HR Today Nr. 6/2018: Im Gespräch

«Wir hatten keine Ahnung, wie man ein Heft macht»

Das Verlagsgeschäft begleitet Matthias Zimmermann seit 1993, als er zusammen mit Thomas Sterchi 
die Firma Job-Index gründet und 1998 HR Today lanciert. Im Juni 2018 feiert die Fachzeitschrift ihr 20-Jahre-Jubiläum.

Herr Zimmermann, Sie sind seit 25 Jahren im Verlagsgeschäft tätig. Was begeistert Sie immer noch daran?

Matthias Zimmermann: Es macht mir extrem Spass, etwas Neues zu machen, neue Zielgruppen zu entdecken, ein Fachmagazin aufzubauen und damit eine Branche zu erobern. Als wir HR Today vor zwanzig Jahren lanciert haben, ist noch nicht viel über das HR geschrieben worden und HR-Fachpersonen waren als Zielgruppe noch eher unbekannt.

Ist das HR von gestern das HR von heute?

Früher waren vor allem ältere Menschen im HR beschäftigt. Meist Mitarbeitende, die man vor der Pensionierung in diese Funktion abgeschoben und zum HR-Leiter befördert hatte. Sie waren hauptsächlich mit administrativer Arbeit beschäftigt. Das hat sich mittlerweile komplett geändert: HR-Fachkräfte sind zu Beratern geworden.

Was bedeutet Ihnen das 20-Jahre-Jubiläum von HR Today?

In den letzten Jahren ist der Schweizer Printmarkt massiv geschrumpft. Publicitas ist als eines der ersten Unternehmen kürzlich Konkurs gegangen. Da wird noch viel Ähnliches passieren. Wir haben uns in einem rauen Umfeld mit HR Today am Markt behauptet und schreiben schwarze Zahlen. Dass wir vierzehn Mitarbeitende beschäftigen, werte ich als grossen Erfolg, denn viele Fachzeitschriften werden von nur ein bis zwei Mitarbeitenden betreut, wobei der Inhaber oft als Chefredakteur amtet. Diese Position hatte ich bei HR Today nie inne, vielmehr war ich immer in einer kommerziellen Funktion tätig. Mittlerweilen habe ich diese zwar abgegeben, bin jedoch nach wie vor stark bei unserem Verlagsprodukt Miss Moneypenny involviert – einem Fachmagazin für Office-Managerinnen und Assis-tentinnen.

HR Today war eigentlich ein Zufallsprodukt …

Das stimmt. Als ich mich vor 25 Jahren selbständig gemacht und mit Thomas Sterchi die Firma Job-Index gründete, haben wir Produkte und Dienstleistungen für die HR-Branche angeboten. Mit Job-Index und dem RAV-Beschäftigungsprojekt «Der Arbeitsmarkt» waren wir im Arbeitsmarkt bereits etabliert und haben mit dem PSP Index ein Jahrbuch herausgegeben, das uns den Durchbruch bei Personalberatern verschafft hat. Dann sind jobs.ch und Prospective dazugekommen. Eine HR-Fachzeitschrift stand für uns damals deshalb nicht im Fokus. 1998 kamen wir beinahe zufällig mit Franz With in Kontakt, der beim damaligen VPS (Vorgängerorganisation von swissstaffing, Anm. der Redaktion) die viermal jährlich erscheinende Verbandszeitschrift Schrittmacher betreute. Er ermunterte uns, daraus eine «richtige» Personalfachzeitschrift zu machen. Wir haben das Projekt übernommen. Daraus ist zunächst das HR-Magazin Interview entstanden, bevor wir dieses im Jahr 2002 in HR Today umbenannt haben.

Was war der Grund für die Umbenennung?

Wir haben immer wieder versehentlich Post erhalten, die für die Andy-Warhol-Stiftung in New York bestimmt war, die ein gleichnamiges Magazin publizierte. Das war für uns der Zeitpunkt, um einen anderen Namen zu finden. Mit HR Today haben wir einen Brand entwickelt, der sich in der Deutsch- sowie in der Westschweiz aussprechen lässt und auf die Aktualität der behandelten Themen hinweist.

Nicht nur der Brand hat sich geändert ...

Es hat viele kleine Fortschritte gegeben. Mit jeder neuen Chefredaktion kam eine neue Philosophie. In den ersten fünf Jahren befanden wir uns noch in einer Lernphase. Wir hatten keine Ahnung, wie man ein Heft macht, haben viele externe Autoren engagiert und nur wenige Artikel selbst geschrieben. Seither hat sich das Redaktionsteam professionalisiert und ist von einem auf drei Festangestellte angewachsen. Wir sind zudem ein paar Mal umgezogen. Das brachte immer grosse Veränderungen mit sich. So haben wir 1996 im Technopark unsere ersten Büroräumlichkeiten gemietet und sind 2000 in einen neuen Bürokomplex an der Carmenstrasse umgezogen, wo HR Today mit jobs.ch und Prospective unter einem Dach zusammen kam. Das erwies sich als grosser Vorteil, um das Heft bekannt zu machen, denn mit Prospective und Jobs waren wir ständig bei Kunden – mit HR Today im Schlepptau.

Die Medienwelt ist im Umbruch. Wird man in zehn Jahren noch ein gedrucktes HR Today in den Händen halten?

Ich glaube schon. HR Today wird immer noch im Printformat existieren und ähnlich aussehen. Es muss aber noch mehr zum «Lehrmittel» werden. Der Leser soll etwas lernen und in seinem Job anwenden können. Daneben braucht es zusätzliche Dienstleistungen. Etwa in Form von Tools wie  dem Zeugnisgenerator zeugnis.ch oder Events, bei denen der Austausch mit unseren Leserinnen und Lesern im Vordergrund steht. Bei all diesen Tätigkeiten wollen wir unterschiedliche Lesersegmente ansprechen, denn ein Personaler in einem Kleinbetrieb hat andere Bedürfnisse, als eine HR-Fachkraft eines Top-100-Unternehmens.

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Chefredaktorin, HR Today. cp@hrtoday.ch

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