HR Today Nr. 8/2022: Porträt & Video Porträt - Sabrina Balmer

«Wow, Stöckli!»

Sportlich, unternehmungslustig und eine Frohnatur: HR-Fachfrau Sabrina Balmer führt mit einer Kollegin das HR der Stöckli Swiss SportS AG in Malters. Sie erzählt, wie sie als Quereinsteigerin im HR Fuss fasste, was sie am Personalwesen fasziniert und was sie beim Sportartikelhersteller umtreibt.

Am Hauptsitz der Stöckli Swiss Sports AG im luzernischen Malters arbeiten heute nur wenige Mitarbeitende. «Mittwoch und Freitag sind bei uns seit diesem Jahr Homeoffice-Tage, die rege genutzt werden», erklärt HR-Fachfrau Sabrina Balmer. Doch nicht überall ist Homeoffice möglich, wie eine Kurzvisite in der Ski-Manufaktur im gegenüberliegenden Gebäude am gleichen Vormittag zeigt: In der Produktionsstätte pulsiert es. Es wird gehämmert, gestanzt und geschliffen. Rund 60 000 Paar Ski werden hier jährlich produziert. 18 Tage dauert es, bis ein Paar Stöckli-Ski fertiggestellt ist. «Die einzelnen Verarbeitungsschritte sind aufwendig», erklärt Balmer. Stöckli-Ski findet in der Schweiz reissenden Absatz. Aber nicht nur: «Unsere wichtigsten Märkte sind nebst der Schweiz Frankreich, Österreich, Deutschland, Italien sowie Nordamerika. Gerade in den USA ist die Nachfrage in den letzten Jahren stark gestiegen. Dort boomen unsere Ski regelrecht.» Aus diesem Grund befindet sich die einzige Stöckli-Tochterfirma ausserhalb der Schweiz in den USA.

Über den Maschinenlärm in der Produktionsstätte freut sich HR-Fachfrau Sabrina Balmer. «Die letzten zwei Pandemie-Jahre waren eine Herausforderung für unser familiengeführtes Unternehmen.» Die Nachfrage im Schweizer Markt sei  nach wie vor hoch gewesen, da die Schweizerinnen und Schweizer während der Pandemie vor allem eines wollten: raus in die Natur und in den geöffneten Gebieten Ski fahren. Allerdings nicht in den naheliegenden Exportländern. «Die Nachfrage sank. Da wir rund 55 Prozent  unserer Ski ins Ausland exportieren, war das für uns deutlich spürbar.» Infolgedessen musste die Firma rund zwölf Monate Kurzarbeit einführen. «Keine leichte Aufgabe», gibt Balmer unumwunden zu. Umso mehr schätzt sie es nun, aufgrund der vollen Auftragsbücher wieder Vollgas zu geben und sogar zusätzliches Personal für verschiedenste Positionen anzustellen. «Momentan befinden wir uns mitten im Rekrutierungsprozess.»

Ihre Stellen veröffentlicht Balmer auf der eigenen Webseite sowie auf gängigen Stellenplattformen und auf Linkedin. «Ab und zu arbeite ich auch mit einer Personalvermittlung zusammen, die unsere Bedürfnisse kennt. Vor allem bei schwieriger zu besetzenden Profilen.» Doch welche Profile sind leichter beziehungsweise schwieriger zu besetzen? «Einfacher zu finden sind Mitarbeitende für Positionen in unserer Ski-Manufaktur, bei denen wir handwerkliches Geschick, Leidenschaft und das Interesse an unseren Ski voraussetzen.» Und die schwieriger zu besetzenden? «Skidesigner. Da gibt es nur eine Handvoll Leute, die dafür geeignet sind.» Um die dafür geeignete Fachperson zu finden, kontaktiert Balmer schon mal Hochschulen, die Ausbildungen mit Fachrichtung Design anbieten.

Von der Dentalassistentin ins HR

Die Personalsuche gestaltet sich zuweilen wie die Suche nach dem passenden Topfdeckel. Eine Erfahrung, die Balmer nicht nur von Recruiterseite her kennt. Die Frage nach dem geeigneten Beruf und dem passenden Job hat sie sich vor einigen Jahren selbst gestellt. Aufgewachsen im aargauischen Abtwil, absolviert sie nach einem Au-pair-Jahr in der Westschweiz eine dreijährige Ausbildung zur Dentalassistentin bei einem Zahnarzt. Schon während der Lehre wird Balmer klar, dass sie nicht ihr Leben lang in Münder schauen wollte. Deshalb wechselt sie nach ihrem Lehrabschluss 2004 in eine kleinere Zahnarztpraxis, wo sie vermehrt administrativ tätig ist und berufsbegleitend das Handelsdiplom erwirbt.

