Mini-Serie: Gender Diversity – Teil 2

Forderungen stellen

Um welche Rechte es auch immer in der Geschichte der aufgeklärten Menschheit ging, Frauen mussten sie sich stets kämpfend erringen. Der männliche Besitzstandswahrer gibt von sich aus keinen My nach.

Der Umgang mit Forderungen bereitet vielen von uns grundsätzliche Probleme. Dafür muss man nicht mal männlicher Gattung sein, das geht Frauen durchaus ähnlich. Was Gleichberechtigung und Gender Diversity angeht, wären wir nicht auf dem aktuellen Stand, hätten nicht immer wieder Frauen Forderungen gestellt und darauf beharrt. Deshalb sind diese ein legitimes Mittel, um Dinge voranzutreiben. Auch, wenn es dabei jede Menge Energie und Hartnäckigkeit braucht.

Der öffentliche Diskurs

Beobachten wir beispielsweise auf LinkedIn Forderungen von Frauen für (mehr) Gleichberechtigung, so finden sich schnell Menschen der männlichen Art, die einerseits über die Fordernden herziehen, sie sollen aufhören zu jammern und endlich aktiv werden. Woraus sich trefflich lesen lässt, dass sie eben selber die Ellbogen einsetzen und das Spiel mitspielen sollten. Zum anderen wird gerne lamentiert, dass auch Männer häufig Opfer von weiblicher Grausamkeit seien. Mit anderen Worten: klassische Male Fragility. Haben Sie sich mal als Mann in einen solchen Schlagabtausch auf Seiten der Fordernden eingeschaltet? Machen Sie sich den Spass. Es wird Ihnen mindestens vorgeworfen, sich bloss bei Frauen einschleimen zu wollen. Spätestens dann betreten wir den Spielraum männlicher Infantilität.

Sehr spannend sind aber auch Beiträge von Frauen, die sich klassisch männlicher Argumente bedienen und damit eben jenen das Wort reden. Hier findet sich jede Menge Applaus all der Männer, die sich damit entlastet und natürlich in ihrer Haltung bestätigt finden – wenn nämlich sogar Frauen das so sehen, dann können sie selbst  ja auch nur richtig liegen. Gerne blenden sie dabei aus, das in der Regel von der individuellen Biografie auf das ganze Geschlecht geschlossen wird. Die Vermutung, man könne es hierbei mit dem Stockholm-Syndrom zu tun haben, bleibt zudem aussen vor.

Wer sich bewegt, verliert

Auch wenn ich kein Freund von kriegerischen Narrationselementen bin, so sehe ich doch das Bild eines Stellungskrieges, in dem die Verteidiger der alten Welt auf keinen Fall aus ihren Gräben weichen wollen. Das Bewährte bewahren – das Glaubensbekenntnis aller Konservativen – funktioniert hier aus (mindestens) zwei Gründen nicht. Zum einen war es stets nur aus männlichem Blickwinkel probat. Zum anderen aber helfen uns weder als Gesellschaft noch als Wirtschaft das monoperspektivische Vorgehen bei der Lösung aktueller und zukünftiger Herausforderungen und Krisen. Eine Erkenntnis, für die wir nicht einmal Raketenwissenschaft studiert haben müssen.

Umso erstaunlicher fühlt sich das Beharren männlicher Positionen gegen das Teilen von Macht, Gestaltungsmöglichkeiten und Verhandlungsmasse mit der anderen Hälfte der Weltbevölkerung an. Denn wir verlieren nicht durch ein Mehr an Diversität, sondern können nur gewinnen. Böse Stimmen behaupten, dass es manchem Manne an notwendiger Denkleistung für derlei Erkenntnis mangele. Ich empfinde die naheliegende Überlegung böser, dass dies mehr auf den eigenen Vorteil, als auf einen Gemeinnutzen abzielen könnte.

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Martin Geisenhainer

Mit seiner Firma Participation.Rocks unterstützt Martin Geisenhainer Organisation bei der Einführung partizipativer Lern- und Arbeitsformen. Zudem ist er Founder und Mitorganisator des Swiss Social Collaboration Summit und lizensierter Working Out Loud Coach.

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