HR Today Nr. 6/2017: Fokus Forschung

Schöne neue flexible Arbeitswelt?

Ein amerikanisches Forschungsteam hat sich intensiv mit den Veränderungen der Arbeitswelt auseinandergesetzt. Basierend auf einer Literaturrecherche ab 2007 weist die Untersuchung insbesondere auf die Bedeutung der Flexibilität hin, welche die Zukunft der Arbeit prägt.

Während eines Grossteils des vergangenen Jahrhunderts waren die Arbeitnehmer typischerweise in Vollzeit und in regulären Beschäftigungsmodellen angestellt. Fixe Arbeitszeiten und -orte sowie die gegenseitige Erwartung eines langfristigen Arbeitsverhältnisses zwischen Unternehmen und deren Mitarbeitenden bestimmten dabei die Arbeitswelt. Im Gegensatz dazu verzeichnen heute diejenigen Arbeitsplätze den grössten Wachstum, die sich über die Grenzen des Unternehmens hinausbewegen und den Menschen mehr Freiheit und Flexibilität bieten.

Ein amerikanisches Forschungsteam rund um Gretchen Spreitzer, Professorin für Management und Organisation an der Universität Michigan, hat sich intensiv mit diesen Veränderungen ausei­nandergesetzt und die Literatur zu diesen alternativen Arbeitsvereinbarungen zurückreichend bis zum Jahr 2007 untersucht. In der neuen Arbeitswelt gibt es neben hochqualifizierten Freelancern, die sich dafür entschieden haben, nicht mehr angestellt zu sein, sowohl Mitarbeitende im Niedriglohn-Sektor mit kaum vorhersehbaren Arbeitszeiten als auch Arbeitnehmende mit langfristigen Arbeitsverträgen, die ihre Arbeit jedoch zeitlich und örtlich flexibel ausführen können. Die Autoren kategorisieren diese unterschiedlichen Arbeitsvereinbarungen in drei Dimensionen der Flexibilität, die jedoch nicht unabhängig voneinander sein müssen: 1. Flexibilität im Beschäftigungsverhältnis, 2. Flexibilität bei der Arbeitsplanung und 3. Flexibilität, wo die Arbeit geleistet wird.

Die Analyse identifiziert darüber hinaus zwei Bilder, welche die neue Arbeitswelt entscheidend mitgestalten. Das erste ist positiv behaftet und spiegelt die Flexibilität von sogenannten High-Skill-Workers wider, die ihre Arbeitsvereinbarung aufgrund ihrer Beliebtheit selber wählen können. Das zweite Bild entwickelt sich hingegen für die Low-Skill-Workers, die Schwierigkeiten haben, einen existenzsichernden Lohn zu verdienen, da die Flexibilität vor allem dem Arbeitgeber von Nutzen ist.

Eine Erkenntnis dieser Studie besteht darin, dass das zweite Bild vermieden und das Potenzial des ersten genutzt werden sollte, um eine positive neue Arbeitswelt zu schaffen. Bedeutsam sind hierbei die wirtschaftliche Sicherheit, sinnvolle Arbeitsinhalte sowie unterstützende so­ziale Beziehungen. Insofern ist es wichtig, dass die Arbeitsvereinbarungen diese grundlegenden Bedürfnisse einer positiven Arbeitswelt beinhalten.

Quelle:

Spreitzer, G. M., Cameron, L., & Garrett, L. (2017). Alternative Work Arrangements: Two Images of the New World of Work. Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 4(1), 473–499.

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Laura Schärrer ist Doktorandin und wissenschaftliche Assis­tentin am Zentrum für Human Resource Management an der Universität Luzern.

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