Serie: Dark Triad

Der milde Psychopath: Skrupellos mit kühlem Kopf

Impulsiv-sprunghaft und gefühlskalt – dafür aber auch souverän in hektischen Situationen und schlagfertig. So werden milde Psychopathen oft beschrieben. Wie sie sich im Arbeitskontext verhalten und wie sich das auf Unternehmen und Kollegen auswirkt.

Der Begriff «Psychopathie» stammt aus dem Bereich der klinischen Psychologie. Im Rahmen der Dunklen Triade gehen wir jedoch von einer milden Form der Psychopathie aus, die sich noch nicht im klinischen Bereich bewegt und die trotz ihrer negativen Seiten als «alltagstauglich» aufgefasst wird.

Personen mit einer milden Psychopathie werden als unsensibel und skrupellos beschrieben. Sie zeigen oft impulsiv-sprunghaftes Verhalten und werden von anderen als gefühlskalt wahrgenommen. Sie denken nicht über die Folgen ihrer Handlungen nach und reagieren bei Kritik an ihrer Person mitunter auch aggressiv. Ausserdem haben sie keine Bedenken, im Zweifelsfall Gewalt anzuwenden. Reue oder Schuldgefühle können sie aufgrund ihrer Kaltherzigkeit oftmals nicht empfinden. Ihre Taten bewegen sich zwar meist im legalen Bereich, dennoch haben sie negative und verletzende Auswirkungen auf Mitmenschen.

Durch den Mangel an Empathiefähigkeit können sie sich nicht in die Gefühlslage Anderer hineinversetzen und zeigen daher wenig Verständnis für deren Bedürfnisse. Personen mit milder Psychopathie sind durchsetzungsstark, resolut sowie oftmals schlagfertig und charismatisch. Eine weitere Stärke besteht darin, dass sie wie die Machiavellisten einen kühlen Kopf bewahren und dadurch hektische oder durch Unsicherheiten geprägte Situationen gut meistern können. Sie zeigen tendenziell mehr Bereitschaft, Risiken einzugehen.

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Einklang mit Unternehmensstrategien möglich

Im beruflichen Kontext wirken sich die eben beschriebenen Eigenheiten auf verschiedenen Ebenen aus. Durchsetzungsstärke und Risikofreude stehen durchaus in Einklang mit bestimmten Unternehmenszielen und -strategien, sodass mild psychopathisch veranlagte Personen für ein Unternehmen in Einzelfällen tatsächlich förderlich und gewinnbringend sein können. Bei Fusionen oder betrieblichen Umstrukturierungen, die mit allfälligen Entlassungen von Mitarbeitenden einhergehen, sind beispielsweise Eigenschaften wie Risikofreude und eine gewisse Skrupellosigkeit durchaus gefragt.

Wenig Commitment, wenig Empathie

Dennoch bestehen vorwiegend negative Auswirkungen, denn aufgrund ihrer Persönlichkeit haben sie ein geringeres Commitment gegenüber getroffenen Vereinbarungen. Sie halten sich nicht an die Prinzipien des sozialen Austauschs, wozu Vertrauen, Kooperation und Ressourcenaustausch gehören. Darüber hinaus achten sie wenig auf die Rechte anderer, seien es Mitarbeitende, Vorgesetzte oder Kunden. Wie Narzissten und Machiavellisten zeigen auch Personen mit einer milden Psychopathie mangelnde Empathiefähigkeit und Gefühlsarmut. Dies führt dazu, dass sie sich wenig um ihre Mitmenschen kümmern und eine geringere Loyalität dem Unternehmen gegenüber zeigen. Auf kritisches Feedback reagieren sie in der Regel unbekümmert und reflektieren ihr Verhalten nicht.

Niedrige Arbeitszufriedenheit bei Mitarbeitenden

Milde Psychopathen in Führungspositionen weisen eine geringe unternehmerische Sozialverantwortung (Corporate Social Responsibility) auf sowie eine reduzierte Bereitschaft, Mitarbeitende zu unterstützen und zu fördern. Mitarbeitende von mild psychopathisch veranlagten Führungskräften haben es in der Regel schwer, leiden unter psychischen Belastungen und weisen eine niedrigere Arbeitszufriedenheit auf. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass nur 3.5 Prozent der Top-Führungskräfte über eine milde psychopathische Verhaltenstendenz verfügen.

Serie: Dark Triad

Haben Sie sich schon über Mitarbeitende geärgert, die nichts zu sagen haben, aber immer im Mittelpunkt stehen wollen? Haben Sie sich schon über Führungskräfte gewundert, die ohne Rücksicht auf Andere ihre Ziele durchsetzen? Oder hatte Ihr Unternehmen schon unter Mitarbeitenden zu leiden, die wichtige Entscheidungen impulsiv getroffen haben? Dann dürfte Sie unsere Artikelserie «Dark Triad» interessieren, in der wir die dunkle Seite der Persönlichkeit beleuchten. Wir zeigen, wie Sie Merkmale der Dunklen Triade im Bewerbungsprozess erkennen und welche Massnahmen HR-Verantwortliche ergreifen können, wenn durch «dunkle Persönlichkeiten» negative Folgen für das Unternehmen drohen.

Nächste Woche

HR-Praxis: «Dunkle Persönlichkeiten» erkennen

 

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Benedikt Hell

Prof. Dr. Benedikt Hell ist Dozent an der Hochschule für Angewandte Psychologie (FHNW) und Studiengangsleiter CAS Angewandte Psychologie für die HR-Praxis, Personalauswahl und Personalentwicklung.

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M.Sc. Nadine Schneider ist wissenschaftliche Assistentin an der Hochschule für Angewandte Psychologie (FHNW). Arbeitsschwerpunkte: Eignungsdiagnostik, insbesondere Studieneignungsdiagnostik und Interessenforschung. www.fhnw.ch/personen/nadine-schneider

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