Nachwuchs

«Spielerisch mit MINT-Berufsbildern in Kontakt kommen»

Kinder und Jugendliche tüfteln und experimentieren, stellen Pulverschnee und Haargel her. Die Stiftung tun Schweiz will mit Erlebnisschauen in der ganzen Schweiz den Nachwuchs für Technik begeistern. Das Ziel: Dem Fachkräftemangel in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik entgegenwirken. Präsident Franz A. Saladin spricht über die Tätigkeit der Stiftung und die Wirkung auf die Berufsentscheidungen des Nachwuchses.

Herr Saladin, was genau macht die Stiftung tunSchweiz?

Franz A. Saladin: Die Stiftung bündelt Kräfte und Mittel von Verbänden, Unternehmen und Privatpersonen mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern. So will sie Hemmschwellen zu den MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – abbauen. Dies vor allem auch bei Mädchen.

Gemeinsam mit Fachleuten aus der Wirtschaft und Wissenschaft zeigt die Stiftung Kindern und Jugendlichen zwischen 7 und 13 Jahren spielerisch die ganze Breite an Tätigkeitsfeldern auf – von Robotik über Elektronik und Elektrotechnik bis zu Chemie, Biochemie und Pharmazie. Die Stiftung hat bisher elf tun-Erlebnisschauen in verschiedenen Schweizer Städten unterstützt und damit rund 60 000 Kindern und Jugendlichen die Vielfalt der technischen und naturwissenschaftlichen Berufen aufgezeigt.

Wie funktioniert eine tun-Erlebnisschau?

Kinder und Jugendliche ab sieben Jahren sollen ausserhalb des Schulunterrichts erleben, wie spannend und herausfordernd naturwissenschaftliches und technisches Lernen und Arbeiten ist. Darüber hinaus sollen sie gemeinsam mit ihren Eltern und Lehrpersonen erfahren, dass die MINT-Bereiche zukunftsträchtige Beschäftigungsfelder mit interessanten beruflichen Perspektiven bieten. Da die tun-Erlebnisschauen mehrheitlich im Rahmen von Publikumsmessen stattfinden, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten, junge Menschen für diese zu begeistern.

Neben den vielen Schulklassen reisen auch Familien aus der ganzen Schweiz zu den tun-Erlebnisschauen an, andere wiederum stolpern eher zufällig während ihres Messebesuches darüber. Dadurch wird auch Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien ermöglicht, mit spannenden Experimenten in Kontakt mit Berufsbildern zu kommen, denen man im Alltag kaum begegnet.

Wie sieht das genau aus? Können Sie konkreter werden?

Experimentiert und getüftelt wird üblicherweise an einer Publikumsmesse wie beispielsweise der Muba in Basel, der Offa in St.Gallen oder der Bea in Bern. Auf einer Ausstellungsfläche von etwa 700 Quadratmeter bieten dann Aussteller aus Wirtschaft, Universität, Fachhochschule und Verbänden zahlreiche interaktive Projekte aus den MINT-Bereichen an.

Hier können Kinder und Jugendliche beispielsweise künstlichen Pulverschnee oder Haargel herstellen, mit der Wärmebildkamera die Umwelt erkunden oder aus einer Kartoffel Strom erzeugen. Aus den angebotenen Experimenten werden Begriffe wie Vakuum, Mikroorganismen, Spektroskopie, LED oder genetischer Fingerabdruck altersgemäss und spielerisch veranschaulicht.

Welche Resonanz erhalten Sie zu den tun-Erlebnisschauen?

Wir erhalten sehr gutes Feedback von den Schülerinnen und Schülern, von den Lehrpersonen und von den Ausstellern. Übrigens besuchte auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann die letzten beiden Austragungen der tunBasel und betonte dabei mehrmals, wie wichtig MINT-Förderprojekte wie die tunBasel sind, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Um diesen Worten mehr Gewicht zu verleihen, hat er bei seinem letzten Besuch an der tun Basel sogar einen Labormantel angezogen und sich in einem Titrations-Wettkampf mit einer lernenden Laborantin gemessen. Dabei musste er mit einer Pipette eine basische Lösung neutralisieren, was dann durch eine Farbveränderung sichtbar wurde. Ich darf hier erwähnen, dass die Lernende den Wettkampf gewonnen hat.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

National unterstützt, fördert und finanziert die Stiftung tunSchweiz mittlerweile schon fünf und bald sechs regionale tun-Projekte und es sollen noch mehr werden. In der Region Basel sind wir schon soweit, dass fast jedes dritte Primarschulkind die tunBasel besucht.

Das zeigt nun auch Wirkung auf die Gymnasien: Während 2006 im Baselbiet nur 16 Prozent aller Schüler Naturwissenschaften wählten, sind es zehn Jahre später rund 24 Prozent der Jugendlichen, die sich für Biologie und Chemie sowie Physik und Mathematik entscheiden. Das zeigt deutlich, dass die Frühförderung der tunBasel eine nachhaltige Wirkung hat.

Dies wollen wir weiterführen und hoffen, auch noch in anderen Landesteilen tun-Erlebnisschauen etablieren zu können. Wir werden auch in Zukunft viel für unseren MINT-Nachwuchs tun und zählen dabei auf tatkräftige Unterstützung seitens Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand.

Stiftung tunSchweiz

Die Stiftung tunSchweiz fördert Nachwuchskräfte in Technik und Naturwissenschaften und vereint Fachkräfte aus Wirtschaft und Wissenschaft, um dem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken. Im Stiftungsrat sind neben Privatpersonen auch Swissmem, SwissT.net und Endress+Hauser vertreten.

Die Handelskammer beider Basel rief die tunBasel 2010 ins Leben und führte diese gemeinsam mit Fachleuten aus der Wirtschaft und Wissenschaft in diesem Jahr zum vierten Mal und mit einem Besucherrekord von 14 000 Kindern, Jugendlichen und Lehrpersonen durch. Mittlerweile gibt es die tun-Erlebnisschau auch in anderen Schweizer Städten wie Bern, Solothurn, Zürich und in der Ostschweiz. Eine tun Innerschweiz ist für das nächste Jahr in Planung.

tunSchweiz wurde mit dem Building-Award 2017 in der Kategorie Nachwuchsförderung ausgezeichnet.

Weitere Informationen: www.tunschweiz.ch

 

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Jasmin Fürstenberger, Bereichsleiterin Kommunikation, Handelskammer beider Basel.

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