Labelverleihung von Gesundheitsförderung Schweiz

Die Zahl der «Friendly Work Space» wächst weiter

Die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz hat am Dienstag die Friendly Work Space Labels verliehen. Acht Unternehmen wurden neu auszeichnet. Am Anlass standen aber erstmals auch die Pioniere unter den Label-Trägern wieder auf der Bühne.

«Ein gesundes Unternehmen braucht gesunde Mitarbeitende.» Reto Dahinden, CEO der Swica, hat eine klare Meinung zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. Es ist notwendig, zahlt sich aus und wirkt nachhaltig. In seinem Referat an der Verleihung des Friendly Work Space Labels 2012 hat er Einblick in das Gesundheitsmanagement der Swica gegeben. Der Krankenversicherer gehörte bei der Lancierung des Labels 2009 zu den ersten Unternehmen, die die Auszeichnung entgegennehmen konnten. Am Dienstag fand die Veranstaltung im Zentrum Paul Klee in Bern zum vierten Mal statt.

Acht Unternehmen und Institutionen aus der Schweiz und Liechtenstein sind von der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz neu mit dem Label Friendly Work Space ausgezeichnet worden: die Feldschlösschen Getränke AG, die Bethesda Pflegeresidenz AG, die Migros Basel, das Generalsekretariat des EDI, Lundbeck (Schweiz) AG, die CSS Versicherung AG mit Sitz in Vaduz sowie die Management- und Servicebereiche der Schweizerischen Post und die Helsana Versicherungen AG. Sie alle haben ein betriebliches Gesundheitsmanagement in ihre Managementprozesse integriert und durch die nachhaltige Umsetzung geeigneter Massnahmen gesundheitsfördernde Strukturen und Rahmenbedingungen für ihre Mitarbeitenden geschaffen.

Rezertifizierung der Pioniere

Das Label wird jeweils für drei Jahre vergeben. So konnten in diesem Jahr erstmals Pioniere der ersten Stunde ihr Zertifikat bestätigen lassen. Zehn Unternehmen, die bei der Lancierung  2009 ausgezeichnet wurden, haben sich 2012 erneut dem Assessmentprozess gestellt und ihr Gesundheitsmanagement wieder überprüfen lassen. Mit Erfolg - die Firmen zeigen langfristiges Commitment für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Re-Assessiert wurden das Migros Verteilzentrum Suhr, die Genossenschaft Migros Luzern, Micarna AG, Swica, die Schweizerische Post mit PostMail, PostLogistik, PostFinance sowie Poststellen und Verkauf, die Kuhn Rikon AG und die Bioforce AG. Insgesamt sind nun 33 Schweizer Unternehmen «Friendly Work Spaces». Mehr als 100’000 Arbeitnehmende profitieren vom besonderen Engagement ihres Unternehmens.

«Es ist eine Bestätigung für viel Arbeit und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt Barbara Bourouba, HR-Leiterin bei Helsana, auf das neu erhaltene Label angesprochen. Helsana bietet seinen Firmenkunden betriebliches Gesundheitsmanagement als Dienstleistung an. Mit der Zertifizierung sei auch gegen aussen klar sichtbar, dass Helsana diese Werte selber lebe. «Und es stärkt unsere Arbeitgeber-Position», fügt Bourouba an.

Auch Urs N. Lehmann, Geschäftsleiter von der Lundbeck AG, konnte den Award entgegennehmen. «Er zeigt, dass uns Prävention wichtig ist, obwohl wir als Pharmaunternehmen kurativ tätig sind. Ich bin stolz, dass wir es als kleinere Firma geschafft haben, das Label zu erhalten.» Peter Marthaler von PostMail war am Anlass, um das Label bestätigen zu lassen. Wie geht es jetzt weiter? «Wir haben das betriebliche Gesundheitsmanagement in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und angefangen, zielgruppenspezifischer zu arbeiten. Unser nächster Schwerpunkt ist eine Kampagne zum Thema psychische Gesundheit.»

Ein Label als Imageträger

Den Rahmen der Veranstaltung bildeten Referate zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement. Neben Swica-CEO Reto Dahinden und Vertretern von Gesundheitsförderung Schweiz standen auch Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit, und Joachim Eder, Ständerat aus Unterägeri, am Rednerpult. Sie beleuchteten das Thema von politischer Seite. Alle ständen in der Pflicht, etwas für das betriebliche Gesundheitsmanagement zu tun, sagte Pascal Strupler: Die Politik, Chefs und Mitarbeiter. Das Label Friendly Work Space bezeichnete er als einen wichtigen Imageträger.

Ständerat Eder hatte sich sein Referat damals bei der Anfrage von Gesundheitsförderung Schweiz anders vorgestellt: Nachdem die kleine Kammer des Parlamentes die Vorlage des Präventionsgesetzes Ende September versenkt hat, konnte er keine frohe Botschaft verkünden. Von den 62,5 Milliarden Franken an Gesundheitskosten würden heute nur 2,3 Prozent in die Prävention und Gesundheitsförderung investiert. «Das sind 50 Rappen pro Person und Tag», rechnete Eder vor.

Sehr eindrücklich war der Auftritt von Dr. Nils Jent und Regula Dietsche von der Universität St. Gallen. Sie stellten ihren Diversity-Ansatz vor, der im Center for Disability and Integration entwickelt und erforscht wird. Nils Jent ist seit einem Unfall als 18-Jähriger selber körperlich schwer behindert. Sein Motto: «Geht nicht, gibt's nicht.»

Herausforderung Stress

Thomas Mattig, Direktor von Gesundheitsförderung Schweiz, zeigte sich nach dem Anlass sehr zufrieden. «Die Anwesenheit vieler CEO’s zeigt das Interesse am Thema und dem Label.» In den letzten Jahren sei eine gute Basis geschaffen worden, das Produkt Friendly Work Space funktioniere und habe sich etabliert. Mit der Post und Migros seien zudem grosse Player an Bord. «Persönlich hat mich sehr gefreut, dass Migros sich zum Ziel gesetzt hat, bis Ende 2015 mit allen Genossenschaften das Label zu erhalten», sagt Mattig. Die Herausforderung für die Gesundheitsförderung Schweiz sieht er jetzt darin, die Auszeichnung noch breiter bekannt zu machen. Im Gesundheitsmanagement hingegen, müsse man in den nächsten Jahren wohl psychischen Erkrankungen mehr Aufmerksamkeit schenken. «Der Stress und die Auswirkungen der 24-Stunden-Gesellschaft auf unsere Gesundheit werden uns noch sehr beschäftigen. Der Negativ-Höhepunkt ist diesbezüglich wahrscheinlich noch nicht erreicht. Aber es gibt Rezepte, wie man dagegen vorgehen kann. Das sind die Lichtblicke.»

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