Serie: Dark Triad

Der Narzisst: Selbstverliebt und charmant

Selbstdarstellerisch und selbstverliebt, allergisch auf Kritik – dafür aber auch selbstbewusst und oftmals charmant. Solche Charaktereigenschaften prägen Narzissten. Wie sie sich im Berufsleben verhalten und welche Folgen daraus für Unternehmen entstehen.

Narzisstische Personen haben ein überhöhtes Selbstbild und ihre Verhaltensweisen sind durch eine selbstdarstellerische, selbstverliebte Art geprägt. Sie fühlen sich anderen Personen überlegen und neigen zu dominantem Verhalten, welches nicht selten mit der Herabwürdigung anderer einhergeht. Oftmals übertreiben sie ihre eigenen Leistungen und tendieren dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Narzissten reagieren selbst auf sachliche Kritik uneinsichtig und sind in der Regel nicht kompromissbereit. Ihre Kritik- und Konfliktfähigkeit ist schwach ausgeprägt, weshalb sie in schwierigen Situationen oft anecken und unangenehm auffallen. Es ist ihnen sehr wichtig, von anderen Menschen bewundert und geschätzt zu werden, daher setzen sie viel daran, die Aufmerksamkeit möglichst oft auf sich zu lenken. Gegenüber ihren Mitmenschen zeigen Narzissten wenig Empathie, sie können sich schlecht in die Lage Anderer hineinversetzen und deren Perspektive übernehmen. Aus diesem Grund werden sie häufig als arrogant, egoistisch und überheblich wahrgenommen. Nachhaltige zwischenmenschliche Beziehungen können sie lediglich zu Bewunderern der eigenen Person aufbauen. Narzissmus hat aber durchaus auch positive Seiten. Durch ihren Charme und ihr starkes Selbstbewusstsein können Narzissten kurzfristig überzeugen und verschiedene Anspruchsgruppen erfolgreich für ihre Ideen und Vorhaben gewinnen. Längerfristig zeigt die positive Fassade von Narzissten jedoch Risse, denn ihre ständigen Übertreibungen und die mangelnde Kritikfähigkeit empfinden Mitmenschen oft als Zumutung.

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Führungspersonen: Reduzierter Informationsaustausch, risikoreiche Entscheidungen

Neben den negativen Auswirkungen von narzisstischen Verhaltensweisen auf Unternehmen, auf die wir noch zu sprechen kommen werden, gibt es auch positive Aspekte. Narzissten zeigen beispielsweise eine gewisse Affinität zu Führungspositionen, weil sie dadurch ihren Bedarf an Anerkennung und Bewunderung stillen können. In Arbeitsgruppen ergreifen sie rasch und selbstbewusst die führende Rolle und werden zu Beginn als kompetente, charismatische sowie überzeugende Leader wahrgenommen. Der erste positive Eindruck wendet sich jedoch zusehends in einen negativen, wenn ihre arrogante und selbstverliebte Art stärker zum Vorschein kommt. Die Selbstüberschätzung der eigenen Führungsqualitäten hat oft folgenschwere Konsequenzen. Neuere Forschungsarbeiten(1) haben beispielsweise gezeigt, dass Teams mit narzisstischen Führungspersonen einen reduzierten Informationsaustausch aufweisen, weil Anregungen oder Bedenken der Mitarbeitenden von der Führungsperson oftmals abgewertet werden. Dieser reduzierte Informationsfluss kann sich nachteilig auf die Teamleistung auswirken. Narzisstische CEOs tendieren zudem zu risikoreichen und öffentlichkeitswirksamen Entscheidungen mit weitgreifenden Konsequenzen. Narzisstisch geführte Organisationen neigen zu einer extremen und schwankenden Unternehmensleistung. Auf der anderen Seite sind narzisstische CEOs sehr gut in der Lage, ihr Unternehmen positiv darzustellen und die Stärken geschickt hervorzuheben.

Mitarbeitende: Überschätzte Akzeptanz, unethisches Handeln

Führungspositionen sind für Narzissten aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur besonders anziehend und narzisstische Verhaltensweisen können sich an diesen Unternehmensschaltstellen besonders positiv oder negativ auswirken. Doch auch auf Mitarbeiterebene wirkt sich Narzissmus aus. Beispielsweise sind narzisstische Mitarbeitende schneller unzufrieden, wenn sie den aus ihrer Sicht notwendigen Respekt und die erwünschte Anerkennung nicht erhalten. Insgesamt betrachtet sind sie jedoch mit ihrer Arbeitssituation ziemlich zufrieden, weil sie die Akzeptanz durch Mitarbeitende und Vorgesetzte überschätzen. Darüber hinaus haben Studien(2) gezeigt, dass ein Zusammenhang zwischen Narzissmus und kontraproduktivem Arbeitsverhalten wie zum Beispiel Diebstahl, Mobbing oder Wirtschaftskriminalität besteht. Unethisches Handeln geht also oft mit einer narzisstischen Persönlichkeit einher und wirkt sich negativ auf Unternehmen aus. Gesamthaft betrachtet haben die Verhaltensweisen von Narzissten eher negative Auswirkungen auf Unternehmen und es empfiehlt sich, bei der Rekrutierung und Beförderung von Mitarbeitenden auf Anzeichen von narzisstischen Tendenzen zu achten – mehr dazu in Teil 5 dieser Artikelserie.

Serie: Dark Triad

Haben Sie sich schon über Mitarbeitende geärgert, die nichts zu sagen haben, aber immer im Mittelpunkt stehen wollen? Haben Sie sich schon über Führungskräfte gewundert, die ohne Rücksicht auf Andere ihre Ziele durchsetzen? Oder hatte Ihr Unternehmen schon unter Mitarbeitenden zu leiden, die wichtige Entscheidungen impulsiv getroffen haben? Dann dürfte Sie unsere Artikelserie «Dark Triad» interessieren, in der wir die dunkle Seite der Persönlichkeit beleuchten. Wir zeigen, wie Sie Merkmale der Dunklen Triade im Bewerbungsprozess erkennen und welche Massnahmen HR-Verantwortliche ergreifen können, wenn durch «dunkle Persönlichkeiten» negative Folgen für das Unternehmen drohen.

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Der Machiavellist: Soziales Chamäleon

Quellen

  • 1 Grijalva, E., Harms, P.D., Newman, D.A., Gaddis, B.H. & Fraley, R.C. (2015). Narcissism and Leadership: A Meta-Analytic Review of Linear and Nonlinear Relationships. Personnel Psychology, 68 (1), 1–47.
  • 2 
O’Boyle, E. H., Forsyth, D. R., Banks, G. C., & McDaniel, M. A. (2011). A meta-analysis of the dark triad and work behavior: A social exchange perspective. Journal of Applied Psychology, 97(3), 557–79.
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Benedikt Hell

Prof. Dr. Benedikt Hell ist Dozent an der Hochschule für Angewandte Psychologie (FHNW) und Studiengangsleiter CAS Angewandte Psychologie für die HR-Praxis, Personalauswahl und Personalentwicklung.

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M.Sc. Nadine Schneider ist wissenschaftliche Assistentin an der Hochschule für Angewandte Psychologie (FHNW). Arbeitsschwerpunkte: Eignungsdiagnostik, insbesondere Studieneignungsdiagnostik und Interessenforschung. www.fhnw.ch/personen/nadine-schneider

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