Checkliste

Körpersprache: Authentisch statt perfekt

Der sichere Weg zu einer guten Körpersprache ist nicht das Abarbeiten von Tipps. Es ist der gute Kontakt mit sich selbst. Denn die Körpersprache funktioniert für alle Menschen anders.

Brust raus, Füsse fest auf dem Boden verankert, Arme nicht verschränken: An Tipps für die richtige Körpersprache mangelt es nicht. Zahllose Bücher sagen uns, wie diese auszusehen hat und wo die körpersprachlichen Fettnäpfchen auf uns warten. Körpersprache-Expertin Violeta Mikic hinterfragt den Wert solcher Pauschaltipps. «Die Körpersprache funktioniert einfach nicht für alle Menschen gleich. Es geht doch nicht darum, perfekt zu sein, sondern authentisch», erklärt sie.

Aber was heisst das für den Einzelnen, der in stressigen Situationen in Schnappatmung verfällt und nicht mehr weiss, was um alles in der Welt er mit seinen Händen anfangen soll?

«Eine passende Körpersprache fängt damit an, dass man sich fragt, wie man sich in einer Situation gerade fühlt», sagt Mikic. Und genau das machen die meisten ihrer Ansicht nach viel zu selten: «Wenn wir uns unwohl fühlen, versuchen wir das zu verdrängen und wenn wir uns wohlfühlen, beachten wir das in der Regel nicht weiter. Doch das, was wir fühlen, ist auf unserer Körperoberfläche zu sehen.»

Wer seine Körpersprache besser einsetzen möchte, sollte nach Ansicht der Expertin zuerst einmal in den guten Momenten darauf achten, wie der eigene Körper funktioniert. «Nur wer sich und die Facetten seiner Persönlichkeit kennt, kann dieses Wissen unter Stress abrufen und für sich nutzen.»

Raffinesse erwünscht

Gerade für Frauen ist das besonders zentral. Lange wurde ihnen eingetrichtert, dass sie sich gegenüber Männern mit einem eher männlichen Gestus besser durchsetzen können. «Männern schreiben wir schnell Dominanz zu. Frauen reagieren darauf entweder ebenfalls mit burschikoser Körpersprache oder sie verfallen in Demut. Beides ist schade. Denn wir haben ein weibliches Pendant zur Dominanz, und zwar die Raffinesse. In unseren Breitengraden trauen sich Frauen diese aber oft nicht einzusetzen, weil sie fürchten, dann nicht ernst genommen zu werden.»

Aber was verbirgt sich hinter dieser Raffinesse? «Raffiniert kann es zum Beispiel sein, einfach still zu sein und abzuwarten – dabei aber trotzdem präsent zu sein.

Die Angst vor zu viel Fraulichkeit im Job ist laut Mikic also unbegründet. «Frauen haben nun mal natürlicherweise einen Hüftschwung und der darf auch im Business sein. Er zeigt, dass wir entspannt sind. Ich glaube, dass es Frauen viel leichter haben könnten, wenn sie respektieren, dass sie eine andere Energie haben und ihr Wissen mit anderen Mitteln zeigen als Männer», so Mikic.

Unsere Körpersprache setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen und wir können uns aus einem breiten Instrumentarium bedienen. Ein kurzer Überblick über ein weites Feld:

Kompass der Körpersprache

Die Mimik ist der Kompass der Körpersprache und trägt wesentlich dazu bei, dass sich die Kommunikationspartner wohlfühlen. Auf unserem Gesicht werden Emotionen und Gedanken projiziert. Mit der Mimik vermitteln wir erstens unsere Gemütsverfassung, zweitens unsere innere Reaktion auf das Gesagte und drittens unser emotionales Verhältnis zum Gegenüber. Jede Begegnung, jeder Kontakt beginnt mit dem Blick. Augen, Mund und Stirn bestimmen, ob die Kommunikation gelingt. Damit ist die Mimik das Element der Körpersprache, das für unser Gegenüber am wichtigsten ist, um sich zu orientieren.

Massvolle Gestik

Die Gestik, also Arm- und Handbewegungen, unterstützt und illustriert, was wir sagen. Sie lässt unsere Kommunikation lebendig werden. Bereits in der Kindheit lernen wir spontane Gesten. Die einfache Zeigegeste – «da» und «dort» – ist der Beginn aller Kommunikation: Aus dem Nach-etwas-Greifen wird das Zeigen. Aus dem Haben-Wollen wird eine Botschaft, die das Kind an eine andere Person richtet. Mit knapp drei Jahren entwickelt sich das Ich-Bewusstsein. Nun gestikulieren Kinder plötzlich doppelt so viel wie vorher, genau dann, wenn auch der Wortschatz einen Sprung macht.

