HR Today Nr. 7&8/2018: Global Mobility

Wer sind die Expats?

Die Schweiz gilt bei Expats laut einer Studie als interessant – nicht zuletzt aufgrund ihrer stabilen Wirtschaft. Vor allem Personen aus Italien, England und Deutschland zieht es zu uns. Dennoch liegt die Schweiz im internationalen Ranking nur im Mittelfeld.

Die Schweiz ist bei Expats zwar beliebt, aber nicht top. Ein Vergleich der Expat-Insider-Studie von 2016 und 2017 der Internations GmbH zeigt: Die Schweiz hat sich um vier Plätze verbessert. Sie belegt allerdings lediglich Platz 27 von insgesamt 65 Destinationen. Warum?

Gründe, die für die Schweiz sprechen

Laut Expat-Insider-Studie 2017 kommen die meisten Expats aus beruflichen Gründen in die Schweiz. Dank seiner stabilen Wirtschaft ist das Land bei diesen Arbeitnehmenden sehr angesehen. Ebenfalls schätzen Expats die hohen Einkommensmöglichkeiten in der Schweiz. Obwohl die Lebenskosten ebenfalls hoch sind, zeigen sich 69 Prozent der Befragten «grundsätzlich zufrieden» mit ihrer finanziellen Lage. Sie mögen die ausgezeichnete Lebensqualität, die Sicherheit und den öffentlichen Verkehr. Auch das Gesundheitswesen stösst auf grosse Beliebtheit. Kritisiert werden allerdings die hohen Gesundheitskosten.

Was ist ein Expat?

Was genau ist ein Expat? Ein von einem Unternehmen Entsandter? Nicht unbedingt. Als Expat gilt im internationalen Verständnis jemand, der oft, jedoch nicht zwingend, im Auftrag seiner Firma längere Zeit im Ausland arbeitet.

Laut Schweizer Recht ist ein Expat ein Arbeitnehmer, der auf Geheiss des Arbeitgebers vorübergehend in einem anderen Land einen Auftrag erledigt. Während dieser Zeit bleibt die Sozialversicherungsgesetzgebung des Ursprungslands anwendbar. In diesem Text beziehen wir uns auf die internationale Erläuterung.

Sozialleben steht in der Kritik

Dass die Schweiz bei ausländischen Expats nicht top ist, hat einen bestimmten Grund: Der grösste Kritikpunkt betrifft nämlich die soziale Verknüpfung. Für 68 Prozent der befragten Expats ist es schwierig, in der Schweiz Freundschaften zu knüpfen. Ein amerikanischer Teilnehmer wird in der Studie wie folgt zitiert: «Schweizer sind reserviert. Sie sind zwar freundlich, suchen aber keine Freundschaften.»

Dementsprechend finden sich amerikanische Arbeitnehmende auch nicht unter den Top-Drei der einreisenden Nationen. Die drei meistverbreiteten Expat-Nationalitäten in der Schweiz sind England, Italien und Deutschland.

Beweggründe: Arbeit oder Liebe

Die Mehrheit der ins Ausland ziehenden Arbeitnehmenden tut dies aus eigenem Antrieb. So suchen zwölf Prozent der weltweiten Expats von sich aus eine neue Stelle in einem anderen Land. Genauso viele verlassen ihre Heimat der Liebe wegen und elf Prozent werden von ihrem Unternehmen in ein anderes Land geschickt. Auf Rang fünf der Beweggründe landet mit lediglich acht Prozent der Nennungen die Lebensqualität, aufgrund derer Expats das Land wechseln.

Überraschende Lieblingsdestinationen

Schaut man sich an, wo Expats am liebsten hinziehen, erlebt man eine Überraschung: Laut der Studie von Internations leben Expats am liebsten in Bahrain. Das kleine Königreich im persischen Golf ist 2017 in der Rangliste von Platz 19 auf den ersten Platz geklettert. Die Gründe dafür: die «Leichtigkeit des Niederlassens» und die «Karrierezufriedenheit». Auch die beiden anderen Podestplätze kommen eher unerwartet. Auf Platz zwei befindet sich Costa Rica – dank seiner «Gastfreundlichkeit» und seiner «puren Lebensstimmung». Den dritten Platz belegt das «preiswerte» Mexico, wo es ebenfalls einfach sei, sich niederzulassen.

Schweizer Expats passen sich rasch an

Für viele Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Internations-Studie ist das Leben im Ausland nichts Neues. Sie können sich schnell an die Gepflogenheiten im Ausland anpassen, denn drei von vier Schweizer Expats gaben an, schon einmal in einem anderen Land gelebt zu haben. Auch spricht fast die Hälfte der Schweizer Arbeitnehmenden im Ausland die offizielle Landessprache «fliessend».

Die meisten Schweizer Talente auf globaler Mission leben zu je sechs Prozent in Brasilien, England und in den USA. Ein Drittel von ihnen zieht aus Karrieregründen ins Ausland. Ein weiterer häufig genannter Grund ist die Liebe. 42 Prozent der Schweizer Expats haben in der Wahlheimat eine Partnerschaft.

Bessere Verdienstmöglichkeiten sind für Schweizerinnen und Schweizer eher nebensächlich: Nur 17 Prozent der Befragten gaben an, im Ausland mehr zu verdienen als in der Schweiz. Dass aber die lokalen Lebenskosten deutlich tiefer sind, sehen 53 Prozent der Befragten als «potenziellen Benefit».

Über die Studie

Vom 20. Februar bis 8. März 2017 hat 
Internations zum vierten Mal eine Expat-Insider-Studie durchgeführt. Um Einblick in das Leben von Expats rund um den Globus zu geben, wurden über 12 500 
Expats aus 166 Nationen befragt.

Die Rangliste beleuchtet 65 Destinationen und fokussiert auf Lebensqualität, Leichtigkeit des Niederlassens, Arbeiten im Ausland, Familienleben und persönliche Finanzierung.

Internations GmbH mit Sitz in München ist laut eigenen Angaben die weltweit grösste Netzwerk-Plattform für Expats.

Internations: Expat Insider 2017. The World Through Expat Eyes.

 

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Manuela Vock

Redaktorin, HR Today. mv@hrtoday.ch

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