HR Today Nr. 3/2018: Fokus Forschung

Warum sich Reden bei der Arbeitssuche lohnt

Eine amerikanische Studie hat untersucht, wie sich der Austausch mit Freunden oder Verwandten über die eigene Jobsuche auf das Arbeitssuchverhalten auswirkt und welche Strategien zu einer erfolgreichen Arbeitssuche führen.

Menschen reagieren unterschiedlich auf Stresssituationen. Während manche über ihre Schwierigkeiten reden, vermeiden andere offene Gespräche über belastende Themen und suchen stattdessen Ablenkung. Auch bei Arbeitssuchenden kann man beobachten, dass einige ihre Erfahrungen während dieses Prozesses teilen, während andere solche Diskussionen lieber vermeiden.

Methode

Mit diesem Thema hat sich ein amerikanisches Forschungsteam von der Missouri State University in Springfield sowie der American University in Washington auseinandergesetzt. Die Studie untersucht, wie sich ein Austausch mit Freunden oder Verwandten über die eigene Jobsuche auf das Arbeitssuchverhalten auswirkt. Das Arbeitssuchverhalten wurde dabei hinsichtlich Intensität und Aufschieben des Suchprozesses analysiert. Es wurde somit der Frage nachgegangen, ob das «Darüber-Reden» zu einer höheren oder tieferen Suchintensität führt und ob dadurch der Suchprozess mehr oder weniger aufgeschoben wird. Dazu hat das Forschungsteam 196 Studierende und damit Arbeitsmarkteinsteigende zu zwei Zeitpunkten während ihres letzten Semesters befragt.

Ergebnisse  

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Ein intensiver Austausch über die eigene Arbeitssuche führt zu einer höheren Suchintensität.
  • Das Vermeiden von Gesprächen über die eigene Arbeitssuche führt zum Aufschieben der Suche.
  • Hingegen führt ein intensiver Austausch nicht zum Aufschieben und das Vermeiden von Gesprächen auch nicht zu einer geringeren Suchintensität.

Handlungsempfehlungen

Gemäss früheren Studien ist das Arbeitssuchverhalten, beispielsweise die Intensität oder das Timing, ein entscheidender Faktor für den Sucherfolg. Insofern ergeben sich daraus sowohl für Arbeitssuchende als auch für Karriereberaterinnen und -berater folgende Handlungsempfehlungen:

  • Arbeitssuchende sollten ihr eigenes Kommunikationsverhalten verstehen und sich dem Vorteil des «Darüber-Redens» bei der Jobsuche bewusst sein.
  • Karriereberaterinnen und -berater sollten das Kommunikationsverhalten von Arbeitssuchenden richtig einschätzen und diese Informationen für geeignete Interventionen nutzen.
  • Entsprechende Mentoring- oder Peergroup-Programme können beiden Seiten bei den Feinheiten des Arbeitssuchprozesses helfen.

Quelle:

Haggard, D. L., da Motta Veiga, S. P., & LaPreze, M. W. (2017). Should we talk? Co-rumination and conversation avoidance in job search. Career Development International, 22(7), 742-753.

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Laura Schärrer ist Doktorandin und wissenschaftliche Assis­tentin am Zentrum für Human Resource Management an der Universität Luzern.

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