Humanisierte Digitalisierung – der Mensch als Schlüssel

Während sich Menschen eher träge entfaltet, rast die Technologieentwicklung regelrecht. Mittlerweile sind wir auf die Nutzung digitaler Anwendungen angewiesen, um unsere Schwächen mit ihrer Unterstützung zu reduzieren. Doch eine Sache geht dabei gerne vergessen: Die Digitalisierung braucht den Menschen genauso so sehr, wie umgekehrt.

Nur wenn jedes Individuum selbst den digitalen Wandel zulässt, kann dieser überhaupt greifen. Es liegt also im Ermessen eines Jeden inwieweit die digitale Transformation ihn unterstützen oder ersetzen darf. Aus diesem Gedanken heraus bildet sich ein neues Konzept, welches die Komponenten Mensch und Maschine zu einem gemeinsamen Gefüge verbindet: die humanisierte Digitalisierung.

Wie der Begriff selbst schon erahnen lässt, wird die Digitalisierung aus einem menschlichen Blickwinkel betrachtet. Digitale Produkte werden so als Ergänzung zur Arbeitskraft gesehen, nicht jedoch als Substitution. Vielmehr macht sich der Mensch die digitalen Anwendungen zunutze und verwendet diese, um sein Potenzial und sein Können zu erweitern und zu unterstützen. Beliebte Anwendungsbereiche sind unter anderem der Gesundheits- und Arbeitsschutz sowie die Arbeitsorganisation. Aber auch die psychologische Arbeitsgestaltung lässt sich durch die humanisierte Digitalisierung beeinflussen. Ziel ist es, den Fokus der Digitalisierung weg von der eigentlichen technologischen Innovation hin zu einer möglichst wirksamen menschlichen Adaption der digitalen Werkzeuge zu verschieben.

Der Mensch im Fokus

In den vergangenen Jahren stand die Entwicklung der Arbeitswelt ganz im Zeichen eines technologischen Aufschwungs. Für Aufgaben, die für den Menschen zu schwer, zu lästig oder schlichtweg nicht möglich waren, wurden mithilfe verschiedenster digitaler Anwendungen bequeme Lösungen gefunden. Wir fokussiertet uns dabei lediglich auf die Weiterentwicklung der Technologien, nicht jedoch auf unsere eigene Weiterentwicklung. Auf der Strecke blieb das Bewusstsein für eigene Sorgen und Wünsche. Aus Bequemlichkeit wurde den Technologien fast schon eine Übermacht zugesprochen.

Doch in einer Sache werden künstliche Intelligenzen, Maschinen und Roboter dem Menschen nie das Wasser reichen können: Emotionen. Menschen empfinden Mitgefühl, Liebe, Reue oder Trauer. All das wird von einer künstlichen Intelligenz vielleicht nachgeahmt, jedoch nie einer tatsächlichen, authentischen Interaktion entsprechen. Gerade in Berufen mit einem intensivem Kundenkontakt spielt dies eine enorme Rolle, denn hier muss nicht nur der Mitarbeitende selbst, sondern auch der Kunde als Mensch im Fokus stehen. Kunden benötigen einen persönlichen Kontakt und vor allem Interaktion. Gerade in sensiblen Bereichen wie zum Beispiel im Gesundheitswesen ist somit der Mensch klar überlegen. Dies bedeutet folglich, dass Mitarbeitende für ihren Arbeitgeber noch immer den höchsten Stellenwert haben sollten. Unternehmen müssen daher verstehen, welches Potenzial in der menschlichen Interaktion steckt.

Kommunikation als Schlüssel

Die Basis fast jeder menschlichen Interaktion ist Kommunikation. Ob im Austausch mit einem Kollegen oder dem Mitarbeitergespräch: Kommunikation ist alles. Soll der Mensch im Fokus aller Belange stehen, muss folglich vor allem die Kommunikation ins Rampenlicht rücken. Dies entspricht doch nicht der Realität. In vielen Unternehmen steht eine digitale Zweiklassengesellschaft an der Tagesordnung und ist der Auslöser für eine tiefgreifende kommunikative Kluft.

Die Beschäftigten im Büro werden aufgrund der permanenten Nutzung digitaler Kommunikationsanwendungen aktiv in den Abstimmungsprozess mit einbezogen, wohingegen gerade gewerbliche Mitarbeitende völlig ausgeschlossen zu sein scheinen. Doch es sind gerade diese Beschäftigten, die täglich mit den Kunden Beratungsgespräche führen, zu ihren Patienten eine Verbindung aufbauen müssen oder den neuen Kollegen an einer Produktionslinie einlernen. Diese Belegschaftsgruppen haben es verdient, wieder als Mensch wahrgenommen zu werden, der etwas zu sagen und eine Meinung hat.

Mit einer Kommunikation auf Augenhöhe wäre ein erster Schritt in Richtung humanisierte Digitalisierung getan. Denn auch sie müssen einen Zugang zu digitalen Kommunikationskanälen im Arbeitsalltag bekommen, wenn man ein Arbeitsumfeld schaffen möchte, in dem sich alle wertgeschätzt und verstanden fühlen sollen. Es braucht also einen multidirektionalen Kommunikationskanal, der auch für Mitarbeitende im Lager, den Produktionshallen oder auf der Spitalstation jederzeit zugänglich ist. Damit die gewerblichen Mitarbeitenden dieselben «Privilegien» wie ihre Kolleginnen und Kollegen im Büro haben.

Die Zukunft verlangt nach Entfaltung

Neben Kommunikation auf Augenhöhe sollten auch Themen wie die Sinnhaftigkeit der Arbeit, Flexibilität und eine ausgeglichene Work-Life-Balance in Angriff genommen werden. Operative Mitarbeitende sind meist an ortsfeste Arbeitsplätze gebunden und daher in ihrer Flexibilität und Selbstbestimmung eingeschränkt. Mit einer mobilen Kommunikationsanwendung würden ihnen zum Beispiel Informationen in Echtzeit sowie relevante Inhalte jederzeit zur Verfügung stehen und damit ein Teil des Arbeitsgeschehens flexibilisiert werden.

Der initiale Ausgangsfaktor für jegliche Veränderungen sollte also künftig Mensch heissen. Ausgehend davon muss eine Einheit aus Menschen und Maschine geschaffen werden. Denn digitale Errungenschaften und künstliche Intelligenzen werden nie einer Interaktion mit anderen Menschen gleichkommen. Deshalb muss der Fokus stets darauf liegen, digitale Tools so einzusetzen, dass sie die menschliche Arbeitskraft unterstützen.

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Benedikt Ilg

Benedikt Ilg ist Geschäftsführer und Gründer der Flip GmbH. Die gleichnamige Mitarbeiter-App ermöglicht eine unternehmensweite Vernetzung und Verbindung aller Beschäftigten.

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