HR im Start-up

«Alle sind sich bewusst, dass unsere Zukunft nicht hundertprozentig gesichert ist»

Welchen Herausforderungen stehen Praktiker gegenüber, die im Start-up für HR-Themen verantwortlich sind? Dominik Solenicki, CEO und Mitgründer des Hightech-Unternehmens Sintratec, sieht sich in Bewerbungsgesprächen oft mit Bedürfnissen konfrontiert, denen eher ein Grossunternehmen gerecht würde.

Herr Solenicki, welche HR-Herausforderungen beschäftigen Sie derzeit?

Dominik Solenicki: Wir sind ein High-Tech-Start-up, welches in einem Pionier-Markt tätig ist. Als solches benötigen wir hochmotivierte Teammitglieder mit Fähigkeiten auf Weltklasse-Niveau. Auf der einen Seite haben wir mit dem Schweizer Ausbildungsniveau beste Voraussetzungen. Was wir jedoch bieten – die Möglichkeit, mit vollem Einsatz eine Technologie und ein Jungunternehmen voranzutreiben, die persönliche Entwicklung exponentiell zu gestalten und in einer weltweiten Vorreiterposition selber aktiv mitstreiten zu können – ist scheinbar für weniger Kandidaten von hoher Bedeutung, als wir gehofft haben. Sehr oft sehen wir uns mit Bedürfnissen konfrontiert, denen eher ein Grossunternehmen gerecht würde: zum Beispiel hohe Löhne, routinierter Alltag und empfundene Arbeitsplatzsicherheit.
Mehr oder weniger linear mit dem Mitarbeiterwachstum geht bei uns der HR-Administrationsaufwand hoch. Alle Unternehmensbereiche werden bei uns noch längere Zeit stark durch das Wachstum geprägt sein, so wachsen die Anforderungen an HR stetig. Welche Schritte wir wann genau nehmen müssen, beispielsweise weiterer personeller Ausbau des HR-Teams, wird sich noch abzeichnen müssen.

Wie veränderten sich Ihre HR-Herausforderungen mit dem Wachstum des Unternehmens? 

Als wachsendes Jungunternehmen sind wir in vielerlei Hinsicht noch in der Aufbauphase. HR-technisch haben wir allerdings die Grundsteine gelegt. So beschäftigten uns zu Beginn grundlegende Themen wie verschiedene Arbeitsverträge, Versicherungen, Mitarbeitereintritts- und Austrittsprozesse. Selbstverständlich für ein Start-up ist, dass alle gängigen Unternehmensbereiche zu Beginn noch fehlen. Fliessend war für uns zum Beispiel der Übergang von HR zur Mitarbeiter-IT oder zur Lohnbuchhaltung. Auf uns werden noch einige Wachstumsherausforderungen zukommen, dazu müssen wir aber auch gute Mitarbeiter einstellen können, was einer der aktuellen Herausforderung entspricht.

Wie gehen Sie mit ihren verschiedenen HR-Herausforderungen um?

Wie wir das Thema Rekrutierung möglichst gut anpacken können, wissen wir noch nicht. Beispielsweise sind für die meisten offenen Stellen bei uns keine Headhunting-Budgets vorgesehen, um die Besten zu finden. In Betracht ziehen müssen wir, künftig neue Bereiche auch im Ausland aufzubauen – konkret zum Beispiel in Berlin oder im Silicon Valley –, sollten wir nicht genügend qualifiziertes Personal finden. Ansonsten gehen wir die HR-Herausforderungen an wie alle anderen Herausforderungen: durch methodisches Lösungsfinden und Problembeseitigen.

Wie gehen Sie mit den Start-up-typischen Unsicherheiten gegenüber Ihren Mitarbeitenden um?

Einstellen tun wir eigentlich nur Personen, die mit vergleichsweise höheren Unsicherheiten umgehen können. Entsprechend ist jedem Teammitglied bewusst, dass unsere Zukunft nicht hundertprozentig gesichert ist – aber genau das ist es ja, was unser Team möchte: selber aktiv für eine rosige Zukunft sorgen. Ganz so unsicher ist unsere Situation aber auch nicht, Sorgen um die unmittelbare Zukunft muss sich kein Mitarbeiter machen: Hinter unserem Start-up stehen starke Investoren.

Welche Bedeutung messen Sie der Entwicklung der Unternehmenskultur in Ihrem Unternehmen zu?

Die Entwicklung der Unternehmenskultur ist uns wichtig. Die Gründer und die Geschäftsleitung haben dabei sicher eine Vorbildfunktion. Vieles an positiver Atmosphäre geschieht bei uns aber noch natürlich, ohne spezielle Anstrengung, aus der Natur eines ambitionierten und wachsenden Start-ups heraus.

Haben Sie einen HR-Hintergrund? Wie eignen Sie sich in Sachen HR Wissen an? 

Ich habe eine Elektro-Ingenieur-Ausbildung und keinen HR-Hintergrund. Mein HR-Wissen habe ich mir bei Recherchen sowie von HR-Dienstleistern, Treuhändern und Coaches angeeignet.

Sintratec

Sintratec ist auf die Entwicklung und Produktion von 3D-Druckern spezialisiert. Rund 300 professionelle Sintratec-Maschinen sind weltweit in verschiedenen Industrien sowie auch an Universitäten und Forschungsinstituten im Einsatz. Das Unternehmen wurde im August 2014 gegründet und startete mit einem Gründerteam von drei Leuten. Heute hat es 16 Mitarbeitende.

 

Kommentieren0 Kommentare

Online-Redaktorin HR Today

af@hrtoday.ch

Weitere Artikel von Antonia Fischer
Log in to post a comment.

Das könnte Sie auch interessieren