HR Today Nr. 4/2020: New Work

Sich selbst erkennen

Sich seiner Skills bewusst zu werden und sich innerhalb des Unternehmens zu entwickeln, steht im Zentrum des New-World-of-Work-Programms von Ikea Schweiz. Projektleiterin Beate-Christin Hastedt und Teilnehmer Michel Kohler geben Einblicke.

«Wir sehen in jedem ein Talent und sind überzeugt, dass sich Talente am besten entfalten, wenn sie Raum bekommen», ist auf der Karriereseite von Ikea Schweiz zu lesen. Dass dies nicht nur leere Worte sind, zeigt die Laufbahn von ­Michel Kohler, der seit 2002 beim multinationalen Einrichtungskonzern Ikea tätig ist. Eine Karriere, die ihn über eine Einstiegsposition als Verkaufsmitarbeitender zu Kaderpositionen im Finanzbereich über Customer Relations bis hin zum HR führt. Den letzten Wechsel ist auf das 2018 initiierte New-World-of-Work-Programm zurückzuführen. Ein Programm, das Mitarbeitende darin unterstützt, sich ihrer Stärken bewusst zu werden, und ihnen neue Perspektiven im Unternehmen aufzeigen kann.

Das New-World-of-Work-Programm hat Projektleiterin Beate-Christin Hastedt gemeinsam mit der HR-Abteilung entwickelt. «Wir haben dabei eng mit der Outplacement- und Karriereberatungsfirma von Rundstedt zusammengearbeitet», erzählt Hastedt. Mit dem Programm können Mitarbeitende sich ihrer vielfältigen Skills und Kompetenzen bewusst werden – ungeachtet ihres aktuellen Jobs. «Nur wer diese kennt, kann selbstbewusst und selbstbestimmt aus einer Vielzahl von Möglichkeiten wählen», sagt Hastedt. Das sei wichtig, weil die Digitalisierung und Automatisierung einen grossen Einfluss auf künftige Jobs und die dafür erforderlichen Skills und Skill-Kompositionen hätten.

Hier setzt das Programm mit der dreistufigen Exploration Journey an. Diese beinhaltet einen Exploration Workshop, der sich mit Erfolgen, Skills und Möglichkeiten der Mitarbeitenden beschäftigt. Darauf folgt eine Self-Study-Phase, welche Mitarbeitende in acht bis zwölf Wochen in enger Zusammenarbeit mit selbstgewählten Buddys und Coaches absolvieren. Ein Follow-up-Workshop komplettiert das Programm, in dem Mitarbeitende mögliche nächste Karriereschritte erarbeiten. «Nach der Exploration Journey kennt ein Mitarbeitender seine Skills, seine Träume und seinen Bildungsbedarf. Er erkennt, welche Jobs Mitarbeitende mit einem bestimmten Skillset ausführen können, aber auch, welche Skills er für einen bestimmten Job benötigt», verdeutlicht Hastedt. Dieses Wissen sei wertvoll für eine baldige Veränderung, aber auch ein Input für den persönlichen Entwicklungsplan.

Reise zu unbekannten Ufern

Die Entdeckungsreise beginnt für Michel Kohler mit einem E-Mail von Projektleiterin Beate-Christin­ Hastedt Ende 2018. «Ihre Programmankündigung hat mich neugierig gemacht. Nachdem meine damalige Vorgesetzte mich ebenfalls bestärkt hat, habe ich teilgenommen.» Den Auftakt seiner «Journey» bildet der Exploration Workshop: «An diesem Tag befassten wir uns mit unseren Stärken: Was kann ich? Wofür stehe ich? Welches Aus- und Weiterbildungspotenzial habe ich?» Fragen, die er sich im Arbeitsalltag nie so ausgeprägt gestellt habe, weil keine Zeit und kein Bedarf bestanden, sagt Kohler. «Oft orientieren wir uns ja auch eher im eigenen Bereich.»

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, erarbeitet er eine persönliche Mindmap. «Das hat mich aus meiner Komfortzone gerissen und mir die Erkenntnis gebracht, dass ich schon einiges in meinem Leben geschafft habe, aber viel ungenutztes Potenzial besitze und noch mehr erreichen kann.» So realisiert Michel Kohler, dass er eine grosse Leidenschaft für das Coaching hat. «Das wurde mir vor allem durch den Marathon bewusst. Darin vereinen sich Stärken wie Zielerreichung, Durchhaltevermögen und positives Denken. Kompetenzen, die das Coaching ausmachen.» Kohler findet im Workshop nicht nur Klarheit, sondern auch eine Sparringpartnerin, mit der er seine Skills reflektiert und sich Gedanken über neue Berufsperspektiven macht. «Sie hat mich in einer Freizeitrolle als Personaltrainer oder Coach bekräftigt.»

Drei Monate später folgt ein zweiter Workshop. «Dort haben wir unsere identifizierten Skills und Kompetenzen aufgegriffen und analysiert, wie wir darauf aufbauen können», erzählt Michel Kohler. «Deshalb habe ich darüber nachgedacht, welche Möglichkeiten es mit meinem Hintergrund bei Ikea gibt.» Weil er gerne mit Menschen zusammenarbeite und Führungsverantwortung übernehme, hätten sich bei Ikea Tätigkeiten und Karrierechancen aufgetan, die bislang nicht auf seinem Radar gewesen seien. «Deshalb habe ich mich auf drei Stellen ausserhalb meines bisherigen Tätigkeitsfeldes beworben.»

Sein Einsatz wird belohnt. Kohler erhält drei Zusagen. Entschieden hat er sich am Ende für das HR und eine Stelle als Total Rewards Manager Schweiz: «Das war die beste Entscheidung meines Berufslebens. Gäbe es das New-World-of-Work-Programm nicht, wäre ich wahrscheinlich noch immer bei Customer Relations.»

Selbsterkenntnis auf Expansionskurs

Auch Projektleiterin Beate-Christin Hastedt zieht eine positive Bilanz. «Mitarbeitende haben durch das Programm in hohem Mass Verantwortung für ihren Karrierepfad übernommen.» Das zeige sich deutlich an der Zahl der internen Bewerbungen und Querentwicklungen. Am Anfang habe es auch Zweifel gegeben: «Wir waren uns nicht sicher, ob die Mitarbeitenden mitmachen, offen über ihre Stärken und Träume sprechen und durch ihre Teilnahme und ihr Feedback das Programm aktiv mitgestalten», so Hastedt. Die Zusammenarbeit mit dem externen Karriereberater von Rundstedt habe sehr geholfen.

Diese Erkenntnisse und Erfahrungen fliessen nun auf globaler Ebene ein. Auch Ikea Schweiz wird das Programm aufgrund des Feedbacks der New-World-of-Work-Teilnehmenden ausbauen. «Jobs und Skill-Profile werden sich in den kommenden Jahren deutlich verändern. Mitarbeitende müssen ihr Skill-Portfolio kennen, um zuversichtlich in die Zukunft zu blicken und eigenverantwortlich handeln zu können.» Als Arbeitgeberin habe Ikea die soziale Verantwortung, seine Mitarbeitenden bestmöglich zu unterstützen.

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Christine Bachmann

Christine Bachmann ist stv. Chefredaktorin bei HR Today.

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