4-Tage-Woche als Option

KMU sind ein guter Boden für Innovationen und bei neuen Arbeitsmodellen. Das zeigt die Bichler + Partner AG im toggenburgischen Wattwil.

Ab Juli können die Mitarbeitenden in Ihrem Unternehmen die 40-Stunden-Arbeitswoche in vier Tagen leisten. Warum haben Sie sich für dieses Arbeitsmodell entschieden?

Guido Landert: In der Elektrobranche ist es seit Längerem schwierig, Fachpersonal zu finden. Wir wollen alles Mögliche ausschöpfen, um unsere Mitarbeitenden zu halten und neue Fachkräfte zu gewinnen.

Wie kommt das bei den Mitarbeitenden an?

Die Rückmeldungen sind ausschliesslich positiv, denn das neue Arbeitszeitmodell bietet unseren ­Mitarbeitenden zusätzliche Möglichkeiten, um ­Privates und Berufliches zu vereinbaren. Wer keine Änderung wünscht, kann am bisherigen Modell ­festhalten.

… und bei Ihrer Kundschaft?

Die Neuerungen sind in der Region gut angekommen und wir haben viele Rückmeldungen erhalten. Da viele unserer Mitarbeitenden weiterhin fünf Tage arbeiten, sind wir für unsere Kunden zu den gewohnten Arbeitszeiten erreichbar. Durch die punktuell verlängerte Arbeitszeit sind einige Mitarbeitende sogar länger im Einsatz. Somit profitieren auch ­Kunden von dieser Änderung.

Inwiefern helfen flexible Arbeitsmodelle, dem Fachkräftemangel bei KMU entgegenzuwirken?

Die Bedürfnisse der Mitarbeitenden haben sich ­verändert, auch in der Handwerkbranche. Somit ist es unsere Pflicht, interne Möglichkeiten auszu­schöpfen. Das neue Arbeitsmodell zeigt, dass wir als KMU in der Lage sind, nicht nur fachlich ­innovativ zu sein, sondern auch bezüglich unserer Mit­arbeitenden. Wir hoffen, dass diese Anpassung einen nachhaltigen Effekt auf künftige Bewerbende haben wird.

Die 4-Tage-Woche soll Mitarbeitenden mehr Zeit für Familie, aber auch für Weiterbildung geben. Inwiefern unterstützen Sie Letzteres?

Wir klären in Gesprächen, was Mitarbeitende tun möchten, und beteiligen uns an ihren Weiter­bildungskosten. Viele arbeiten bei uns Teilzeit, um eine Weiterbildung berufsbegleitend zu absolvieren.

Wie schwierig ist es für Sie, Fachkräfte für Ihr Unternehmen zu finden und wo rekrutieren Sie?

In  der Vergangenheit haben wir Fachpersonal fast nur über unser Netzwerk gefunden. Seit Jahren sind wir zudem bestrebt, Ausbildungsplätze anzubieten, um eigenes Fachpersonal auszubilden. Künftig soll die Region gezielt gestärkt werden, damit die bereits vorhandene Innovation des Toggenburgs gegen aussen sichtbarer wird. Viele Unternehmen der Region arbeiten bei diesem Thema eng zusammen.

Welche Themen beschäftigen Sie nebst dem Fachkräftemangel?

Der Fachkräftemangel und der Personalerhalt sind die treibenden Themen im HR-Alltag. Zudem werden wir in den nächsten Wochen unsere IT-Lösung komplett verändern. Davon ist die gesamte Belegschaft betroffen. Die damit einhergehenden Veränderungen und Auswirkungen beobachten wir und begleiten unsere Mitarbeitenden proaktiv.

Sie sind ein kleines HR-Team. Was zeichnet es aus?

Wir haben kurze Kommunikationswege. Jeder weiss zudem über fast alle HR-Themen Bescheid. Mitarbeitende schätzen unseren unkomplizierten Umgang und  finden rasch geeignete Ansprechpartner.

Wo sehen Sie sich und Ihr Team in Zukunft?

Wir werden weiterhin in der Region stark verankert sein und sind bereit, zusätzliches Personal zu engagieren, damit wir unsere Kundenaufträge optimal umsetzen können. Persönlich würde ich mich daher vermehrt internen Themen widmen und mich ­weniger auf fehlendes Personal konzentrieren.

 

Unternehmensbiografie

 

Die Bichler + Partner AG mit Hauptsitz im ­toggenburgischen ­Wattwil bietet Dienstleistungen in den Bereichen Installation, Telematik, Hausgeräte und Automation an. Das 1895 gegründete Elektrotechnikunternehmen beschäftigt über 75 Mitarbeitende und verfügt über Filialen in Nesslau und Ebnat-Kappel sowie einen Hausgeräte-Stützpunkt in Wil.

 

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Christine Bachmann ist stellvertretende Chefredaktorin von HR Today. cb@hrtoday.ch

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