Checkliste

10 Kompetenzen für erfolgreiches Selbstmanagement

«Wir müssen mehr Verantwortung für unser Leben übernehmen.» «Wir müssen heute dafür sorgen, dass wir künftig nicht in eine Krise geraten.» Solche Sätze liest man in vielen Ratgebern. Doch welche Kompetenzen brauchen wir künftig konkret, um unser Leben zu meistern? Das steht in ihnen meist nicht. Ein Antwortversuch.

Kompetenz 1: in Alternativen denken

Unser Lebensumfeld ändert sich immer schneller. Wenn wir heute einen guten Job mit glänzenden Aufstiegschancen haben, garantiert und beispielweise niemand, dass wir diesen auch noch in fünf oder gar zehn Jahren haben. Vielleicht fusioniert das Unternehmen, für das wir arbeiten, mit einem anderen und unser Bereich wird dichtgemacht?

Mit solchen Unwägbarkeiten müssen wir lernen zu leben; auch damit, dass wir nicht voraussagen können, wie unser Lebensumfeld in fünf oder zehn Jahren aussieht. Das darf uns keine Angst bereiten. Sonst gehen wir mit angezogener Handbremse durchs Leben – so, als stünde schon fest, dass wir den Job verlieren. Wir müssen vielmehr heute darauf hinarbeiten, dass wir auch dann noch mehrere Optionen haben, wenn sich die Zukunft anders gestaltet, als wir vermuten.

Kompetenz 2: für schwache Signale sensibel sein

Mehrere realistische Optionen können wir uns nur erarbeiten, wenn wir sensibel für schwache Signale in unserer Umwelt sind. Welche Gefahren könnten uns künftig drohen? Welche Chancen könnten sich uns eröffnen? Weil die Zukunft nie Gegenwart ist, können wir unsere (Zukunfts-)Entscheidungen selten auf Tatsachen stützen. Wir müssen uns auf Vermutungen verlassen. Also müssen wir lernen, Signale für anstehende Veränderungen in unserer Umwelt wahrzunehmen und daraus abzuleiten, welche Konsequenzen sich hieraus für uns ergeben könnten.

Kompetenz 3: auf unsere Intuition vertrauen

Künftig müssen wir uns häufiger entscheiden, obwohl uns noch wichtige Informationen fehlen. Wir müssen häufiger Entscheidungen treffen, deren Konsequenzen wir noch nicht voll überblicken. Wir müssen lernen, uns auch dann zu entscheiden, wenn die Entscheidungsgrundlagen noch schwanken und zu unseren Entscheidungen zu stehen, solange dies sinnvoll erscheint – selbst wenn noch nicht klar ist, ob diese wirklich zum Erfolg führen.

Vor dieser Herausforderung stehen heute schon Eltern beim Erziehen ihrer Kinder. Und niemand kann ihnen sagen, wie viel Härte, Nachsicht und Geduld nötig sind, damit ihre Zöglinge künftig ihr Leben meistern. Nur weil unklar ist, ob ihr Handeln zum (gewünschten) Ziel führt, können Eltern aber nicht darauf verzichten, ihre Kinder zu erziehen.

Zugleich gilt jedoch: Wir müssen uns im Rückblick nicht mit Selbstvorwürfen zerfleischen, wenn wir nicht erfolgreich waren – sofern wir wissen: Wir taten zum Zeitpunkt der Entscheidung das, was uns als das Beste erschien. Eltern entwickeln im Laufe der Jahre meist ein Gespür dafür, was beim Erziehen ihrer Kinder richtig ist. Deshalb erreichen sie meist das gewünschte Ziel, wenn auch oft auf Umwegen. Ähnlich wird es künftig auch in anderen Lebensbereichen sein. Auch bei ihnen müssen wir stärker auf unsere Intuition vertrauen.

Kompetenz 4: das grosse Ganze sehen

Um die richtigen Entscheidungen zu treffen, müssen wir unser Leben als Ganzes im Blick haben. Nur wenn wir abschätzen können, welche Auswirkungen zum Beispiel unsere beruflichen Entscheidungen auch auf unser Familienleben, unser körperliches Wohlbefinden und unser Lebensglück haben, können wir auf Dauer ein zufriedenes und erfülltes Leben führen. Fehlt uns diese Gesamtsicht, scheitert unser Versuch, die rechte Balance im Leben zu finden und zu wahren.

Ein Beispiel: Manch junger Erwachsener unterschätzt, wenn er den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, die Auswirkungen dieser Entscheidung auf seine anderen Lebensbereiche. Er übersieht zum Beispiel, dass er dann wegen der hohen Arbeitsbelastung in der Existenzgründungsphase kaum noch Zeit für Familie und Freunde hat und stellt nach zwei, drei Jahren erschreckt fest: Nun floriert zwar mein Geschäft, doch in der Zwischenzeit habe ich meine Freunde verloren.

Kompetenz 5: Rat suchen und annehmen

In unserem Privatleben merken wir oft: Unser Blick für unser Gegenüber ist umso «getrübter», je näher uns eine Person steht. Wir betrachten unser Kind als «Goldschatz», obwohl andere in ihm einen verwöhnten Fratz sehen. Wir empfinden unsere Liebesbeziehung als geglückt, obwohl wir uns darin aufgeben. Ähnlich ist es in anderen Lebensbereichen – zum Beispiel bei unserer Arbeit. Deshalb müssen wir lernen, ab und zu neutrale Beobachter oder Coaches als Begleiter zu Rate ziehen, die uns helfen, unsere blinden Flecken zu entdecken. Viele Menschen ziehen Experten meist erst zu Rate, wenn es zu spät ist. Arbeitnehmer etwa kontaktieren erst einen Coach oder Berater, wenn die Kündigung bereits auf ihrem Schreibtisch liegt. Sinnvoller wäre es, wenn sie noch in Lohn und Brot stehen, ab und zu checken, ob ihre Qualifikation künftig noch gefragt ist. Dann könnten sie proaktiv aktiv werden – zum Beispiel, indem sie sich weiterbilden.

