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Geteilte Verantwortung, doppeltes Know-how: Fünf Tipps für erfolgreiches Job- und Topsharing

Die Erfahrung zeigt: Job- und Topsharing sind in praktisch allen Branchen und Bereichen möglich. Auch dort, wo das Vertrauensverhältnis zu den Kundinnen und Kunden zentral ist, etwa in Banken oder Arztpraxen. Was müssen Unternehmen beachten, um Job- und Topsharing erfolgreich umzusetzen? Fünf Praxistipps.

Mehr Know-how, Erfahrung und Loyalität bei geringeren Ausfallzeiten – die Vorteile von Jobsharing sind statistisch erwiesen. Das gilt für alle Hierarchiestufen, bis hin zum Topsharing mit geteilter Führungsverantwortung. 27 Prozent von 2600 befragten Unternehmen in der Schweiz bieten gemäss einer Erhebung der Fachhochschule Nordwestschweiz Jobsharing-Stellen an. Auch das Prinzip der gemeinsamen Führung wird in vielen KMU und Familienbetrieben schon seit Langem gelebt. Wenn Unternehmen nach wie vor zögern, das Modell einzuführen, dann aufgrund eines alten Vorurteils: dass sich Verantwortung nicht teilen lässt. Die Praxis beweist das Gegenteil: Obwohl Job- oder Topsharing mit grösserem Aufwand verbunden ist – finanziell, organisatorisch, kommunikativ –, bringt es dem Unternehmen oft echten Mehrwert. Komplexe Entscheide werden gemeinsam schneller gefällt, die Qualität und die Stellvertretungen gesichert und die Innovation gefördert.

Der aktuelle Infoletter der Familienfreundlichen Wirtschaftsregion Basel liefert Fakten und praktische Tipps zum Thema und zeigt, wie sich die grossen Chancen dieses Modells nutzen lassen.

1. Prüfen Sie geeignete Bewerbungen vorbehaltlos

Eine Stelle kann mit Hinweis aufs Jobsharing ausgeschrieben werden – oft ist das aber nicht der Fall. Vielmehr finden geeignete Mitarbeitende von sich aus zusammen. Sie ergänzen und verstärken sich in ihren Kompetenzen und bieten sich als Tandem an, das in dieselbe Richtung steuert. Prüfen Sie als Arbeitgebende solche Bewerbungen ohne Vorbehalte.

2. Definieren Sie Organisation und Verantwortlichkeiten

Lassen Sie die Bewerberinnen und Bewerber ihre Vorstellung von Job- oder Topsharing darlegen. Voraussetzung für ein funktionierendes Job- und Topsharing sind ein offener Umgang mit Kritik und die Bereitschaft, immer wieder die andere Perspektive einzubeziehen. Kommt das in der Präsentation der Bewerbenden zum Ausdruck? Auch Arbeitsteilung, Organisation und Verantwortlichkeiten sind im Bewerbungsgespräch anzusprechen und im Arbeitsvertrag zu regeln, wenn kein spezifischer Jobsharing-Vertrag vorliegt. Definieren Sie gerade bei Führungspositionen wichtige Entscheidungsprozesse vorab. So sind die Regeln klar, falls es später zu Meinungsverschiedenheiten kommt.

3. Stellen Sie eine sorgfältige Planung sicher

Wird eine Stelle im Jobsharing besetzt, verfügt ein Unternehmen über doppelt so viel Wissen und Erfahrung und kann obendrein die Stellvertretung einfacher sicherstellen. Gleichzeitig bedeutet es mehr Aufwand mit mehr Schnittstellen als in zwei Teilzeitstellen ohne Jobsharing – und zwar für die Mitarbeitenden und ihre Vorgesetzten. Die fortlaufende Abstimmung ist aufwendiger: Wer ist wann anwesend? Wer nimmt an welchen Sitzungen teil? Wer ist wie einzubeziehen? Stellen Sie die sorgfältige Planung und den regelmässigen Austausch sicher. Und fordern Sie durchaus auch Flexibilität ein, wenn dringende Entscheide mal ausserhalb der vereinbarten Arbeitszeiten zu fällen sind.

4. Stärken Sie das Bewusstsein für die Chancen und Herausforderungen

Entscheidend für den Erfolg des Job- und Topsharings ist eine grundsätzlich offene Kommunikation im Unternehmen. Mitarbeitende können Eigeninitiative und Kreativität erst richtig entfalten, wenn ihnen Gestaltungsraum zugestanden wird. Zudem braucht es das Commitment von Geschäftsleitung und mittlerem Management. Stärken Sie das Bewusstsein für die Chancen und Herausforderungen des Jobsharings in Kaderschulungen. Denn letztlich müssen die Vorgesetzten die nötigen Ressourcen bereitstellen. Vor allem zu Beginn sind höhere Fixkosten zu tragen – etwa für zwei Computer oder zwei Weiterbildungen. Auch für den Informationsaustausch ist mehr Zeit einzuberechnen. Auf längere Sicht macht sich der Mehraufwand aber mehr als bezahlt!

5. Evaluieren Sie das Modell ganzheitlich

Vorgesetzte haben die Leistung eines Jobsharing-Tandems stets als Ganzes zu beurteilen, das Zusammenspiel zwischen gemeinsamer und individueller Verantwortung. Wie bei allen alternativen Arbeitsmodellen sind die Erwartungen beim Job- und Topsharing anfänglich allerdings oft zu hoch. Dabei kommen die Stärken dieses Modells erst längerfristig zum Tragen, seien es grössere Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen oder geringere Ausfallzeiten. Evaluieren Sie die Umsetzung des Modells regelmässig und entwickeln Sie es bei Bedarf weiter. Eine lebendige Unternehmenskultur lernt aus Erfahrungen.

Definitionen

Jobsharing

Zwei oder mehr Mitarbeitende mit voneinander abhängigen Aufgaben und gemeinsamer Verantwortlichkeit teilen sich eine Vollzeitstelle.

Jobsplitting

Bei Arbeitsstellen, die in Halbzeitstellen aufteilbar sind, ergänzen sich die Mitarbeitenden komplementär.

Topsharing

Jobsharing in Positionen mit Führungsverantwortung.

Quellen: BFS, FHNW, Go For Jobsharing, Robert Half

 

 

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Julia Kuark ist Geschäftsführerin der JKK Consulting Organisationsberatung, Lenzburg. Sie studierte Maschinenbau an der Stanford University, USA, und promovierte in Arbeitspsychologie an der ETH Zürich. Sie entwickelte das Modell TopSharing und berät Organisationen und Teams bei der Einführung von flexiblen Arbeitsmodellen.

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Irenka Krone-Germann ist Co-Direktorin des Vereins Part Time Optimisation (PTO) und Mitgründerin von We Jobshare GmbH. www.go-for-jobsharing.ch, www.wejobshare.ch

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