 

Bei der Gestik gilt: Je kleiner wir uns fühlen, desto kleiner fallen auch unsere Gesten aus. Werden sie aber bewusst und mit Sicherheit eingesetzt, können kleine Gesten Wunder wirken. Grosse Gesten, unbewusst eingesetzt, suggerieren dagegen Kontrollverlust. Dazwischen liegt ein schmaler Grat.

Gut gestimmt

Die Begriffe «Stimme» und «Stimmung» haben nicht umsonst den gleichen Wortstamm. Der Klang der Stimme wird durch Emotionen geprägt, der eigene Tonfall erzeugt wiederum eine bestimmte Stimmung beim Gegenüber. Ob in Ihrer Ansprache der Brustton der Überzeugung mitschwingt oder Unsicherheit, kann man hören und kommt als Reaktion zurück. Die Stimme ist tonangebend, wenn Botschaften ankommen sollen. Sie ist abhängig von einer guten Atmung.

Haltung bewahren

Die Haltung ist ausschlaggebend für einen überzeugenden Auftritt. Rückgrat zeigen bedeutet, sich über die eigene Verfassung im Klaren zu sein, sich einer Situation zu stellen und dem Gegenüber offen ins Auge zu blicken. Eine aufrechte Haltung signalisiert nicht nur Optimismus, sondern auch Dynamik, Gelassenheit, Kompetenz und Selbstbewusstsein. Und daraus entsteht Überzeugungskraft.  Wer sich gerade hält, macht es auch seiner Atmung leichter.

Der richtige Rhythmus

Wir bewegen uns in einem gewissen Rhythmus, kommunizieren mehr oder weniger lebhaft von Kopf bis Fuss. Rhythmus gibt den Kommunikationstakt vor. Mit bewusst abgestimmten Bewegungsabläufen lassen sich Emotionen erzeugen, Nähe oder Distanzen fein abstimmen. Zudem bestimmt unser Rhythmus den Spannungsbogen im Dialog und lässt Aussagen dramatisch oder denkwürdig ankommen. Erst wenn das Tempo zur Botschaft passt, gewinnt die Ausstrahlung.

In stressigen Situationen kann der eigene Rhythmus aus dem Tritt geraten. Gerade wenn wir aufgeregt sind, verfallen wir gern in hektische Bewegungen. Doch gerade wer es eilig hat, sollte sich bewusst dafür entscheiden, langsam zu machen. Denn souveränes, kompetentes und vertrauenswürdiges Verhalten spiegelt sich im gemässigten Rhythmus wider. Und die Entscheidung, sich selbst zu verlangsamen, kann jeder bewusst treffen – vorausgesetzt, man tritt mit sich selbst in Kontakt.

Durchatmen

Unsere Atmung ist das Allerwichtigste – nicht nur in Bezug auf unsere Körpersprache. Die Atmung besteht aus Einatmen, Ausatmen und einer Atempause. Sind wir aufgeregt, ist die Einatmung oft doppelt so lang wie die Ausatmung. Die brauchen wir aber, um in Ruhe sprechen zu können. Bei Nervosität sollten wir uns darum auf den Atem konzentrieren. Was hilft: sich bewusst zurücklehnen und vielleicht eine Frage stellen. Das verschafft einem Zeit, den Atem zu beruhigen.

Als Seismograph für unsere innere emotionale Befindlichkeit reagiert der Atem auf jeden Einfluss, kann stocken oder Ruhe ausstrahlen. Aus dem Rhythmus der Atmung entsteht die Bewegung in der Mimik, im Ges­tus und in der Sprache. Wer Ruhe ausstrahlt, erlangt Kontrolle und Sicherheit über eine Situation und kann besser steuern, wie er mit dem Gegenüber kommuniziert. Vergegenwärtigen Sie sich dies in Ihrem beruflichen Alltag. Mit einem entspannten Gesicht fällt uns die Atmung übrigens leichter. Und besser aussehen tun wir dann auch.

Zur Person

Violeta Mikic ist Coach und Beraterin für Persönlichkeitsentwicklung, Körper­sprache und Kommunikation für ­Menschen in Führungs­positionen. Als Regisseurin für Business- und Medienauftritte unterstützt sie ihre Kunden ­dabei, in jeder Situation ihre eigene ­Stimme und innere Haltung zu ­finden – für professionelle Präsenz und authentische Wirkung.

Dieser Artikel ist erschienen bei Miss Moneypenny.

 

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