Kompetenz 6: lernen können und wollen

Eine hohe Sensibilität für schwache Signale und alle guten Ratschläge sind vergebens, wenn wir nicht bereit sind, zu lernen, und aus unseren Erkenntnissen die nötigen Schlüsse zu ziehen. Viele Menschen können ihr Leben zwar hervorragend analysieren und sagen, was nötig wäre – auf ihre Analyse folgt jedoch kein Tun. Das heisst: Wir müssen auch eine gewisse Härte gegen uns entwickeln und aus unseren Erkenntnissen die nötigen Schlüsse ziehen.

Kompetenz 7: für neue Lösungen offen sein

Scheitern ist beim Versuch, unser Leben zu gestalten, stets möglich. Und wir werden künftig häufiger scheitern. Wir müssen neue kreative Designs entwerfen, weil sich unsere alten Verhaltensmuster und Lösungen für das Bewältigen der Zukunft nicht mehr eignen. Teilweise müssen wir sogar das Gegenteil dessen tun, womit wir in der Vergangenheit erfolgreich waren.

Dies fällt fast allen Menschen schwer, denn unsere aktuellen Denk- und Verhaltensmuster haben wir uns über Jahrzehnte antrainiert. Sie sind ein Teil von uns – Entsprechend schwer können wir sie ablegen. So sind zum Beispiel viele Angestellte überzeugt, eine Festanstellung biete ihnen die meiste Sicherheit. Das ist ein Trugschluss! Wenn morgen die ferne Konzernzentrale beschliesst, den Laden zu verkaufen, können sie morgen arbeitslos sein – selbst wenn sie zuvor jahrelang Top-Mitarbeiter waren. Manchmal ist es tatsächlich sicherer, sich selbstständig zu machen, sofern man eine gute Geschäftsidee und das erforderliche «Unternehmer-Gen» hat.

Kompetenz 8. Netzwerke aufbauen und pflegen

Das Springen über den eigenen Schatten erfordert Mut. Alleine bringen wir ihn oft nicht auf. Deshalb wird es künftig wichtig sein, Allianzen zu schmieden. Das heisst: Wir müssen lernen, Verbündete zu suchen und zu finden. Das können wir nur, wenn wir fähig sind, unsere Bedürfnisse anderen Menschen mitzuteilen – und wenn wir ausserdem Kompromisse mit ihnen schliessen können.

Dazu ein Beispiel: Künftig wird es vermutlich noch schwieriger sein, dass beide Partner in einer Ehe eine Top-Karriere machen und zugleich ein erfülltes Familienleben mit Kindern führen. Also müssen sie einen «Vertrag» entwerfen, der es beiden Partnern ermöglicht, ihre Lebensvision zu realisieren. Hierfür müssen sie ihre Wünsche zunächst auf den Tisch legen. Ausserdem müssen sie bereit sein, auf bestimmte Dinge, zum Beispiel einen möglichen Karriereschritt, zu verzichten, damit sie das für sie wichtigere Gut – zum Beispiel ein erfülltes Familienleben, eine befriedigende Partnerschaft – erlangen können.

Kompetenz 9: die eigenen Werte kennen

Zum Entwickeln tragfähiger Kompromisse und Partnerschaften müssen wir wissen, was uns wirklich wichtig ist. Denn nur dann können wir sagen, worauf wir bereit sind zu verzichten und worauf nicht. Wenn wir diesbezüglich keine Klarheit haben, können wir entweder nicht mit anderen kooperieren, oder wir ordnen uns ihren Wünschen unter – beruflich und privat.

Generell gilt: Was uns wichtig ist, zeigt sich auch darin, worauf wir bereit sind, hierfür zu verzichten. Manche Berufstägige wünschen sich zum Beispiel, eine Top-Karriere zu machen und ein weit überdurchschnittliches Einkommen zu erzielen, zugleich möchten sie jedoch möglichst viel Freizeit haben –  für ihre Familie, für ihre Hobbies und, und, und. Beides zugleich ist jedoch nur in Ausnahmefällen möglich. Also heisst es sich zu entscheiden: Was ist mir wichtiger?

Kompetenz 10: zuversichtlich sein

Eine positive Grundeinstellung zu Veränderungen wird künftig neben unserem Wertebewusstsein die wichtigste Eigenschaft sein, die wir brauchen. Wenn wir vor Veränderungen Angst haben, trauen wir uns auch nicht, neue Lebensentwürfe zu entwickeln. Dann bitten wir auch nicht rechtzeitig Experten um Rat, sondern verschliessen vielmehr unsere Augen vor den Herausforderungen, vor denen wir stehen.

Eine positive Einstellung zu Veränderungen zeigt sich auch darin, dass wir das Risiko eines Scheiterns akzeptieren und dass wir ein Scheitern nicht als persönliches Versagen interpretieren. Denn unser Scheitern beweist: Wir haben es versucht. Also können wir auch einen zweiten Versuch wagen.

 

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Frank Linde ist Co-Geschäftsführer der im-prove coaching und training GmbH, Lingen (Ems), das Unternehmen sowie ihre Mitarbeiter bei Changeprojekten unterstützt und Change-Berater ausbildet. www.im-prove.de

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Michael Reichl ist Co-Geschäftsführer der im-prove coaching und training GmbH, Lingen (Ems), das Unternehmen sowie ihre Mitarbeiter bei Changeprojekten unterstützt und Change-Berater ausbildet. www.im-prove.de

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