HR Today Nr. 7&8/2018: Interkulturelle Zusammenarbeit

Das macht interkulturelle Teams erfolgreich

Wie schaffen es vielfältige Teams, Chancen zu nutzen und Gefahren zu umschiffen? Neun Erfolgsfaktoren.

Interkulturelle Teams sind selten durchschnittlich. Entweder, sie erbringen Top-Leistungen oder sie scheitern. ZHAW-Professor Samuel van den Bergh hat zusammen mit Ralph Lehmann, Professor für Management an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur, gut funktionierende interkulturelle Teams untersucht.

Einen Artikel über ihre Erkenntnisse haben die Forscher bereits 2004 in der Fachzeitschrift «io New Management» veröffentlicht. Diese haben auch heute noch Gültigkeit. Eine Zusammenfassung.

van den Bergh und Lehmann sprechen von verschiedenen Stufen, auf denen sich Teamkollegen bei der interkulturellen Zusammenarbeit begegnen können.

  • Bei der kulturellen Ignoranz nimmt man gar nicht wahr, dass es kulturelle Unterschiede gibt – oder man bestreitet sie. Jedes Teammitglied handelt nach seinen eigenen Werten und Normen. Dadurch können massive Konflikte entstehen.
  • Bei der kulturellen Dominanz setzt eine Kultur ihre Normen durch und die anderen fügen sich. Das Problem: Die Perspektivenvielfalt, die interkulturelle Teams so stark macht, geht dadurch verloren.
  • Ein kultureller Kompromiss bedeutet, dass jedes Teammitglied ein wenig von seinen gewohnten Normen abweicht.
  • Am erfolgreichsten sind Teams, die eine synergetische Form der Zusammenarbeit finden. Sie einigen sich auf gemeinsame Regeln, die den unterschiedlichen Ansichten und Vorstellungen gerecht werden. So nutzen sie ihr Potenzial und vermeiden Konflikte.

Um eine synergetische Zusammenarbeit zu erreichen, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein.

1. Verständnis

Es braucht Ethnorelativismus, das heisst, Verständnis und Interesse für die Andersartigkeit. Alle Teammitglieder müssen sich bewusst sein, dass Unterschiede existieren. Auch wenn es nur einzelne Personen sind, die anderen Kulturen mit Vorurteilen und Ablehnung begegnen, kann das die Zusammenarbeit erschweren oder unmöglich machen. Dies sollte auch bei der Auswahl von Mitgliedern für multikulturelle Teams eine wichtige Rolle spielen.

2. Brückenbauer

Jedes interkulturelle Team braucht einen Brückenbauer – im Idealfall in der Rolle des Teamleiters. Ein Brückenbauer ist eine integrative Person, die in etwa weiss, was die einzelnen Teammitglieder brauchen, damit sie arbeiten können.

3. Gleichgewicht

Für den Erfolg ist die richtige Zusammensetzung des Teams essenziell. Am erfolgreichsten sind heterogene Teams, bei denen die Nationalitäten ausgewogen zusammengesetzt sind.

4. Gemeinsame Nenner

In den meisten Teams der Untersuchung, die eine synergetische Form der Zusammenarbeit gefunden hatten, bestanden kittende Gemeinsamkeiten zwischen den Teammitgliedern, wie zum Beispiel persönliche Interessen, die familiäre Situation oder die Ausbildung. Solche Gemeinsamkeiten erleichterten den Aufbau von Vertrauen und von Verständnis. Ein solcher «Common Ground» kann aber auch physisch geschaffen werden: etwa durch einen gemeinsamen Arbeitsplatz oder regelmässige Treffen.

«Vorurteile sind Gift für die Zusammenarbeit»

Samuel van den Bergh über interkulturelle Zusammenarbeit. Interkulturelle Teams sind selten durchschnittlich. Entweder sind sie Überflieger oder sie scheitern grandios. ZHAW-Professor Samuel van den Bergh spricht darüber, warum das so ist und welche Stärken interkulturelle Teams nutzen sollten. Zum Artikel

5. Die passende Aufgabenstellung

Interkulturelle Teams bringen gute Voraussetzung mit, um divergente, komplexe oder unstrukturierte Aufgabenstellungen zu lösen. Schlechte Voraussetzungen bringen sie dagegen für konvergente, repetitive und stark strukturierte Aufgaben mit, die ein hohes Mass an Koordination erfordern.

6. Der richtige Teamleiter

Die Auswahl des passenden Teamleiters ist essentiell für den späteren Erfolg. Dieser hat bei der interkulturellen Zusammenarbeit eine Art Moderatorenrolle: Er sollte Fach- und interkulturelle Kompetenz haben und auch zuhören, integrieren und aktivieren können.

7. Koordination

Um ihre Kreativität entfalten zu können, brauchen multikulturelle Teams flache, flexible Strukturen und eine partizipative Art der Führung.

8. Infrastruktur

Häufig bedeutet «interkulturell» auch «international» und oft ist die Arbeit im internationalen Team mit intensiver Reisetätigkeit verbunden. Um ihre Aktivitäten Zeit- und ortsunabhängig aufeinander abzustimmen, benötigen Teams die richtigen Hilfsmittel.

9. Genug Zeit am Anfang

Je vielfältiger ein Team ist und je weniger Erfahrung Teams bei der internationalen Zusammenarbeit haben, desto mehr Zeit brauchen sie am Anfang, um eine Teamkultur zu schaffen. Diese Zeit gewinnen funktionierende Teams wieder, wenn sie ihren Auftrag reibungslos erledigen.

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Antonia Fischer

Leiterin Online-Redaktion, HR Today. af@hrtoday.ch

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