2. Lehrlingsmarketingtagung

Um den Nachwuchs werben

Die Zweitausgabe der Lehrlingsmarketingtagung startete wie die Premiere im Jahr zuvor: mit vollbesetzten Sitzen. Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich am ­­28. Januar 2019 in der ehemaligen AZ-Druckerei in Baden eingefunden, um sich über Trends zum Lehrlingsmarketing zu informieren.

Die Erwartungen waren hoch. Sie sollten nicht enttäuscht werden: Co-Organisator Dr. Christoph Beck der Hochschule Koblenz eröffnete die Tagung mit aktuellen Erkenntnissen aus der Lehrlingsmarketing-Trendstudie 2019, in der er 266 Jugendliche zu ihren Berufswünschen befragt hat.

Sein Fazit? «Firmen sollten weniger darüber nachdenken, was junge Leute wollen, als sich aufzumachen und sich mit ihnen zu unterhalten», forderte Beck. Und dabei deren Eltern nicht auslassen. «Sie haben einen gigantischen Stellenwert bei der Lehrbetriebswahl. Wer dies vergisst, macht seinen Job nicht richtig.» Dass die Eltern die Berufswahl der Jugendlichen stark beeinflussen, wusste auch Sabine Schumacher, die beim BASF das Lehrlingsmarketing verantwortet. «Niemand kennt die Stärken und Schwächen der Jugendlichen so gut wie deren Eltern.» Sie können das Interesse der Jugendlichen für einen Beruf und eine Firma wecken oder davon abraten. «Firmen müssen Eltern als Botschafter gewinnen und verhindern, dass ihr Einfluss schadet.» Beispielsweise, indem sie gecoacht und mit fachlichen Informationen versorgt würden.

Nicht nur die Eltern, auch die Jugendlichen müssen von einer Berufslehre überzeugt werden. Um diese attraktiver zu gestalten, setzt man bei Noser Young auf Internationalität. So können Noser-Informatiklernende während eines Monats in New York Programmiererfahrung in einem Start-up sammeln (HR Today berichtete).

Dass man Jugendliche für Berufe begeistern kann, die nicht an erster Stelle auf der Berufswahlwunschliste rangieren, zeigte das Familienunternehmen Chämi Metzg in Fislisbach. Der kürzlich zum Metzger-Lehrmeister des Jahres erkorene Geschäftsinhaber findet seine Nachwuchskräfte durch seine Laufkundschaft, durch Schulkontakte, die Berufsvorstellung in der Chämi Metzg und eine einwöchige Schnupperlehre.

Nach dem vollbepackten Morgen lockte ein Flying Lunch mit lockeren Gesprächen unter den Teilnehmenden. Der Nachmittag begann dagegen gemächlich mit einer musikalischen Einlage von Youtuber Ayo Hope.

Mit Youtube ging es weiter, als Swisscom-Vertreter Caterina Reverdin und Marc Marthaler ihr Videoprojekt vorstellten: Um ihr junges Zielpublikum zu erreichen, hat das Telekommunikationsunternehmen drei verschiedene Youtube-videoformate entwickelt. Eins, in dem verschiedene Berufe vorgestellt werden (was macht eigentlich ein Mediamatiker?), ein zweites, in dem ein Influencer verschiedene Botschaften positioniert, und ein drittes, in dem die Lernenden und ihre Angehörigen in lockerer Atmosphäre befragt wurden (Was mache ich tatsächlich und was denken die anderen, was ich mache?).

Um das Erlebbarmachen der Arbeitswelt ging es auch bei der Hotelleriesuisse, die den Jugendlichen mit einem schweizweiten Tag-der-offenen-Türen-Projekt «Please disturb» einen Blick hinter die Kulissen ermöglichte und eine niederschwellige Gelegenheit bot, die Hotelprozesse kennenzulernen. Beispielsweise mit einem Hotel-Parcours, bei dem Lernende an verschiedenen Stationen über ihre Tätigkeiten berichteten, ergänzt durch Aktionen, die den Hotelalltag erlebbar machten. Etwa durch ein Gemüsewettrüsten oder einen Servierworkshop.

Nicht nur im Hotelleriebereich, auch in der Gastronomie lässt man sich einiges einfallen, um neue Fachkräfte zu gewinnen. So auch SV Schweiz, die jungen Flüchtlingen mit einer Vorintegrationslehre den Einstieg in die Berufswelt ermöglicht.

Kommentieren1 Kommentare

Chefredaktorin, HR Today. cp@hrtoday.ch

Weitere Artikel von Corinne Päper

Kommentieren

Kommentare

Die Swisscom macht's richtig: Videos. Damit erreicht man heute (potentielle) Lernende. Aber viele HR-ler hinken da halt der Zeit 10 Jahre hinterher.

Das könnte Sie auch interessieren