Mini-Serie: Gender Diversity – Teil 3

Gemeinsam sind wir stärker

Interessensvertretungen haben die Aufgabe, Interessen zu bündeln und zu vertreten. Damit entwickelt sich ein Mehr an Kraft und Sichtbarkeit, als wenn jedes einzeln unterwegs ist.

Die Suffragetten haben es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorgelebt, dass sie gemeinsam Dinge bewegen und bewirken können, die zuvor undenkbar waren. Auch wenn manche Nationen aus dieser Geschichte heraus noch ein weiteres halbes Jahrhundert brauchten, um das Frauenwahlrecht einzuführen, so ist die Vorarbeit dieser Gruppierung doch nicht hoch genug zu würdigen.

Alliance F

In der Schweiz haben sich ebenfalls Initiativen entwickelt, die sich die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft auf die Fahnen schreiben. Alliance F widmet sich neben Chancengleichheit vor allem dem Thema der Gewalt gegen Frauen. Das Ziel des Vereins ist es laut Geschäftsführerin Sophie Achermann, die Geschlechterverteilung der Bevölkerung in den Parlamenten tatsächlich zu spiegeln. Und hier gibt es trotz erster Erfolge noch immer viel zu tun. Zum einen müssen die Parteien beginnen, mehr Frauen aussichtsreiche Listenplätze anzubieten. Aber auch Frauen sollen ihre Verantwortung für mehr Partizipation wahrnehmen. Das aktive Politik in der Regel kaum mit dem Familienleben vereinbar ist und zudem von Männern gemachte und etablierte Spielregeln den Umgang darin bestimmen, wird sich erst wirklich ändern können, wenn es mehr Gleichgewicht in Parteien und Fraktionen gibt.

Ein weiteres Vorhaben dieser Gruppierung stellt die Plattform She Knows dar, auf der Frauen mit Expertisen in verschiedenen Themenbereichen vorgestellt werden, die Beiträge an Veranstaltungen und Panels leisten wollen. Eine wunderbare Anlaufstelle für Eventveranstalter, die noch immer mit reinen Männerpodien unterwegs sind, weil sie «einfach keine Frauen finden». Hier eine herzliche Einladung an alle Frauen: Tragt Euch ein, jeder Mensch hat etwas anzubieten!

We Men

Sozusagen von der anderen Seite aufgezäumt hat sich die Gruppierung We Men. Hier engagieren sich Männer mit dem Ziel, Frauen sichtbarer zu machen. Wieso sollten Männer sich da einmischen, können Frauen das etwa nicht selber? Klar, können sie das. Aber bisher eben gegen männliche Widerstände. Von Seiten der echten, harten Kerle. Der Welterklärer. Derjenigen, mit den stählernen Ellbogen. Die Idee der sechs Männer und drei Frauen um Pirmin Meyer, die diese Initiative lanciert haben, ist es, dass sich echte, gelebte Gleichberechtigung nur gemeinsam herstellen lassen wird. Und dass es dafür Männer braucht, die diese Haltung öffentlich machen. Männer, die eine Teilnahme an Panels ohne Frauen ablehnen, in Meetings auf übergriffige, männliche Sprache hinweisen und selbstkritisch genug sind, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Der Gemeinsam mit ähnlich Denkenden bringt generell ein Mehr an Lautstärke, Sichtbarkeit und Bewusstsein. So sind in anderen Kontexten Pelzmäntel im Strassenbild seltener geworden und der Fleischkonsum rückläufig. Gemeinsam über Missstände reden alleine bringt uns jedoch nicht mehr voran, gemeinsames Tun ist nun angesagt. Warten wir also nicht auf die Besitzstandswahrer und die ewig Gestrigen. Diejenigen, die jetzt aktiv werden, die Gleichberechtigung einfach umsetzen, sind jene, die Zukünftiges gestalten und Fakten schaffen, in die sich die Nachzügler sdann einfinden müssen.

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Martin Geisenhainer

Mit seiner Firma Participation.Rocks unterstützt Martin Geisenhainer Organisation bei der Einführung partizipativer Lern- und Arbeitsformen. Zudem ist er Founder und Mitorganisator des Swiss Social Collaboration Summit und lizensierter Working Out Loud Coach.

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