Checkliste

6 Trends in der Zusammenarbeit 2021

Virtuelle Zusammenarbeit wird zum festen Bestandteil unserer Arbeitswelt. Wer sie über längere Zeit erlebt hat, weiss um den menschlichen Faktor, der dabei verloren geht. Wie können wir das in der Online-Zusammenarbeit vermeiden? Warum braucht Innovation die persönliche Begegnung und wie erhöhen Unternehmen den Wert der Face-to-Face-Zeit? Darum geht es in den Trends in der Zusammenarbeit 2021.

1. Das Büro als Ort der Begegnung

Unternehmen werden Räume zukünftig so gestalten müssen, dass sie eine Sogwirkung erzielen, einen echten Mehrwert bieten. Wenn jeder die Freiheit hat, dort zu arbeiten, wo er will, braucht er keinen festen Schreibtisch. Es sind die Kolleg*innen und Mitarbeitenden, die wir brauchen, um unseren Teil der Arbeit gut oder besser zu erledigen. Es ist der persönliche Austausch, der Projekte schneller voranschreiten lässt. Es ist die Kultur, die Stimmung, die ein kreatives Miteinander, innovative Ideen und wirksame Entscheidungen fördert. Und dabei muss die Büroinfrastruktur unterstützen. Der Trend geht zum Activity Based Working: für jede Anforderung, die am besten geeignete Arbeitsumgebung.

2. Serendipität als Nährboden für Spitzenleistung und Innovation

Serendipität bezeichnet eine zufällige Wahrnehmung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als überraschende Entdeckung erweist. Das ist der Fall, wenn wir bei einem Gespräch auf dem Gang zufällig einen Gedankenimpuls erhalten, der uns auf eine neue Idee bringt. In der virtuellen Zusammenarbeit kommt diese soziale Zufälligkeit meist (komplett) zum Erliegen. Für Unternehmen, die auf Innovation angewiesen sind, genügt es nicht, die Mitarbeitenden einfach wieder in ihre alten Büros zu setzen. Die Wahrscheinlichkeit sich zu begegnen muss aktiv erhöht werden. Dazu gehört sowohl die Frage wie verschiedene Bereiche gemischt werden können als auch, wie die Gestaltung und Anordnung der Büroräume dazu beitragen kann – unter Einhaltung der gängigen Hygieneregeln.

3. Interdisziplinarität – ein sich Annähern führt zu Lösungen

Der wissenschaftliche Fortschritt zwingt Forscher dazu, sich immer mehr zu spezialisieren. Zugleich müssen sie aufgrund der zunehmenden Komplexität des Wissens zusammenarbeiten. Die Herausforderungen liegen in den Schnittstellen der Disziplinen. Und das gilt nicht nur für die Wissenschaft, sondern für praktisch jede Branche. Es geht darum, andere Perspektiven und Herangehensweisen wertschätzend mit offenen Armen und Gehirnen zu empfangen und daraus gemeinsam Lösungen und Innovationen zu schaffen. Darüber hinaus geht es für die einzelnen Disziplinen auch darum, durchlässiger zu werden und vermehrt den Austausch zu suchen.

4. Virtual und Augmented Reality in der Zusammenarbeit

Das Bewusstsein für den Arbeitsraum reduziert den Aufwand für die Koordination von Aufgaben und Ressourcen, hilft, sich zwischen individuellen und gemeinsamen Aktivitäten zu bewegen, bietet einen Kontext, in dem man die Äusserungen anderer interpretieren kann, und ermöglicht die Antizipation der Handlungen anderer vorhersehen zu können. Beim Arbeiten auf Distanz verlieren Teams zusehends das Gefühl füreinander. Um dem entgegenzuwirken, werden Büros digital nachgebildet. Die Darstellung der Teammitglieder erfolgt über Fotos oder simple Avatare. Einen Schritt weiter gehen VR-Brillen. Teammitglieder können so gemeinsam in einem virtuellen Sitzungsraum das Whiteboard benutzen oder Post-its an die Wand kleben. Noch etwas weiter in der Zukunft dürfte der Plan eines koreanischen Unternehmens liegen: Telepräsenz-Telefonate mit Hologrammen.

5. Selbstorganisierte, interdisziplinierte Teams

Enge Führung funktioniert meist nicht und behindert den Workflow. Das merkten während des Lockdowns vor allem die Führungskräfte und die Mitarbeitenden, die es schätzen, genau gesagt zu bekommen, was sie wie tun sollen. Durch das Kontrollvakuum ist Raum für Selbstorganisation und Eigeninitiative entstanden. Unternehmen, in denen dies zugelassen und genutzt wird, kommen besser durch Krise und Veränderung. Unsere Arbeitswelt wird auch in Zukunft grösstenteils nicht berechenbar sein. Dem entgegenwirken kann der «Bau» von interdisziplinären Teams, die sich selbst organisieren und flexibel auf wechselnde Anforderungen reagieren. Unternehmen müssen künftig erkennen, welche Aufgaben wie bisher im hierarchischen Setting und durch Arbeitsteilung abgearbeitet werden können und wofür Kollaboration – also echte Zusammenarbeit – erforderlich ist.

6. Menschlichkeit

Ähnlich wie bei einer Freundschaft auf Distanz, ist die Beziehungspflege in der virtuellen Zusammenarbeit das A und O. Aus der Ferne ist es viel leichter, eine Beziehung abzubrechen oder einen Kontakt im Sande verlaufen zu lassen. Zieht sich ein Mitarbeitender zurück, muss das nicht zwingend in einer Kündigung münden. Schon das Gefühl mangelnder Zugehörigkeit drückt auf die Motivation und führt zu weniger Engagement. Wer eine Beziehung pflegen will, muss die emotionale Basis nähren. Das setzt vor allem Interesse am anderen und die Bereitschaft zum echten Austausch voraus. Wie hole ich den Gesprächspartner emotional ab? Wie versetze ich mich in ihn hinein und transportiere eigene Gefühle? Im hochdigitalen Umfeld erlebt emotionale Intelligenz plötzlich eine Renaissance.

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Ulrike Stahl

Ulrike Stahl ist Vortragsrednerin und Expertin für Kooperation. Sie ist ausserdem Autorin des Buches «So geht WIRTSCHAFT! Kooperativ. Kollaborativ. Kokreativ.» www.ulrike-stahl.com

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