Schul- und Lehrabgänger lassen Arbeitslosenzahl saisonal steigen

Mit dem Sommer enden auch die Schul- und Lehrzeit für zahlreiche Jugendliche in der Schweiz. Ein Teil davon meldet sich vorsorglich bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Doch die Chancen, dass sie bald eine Stelle finden, stehen gut.

Bern (sda). Die Arbeitslosenquote ist im August im Vergleich zum Vormonat bei 3,0 Prozent stabil geblieben, wie die neuesten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigen. Die Erholung am Arbeitsmarkt setze sich langsam, aber stetig fort, sagte Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, am Freitag in einer Telefonkonferenz.

Zwar waren Ende August mit insgesamt 135'578 Personen 1652 mehr arbeitslos gemeldet als noch vor einem Monat. Doch dieser Effekt geht laut Zürcher allein auf saisonale Effekte zurück. Insbesondere mache sich das Ende der Ausbildungszeit auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar.

Denn bei den RAV schrieben sich einzig 15- bis 24-Jährige häufiger ein. Deren Zahl stieg im Vergleich zum Juli um knapp ein Fünftel auf 18'752. Ein Grund zur Beunruhigung ist das nicht, sondern ein übliches saisonales Muster. «Viele melden sich schon einmal präventiv bei den RAV an. Doch möglicherweise finden sie schon bald eine Anschlusslösung», sagte Zürcher. Die Zahl der Jugendarbeitslosen dürfte daher im Jahresverlauf wieder sinken.

Weniger Jugendarbeitslose als im Vorjahr

Die Seco-Zahlen zeigen zudem, dass die Jugendarbeitslosigkeit diesen August deutlich schwächer angestiegen ist als im Vorjahr. Im August 2016 betrug die Jugendarbeitslosenquote noch 3,7 Prozent, nun sind es 3,4 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Diesen August sind 1888 Junge weniger arbeitslos gemeldet als noch zur selben Zeit im Vorjahr.

Über alle Altersgruppen hinweg waren 7280 Personen weniger arbeitslos gemeldet als noch im Vorjahr. Das ist eine Abnahme von 5,1 Prozent. Saisonbereinigt sei die Zahl der Arbeitslosen um rund 1000 gesunken, sagte Zürcher.

Angesichts der bislang verhaltenen und seitwärts verlaufenen Beschäftigungsentwicklung seien die Augustzahlen sehr erfreulich, sagte der Seco-Arbeitsdirektor weiter. «Das Arbeitskräftepotenzial wird nun stärker ausgeschöpft.» Die Unternehmen blickten optimistischer in die Zukunft und seien widerstandsfähiger geworden.

Erholung bei über 50-Jährigen

Das zeigt sich auch bei den über 50-Jährigen. Diese profitieren von einer Erholung am Arbeitsmarkt jeweils verzögert. Doch inzwischen hat bei ihnen eine Entspannung der Situation eingesetzt. Dieser Trend setze sich klar fort, sagte Zürcher.

Die Arbeitslosenquote dieser Altersgruppe sank im August um 0,1 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent. Gegenüber dem Vormonat waren mit 35'347 Arbeitslosen 408 Personen über 50 Jahren oder 1,1 Prozent weniger arbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind es 1,5 Prozent weniger.

Auch bei den Langzeitarbeitslosen verzeichnete das Seco eine deutliche Abnahme. Ihre Zahl sank im Vorjahresvergleich um 1488 auf 22'709 Personen. Allerdings fallen Personen, die nicht mehr bei einem RAV gemeldet sind, aus der Statistik. Das gilt für einen Teil der Personen, die ihr Recht auf Arbeitslosengeld ausgeschöpft haben. Allein im Juni – neuere Zahlen gibt es nicht – wurden 3775 Menschen ausgesteuert.

Das Seco erwartet für das Gesamtjahr weiterhin eine Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent – was der aktuellen saisonbereinigten Arbeitslosenquote entspricht. Im kommenden Jahr soll die Quote leicht auf 3,1 Prozent sinken.

Zeichen stehen auf Wachstum

Vor fast drei Jahren hatte noch der Frankenschock die Schweizer Wirtschaft und damit auch den Arbeitsmarkt ausgebremst. Die Nationalbank hatte im Januar 2015 den Euro-Mindestkurs aufgehoben – woraufhin sich der Franken gegenüber dem Euro deutlich verteuerte und mit ihm die Schweizer Güter und Dienstleistungen.

Inzwischen stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Die Wirtschaft hat zwar in der ersten Jahreshälfte nicht so viel Fahrt aufgenommen wie ursprünglich von Experten erwartet. Laut Zürcher deuten aber Frühindikatoren auf eine weitere leichte Abnahme der Arbeitslosigkeit hin.

Der Konsumentenstimmungsindex zeigt, dass das sechs Quartale andauernde Stimmungstief der Konsumenten nach dem Frankenschock überwunden ist. Auch andere Vorlaufindikatoren wie das KOF-Konjunkturbarometer oder der Einkaufsmanagerindex PMI bewegen sich deutlich über langfristigen Mittelwerten und signalisieren damit Wachstum.