Global Mobility

Umworbene Pflegefachkräfte aus dem Ausland

Spitäler werben zunehmend Fachkräfte aus dem Ausland ab, um ihre offenen Stellen zu besetzen. Doch wie attraktiv ist die Schweiz für Pflegefachleute und Ärzte? Ein Gespräch mit Pflegefachkräftevermittler Luca Angelastri.

Herr Angelastri, wie beurteilen Sie die Entwicklung bei der Zuwanderung von Pflegefachpersonal in den vergangenen fünf bis zehn Jahren?

Luca Angelastri: Im Gesundheitswesen hat die Zuwanderung nicht abgenommen, wie dies in anderen Branchen zu beobachten ist. Die Arbeitsbedingungen in der Schweiz sind in dieser Branche immer noch besser als im umliegenden Ausland. Einzelne Länder versuchen zwar nun vermehrt, ihre Fachkräfte im Land zu halten, das spüren wir jedoch noch nicht. Allerdings müssen sich die Schweizer Spitäler sputen, wenn sie nicht an Attraktivität gegenüber ausländischen Arbeitgebern verlieren wollen. Einige Spitäler haben beispielsweise keine Personalwohnungen mehr. Wenn jemand in die Schweiz kommen soll und zuerst eine Wohnung suchen muss, erweist sich dies als Hürde. Ebenso, wenn er seine Übernachtungen seiner Schnuppertagen selbst bezahlen muss. Das sind alles Faktoren, welche die Arbeitgeberattraktivität schwächen.

Das heisst, Spitäler überlassen Bewerber häufig sich selbst …

Bewerber, die sich in der Schweiz nicht auskennen, erschrecken über die Wohnungskosten. Das führt dann schnell dazu, dass sie sich überlegen, überhaupt hierher zu kommen und dann absagen. Das passiert, weil sich potenzielle Arbeitgeber nicht genügend um die Bewerbenden kümmern. Wenn sich potenzielle Mitarbeitende zusätzlich noch um Wohnungen, Versicherungen und weitere administrative Tätigkeiten kümmern müssen, verlieren sie viel Zeit und können sich nicht auf ihren Job konzentrieren.

Noch scheint es kein Umdenken im im HR der Spitäler zu geben...

Viele HR-Fachpersonen stehen unter Druck und haben wenig Kapazitäten. Sie können die Bewerber deshalb nicht intensiver betreuen.

Rutscht die Schweiz im Expat-Ranking ab? Es heisst of, Expats in der Schweiz fänden in der Schweiz kaum Anschluss ...

Es gilt zu unterscheiden zwischen einem englischsprechenden Manager, der in der Geschäftsleitung arbeitet und wenig Bereitschaft zeigt, Deutsch zu lernen und einer Fachkraft im Gesundheitswesen. Pflegende und Ärzte müssen die deutsche Sprache beherrschen, sonst können sie nicht in einem Spital arbeiten. Weil unsere Kunden zudem meist deutschsprachig aufwachsen, finden sie sich in der Schweiz relativ schnell zurecht. Wir klären sie aber auch auf, dass niemand auf sie gewartet hat und sie selbst aktiv werden müssen, um neue Bekanntschaften zu schliessen. Die schlechte Stimmung nach der Masseneinwanderungsinitiative ist nicht mehr zu spüren. Das ist ja schon fast drei Jahre her und nicht mehr in den Köpfen. Die Zahl der Leute, die in die Schweiz kommen wollen, ist deshalb gleich hoch geblieben. Viele Fachkräfte kommen nach Abschluss ihrer Ausbildung in die Schweiz, um Erfahrungen zu sammeln. Die meisten wollen anfänglich zwei bis vier Jahre bleiben, kehren dann jedoch nicht mehr in ihr Heimatland zurück. In den letzten Jahren kommen zudem immer mehr Menschen ab 35 Jahren mit ihren Familien in die Schweiz. Das war vor wenigen Jahren noch nicht so.

Inwiefern trifft die Stellenmeldepflicht das Gesundheitswesen?

Wir gehen davon aus, dass uns dies nicht betreffen wird, weil wir keine arbeitslosen Pflegefachleute haben. Spitäler werden weiterhin im Ausland rekrutieren.

Zur Person

Luca Angelastri ist geschäftsführender Partner von Premium Hospital Jobs. Das Unternehmen ist auf die Vermittlung von Pflegefachkräften spezialisiert. Daneben bietet das Unternehmen auch Unterstützung beim Abschluss von Versicherungen, bei der Wohnungssuche, bei der Eröffnung von Bankkonten oder indem es Sportklubs empfiehlt.

 

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Chefredaktorin, HR Today. cp@hrtoday.ch

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