Was ist dran am KI-Hype?
Cornelia Diethelm ist Expertin für Digitale Ethik, Unternehmerin und Verwaltungsrätin. Am HR FESTIVAL europe 2026 ist sie im Live-Podcast von «HR Today» zu hören. Das Thema: Die Risiken von KI.

Kritisches Denken in Zeiten von KI bleibt nicht nur wichtig, sondern verlangt nach Investition. (Bild: zVg)
HR Today: Frau Diethelm, was am KI-Hype real ist und was nicht, ist schwer auseinanderzuhalten. Worauf müssen sich Unternehmen hier besonders achten?
Cornelia Diethelm: Unternehmen sollten in das kritische Denken von Führungskräften und Mitarbeitenden investieren und sie stärker bei Entscheidungen zu künstlicher Intelligenz involvieren. Zum Beispiel ist KI nicht «neutral», was regelmässig zu Diskriminierungen, falschen Ergebnissen und fragwürdigen Entscheidungen führt. Wer sich bewusst mit den Grenzen von KI und den Bedürfnissen der Mitarbeitenden und Kunden auseinandersetzt, kann solche Risiken minimieren.
Oft heisst es, KI könne uns lästige Arbeiten abnehmen. Nun warnt etwa die Harvard Business Review, KI führe zu einer Intensivierung der Arbeit. Wie soll man diesem Thema begegnen?
Diethelm: Wir müssen lernen, der Verlockung zu widerstehen, alles selbst zu machen und mehrere Tätigkeiten parallel zu erledigen. Mit Hilfe von KI geht alles vermeintlich schnell. Doch darunter leiden unsere Gesundheit und die Qualität der Arbeit. Wichtig ist, dass wir wissen, wo uns KI-Tools wirklich entlasten. Wir müssen die Denkarbeit leisten, Prioritäten setzen und den Austausch mit anderen Menschen pflegen.
Gibt es KI-Gefahren, über die man noch zu wenig spricht?
Diethelm: Die Vermenschlichung von KI finde ich besonders problematisch und ist überall präsent. KI ist Mathematik und Statistik. Das hat nichts mit «denken», «handeln» oder «entscheiden» zu tun. Auch das Bild vom humanoiden Roboter führt uns in die Irre. Das führt dazu, dass wir KI-Ergebnissen zu stark vertrauen oder sogar eine emotionale Bindung zum KI-System entwickeln, was neue Abhängigkeiten schafft. (rs)
