Strategieentwicklung anzueignen.
  • Ohne Übung geht nichts. Ohne Übung verkümmern unsere Talente. Die gute Nachricht ist, sie verschwinden nicht. Sie werden aber auch nicht grösser oder können sich zu Stärken ausbauen. «Übung macht den Meister.» Schauen wir uns Spitzensportler an, dann wissen wir: An dem Sprichwort ist was Wahres dran.

Wie können wir unsere Talente zu Stärken ausbauen?

Gehen Sie mal auf Entdeckungsreise. Viele Menschen erkennen ihre Talente nicht, weil sie so selbstverständlich für Sie sind. Dann fallen Aussagen wie: «Das ist doch ganz normal. Das ist doch nichts Besonderes. Das kann doch jeder.»

Da tut eine Aussensicht gut. Drei Anregungen, wie Sie das machen können. Sie sind einzeln, in Kombination oder gleich alle drei zusammen sehr empfehlenswert.

  • Machen Sie einen Stärkentest bei Gallup. Gallup hat 34 Talente identifiziert und hilft Ihnen, Ihre eigenen Talente zu entdecken, besser zu verstehen und zu fördern. Ihre Investition: 40 Minuten Lebenszeit und je nach Auswertungsgrad zwischen 20 und 90 Franken.
  • Machen Sie den Charakterstärken-Test der Universität Zürich. Der Lehrstuhl für positive Psychologie hat ihn entwickelt. Er widmet sich ebenfalls unseren Stärken. Ihre Investition: 40 Minuten Lebenszeit.
  • Fragen Sie mindestens zehn Kolleginnen, Freunde, Vorgesetzte, Kunden, Lebenspartnerinnen – am besten schriftlich – an, welche Eigenschaften sie besonders an Ihnen schätzen. Sammeln Sie die Ergebnisse und ordnen Sie diese nach: Das ist neu für mich. Das ist mir bekannt. Das macht mir Freude. Das nimmt mir Kraft. Ihre Investition: Zeit und gute Gespräche mit Ihrem Umfeld. 

Werten Sie die Ergebnisse mit einem Coach oder einem Kollegen aus. Das hilft Ihnen, bis an und sogar über den Rand Ihrer Selbstwahrnehmung zu gehen. Ansonsten tendieren die meisten von uns dazu, zu bescheiden sein.

Wie kann ich im Alltag mein Talent zu einer Stärke entwickeln?

Folgende Fragen können Ihnen weiterhelfen. Wenden Sie sie auf Ihre unterschiedlichen Talente an.

  • Kann ich mein Talent in meinem Beruf bereits genügend einsetzen?
  • Bei und mit welchen Aufgaben kann ich dieses Talent noch mehr fördern und entwicklen?
  • Kann ich es noch mehr einsetzen?
  • Wenn nein, gibt es Möglichkeiten für mich, dies zu ändern?
  • Wie kann ich dieses Talent in meiner Freizeit ausleben?
  • Welche Literatur, Seminare oder Ausbildungen interessieren mich zu dem Thema?

Kommen Sie auf den Punkt und benennen Sie ihr «kleines Genie»!

Die Essenz aus allen Talenten nenne ich «das kleine Genie».

Ich persönlich kann Menschen inspirieren, motivieren und manche behaupten sogar, ich könne sie  «verführen», einen Schritt ins Unbekannte zu machen. Das hilft mir als Coach.

Früher dachte ich, das kann doch jeder. Aber halt! – Dem ist nicht so! Folgende Talente unterstützen mein kleines Genie: Ideenreichtum, Wissbegier, Lernleidenschaft und positives Denken. Das Schöne daran ist, ich kann mich immer auf diese Talente verlassen, auch wenn sonst nichts mehr geht.

Was ist ihr kleines Genie?

Fünf Schritte zu Ihrem kleinen Genie

  1. Machen Sie sich eine Liste mit Dingen, die Sie Ihrer Meinung nach gut können, die Sie gerne tun, die Ihnen leicht von der Hand gehen, die selbstverständlich für Sie sind, die Ihnen Spass machen und Sie nicht stressen. Seien Sie bitte NICHT bescheiden und schreiben Sie alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Mindestens eine DINA4 Seite sollte es schon sein.
  2. Verheiraten Sie ihre eigene Liste mit dem Aussenbild, das Sie über Stärken-Tests und über die Antworten aus ihrem Umfeld erhalten haben. Auch alte Zeugnisse sind eine gute Quelle.
  3. Versuchen Sie die Essenz in den Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern zu entdecken. Was geht automatisch, wie von selbst? Beobachten Sie auch andere, wie denken, fühlen und handeln sie? Wo können Sie Unterschiede zu sich feststellen?
  4. Versuchen Sie die Essenz in einen Satz zusammenzufassen und teilen Sie das wieder mit Ihrem Umfeld. Sind die Ansichten ähnlich?
  5. Talente brauchen Pflege, Zeit und Hingabe. Pflegen Sie Ihre Talente, damit sie zu Stärken heranwachsen kann.

Quellen:

 

Kommentieren0 Kommentare

Lisa Ritter arbeitet als Coach. Sie berät und begleitet Unternehmen sowie Teams in Veränderungsprozessen. Sie gibt Seminare im Bereich Führung und Persönlichkeitsentwicklung. Ihre ressourcenfokussierte Haltung wird in ihrer Arbeit sichtbar. Ihr Fachwissen und Ihre Erfahrung als Coach vermittelt sie in einer 2-jährigen Coaching-Ausbildung.

Weitere Artikel von Lisa Ritter
Log in to post a comment.

Das könnte Sie auch interessieren