Es dauert weitere vier Jahre, bis Sabrina Balmer den Schritt ins Büro wagt. 2010 erhält sie bei der Active Communication AG in Zug die Chance, im kaufmännischen Bereich Fuss zu fassen. «Die Stelle als Sachbearbeiterin Innendienst war für den Einstieg vielseitig und spannend.» Nebst der Auftragsabwicklung betreut Balmer die Telefonzentrale, übernimmt Lagerbuchungen und erledigt die allgemeine Korrespondenz. Um im kaufmännischen Bereich weiterzukommen, wechselt sie 2012 zur Gysi AG, wo sie ihr Arbeitsspektrum erweitert und den Innendienst betreut. «Das beinhaltete die Abwicklung des Innendienstverkaufs in der Abteilung Fahrzeugrückhaltesysteme.» Nebenbei bewirtschaftet sie das Lager und ist für das Bestellwesen und den Einkauf der Abteilung verantwortlich. In diesem Betrieb nimmt Sabrina Balmer das erste Mal das HR und dessen Aufgaben so richtig wahr. «Der Einblick durch den täglichen Kontakt in die verschiedenen HR-Tätigkeiten faszinierte mich – vor allem der Fokus Mensch. Ich wusste, das würde mir entsprechen.» Bei Gysi kann sie zwar nicht ins HR einsteigen, entschliesst sich jedoch, an der GET Kaderschule in Zug eine Weiterbildung zur Personalassistentin zu absolvieren. Nach dem Abschluss sieht sich Sabrina Balmer nach möglichen HR-Stellen um: «Das war als Quereinsteigerin schwierig. Bei solchen Stellen ist man oft nicht die erste Wahl, da einem die Praxiserfahrung fehlt.»

Ein Sprungbrett, um erste Schritte im HR zu machen, bietet ihr schliesslich ein Personaldienstleister. 2015 startet Balmer als Consultant Permanent Placement bei Kelly Services, wo sie für die Rekrutierung und Vermittlung von Fachkräften im KV sowie in der Technik und Industrie zuständig ist. Die Arbeit beim Personalvermittler gefällt der damals 34-Jährigen, weshalb sie sich nach einem Jahr für den Lehrgang «HR-Fachfrau» anmeldet. Ihre Arbeit wird anerkannt und Balmer wird 2018 zur Stellvertreterin der Kelly-Filial-Leitenden Zug befördert. Dennoch sieht sie sich nach Erhalt des eidgenössischen Fachausweises nach einer HR-Anstellung in einem anderen Unternehmen um. «Ich wollte HR aus der Innensicht kennenlernen, mich auf einen Betrieb fokussieren und das am liebsten in HR-Generalist-Manier.» Das gelingt ihr kurze Zeit später als HR Specialist bei der Pfisterer Switzerland AG in Malters. In der neuen Funktion ist Balmer für alle administrativen Aspekte der Personalprozesse zuständig. Ausserdem für die Personalein- und -austritte, das Ausstellen von Arbeitszeugnissen und die Lohnabwicklung. Nebst dieser Tätigkeiten unterstützt Balmer Führungskräfte und Mitarbeitende in allen Personalfragen.

Wäre ihr das Stelleninserat der Stöckli Swiss Sports AG nicht aufgefallen, wäre Balmer noch heute bei Pfisterer. «Seit meiner Kindheit verfolge ich jedes Skirennen. Stöckli ist einfach ein cooler Brand.» Sie bewirbt sich, wird eingestellt und beginnt während des Lockdowns 2020 ihre Tätigkeit als HR-Fachfrau.

Kurz und bündig

HR-Fachfrau Sabrina Balmer, Stoeckli Swiss Sports AG. Bild: Aniela Lea Schafroth

Sportlerin oder Couchpotato?
Eher Sportlerin. Im Winter fahre ich gerne Ski oder bin beim Schneeschuhlaufen anzutreffen, beispielsweise in Grindelwald-Wengen oder Davos. Im Sommer geniesse ich die Bergwelt beim Wandern oder bin mit meinem Mountainbike oder den Rollerblades unterwegs.

Mein Sehnsuchtsort
Ich habe keinen typischen Sehnsuchtsort, sondern erkunde verschiedene Orte, um ­meinen Horizont zu erweitern. Gerne würde ich nochmals nach Hawaii reisen oder in ­Australien mit einem Camper die Westküste hinauf bis in den Norden fahren.

Fleisch oder Vegi?
Ich mag ein gutes Stück Fleisch, vor allem im Sommer, wenn die Barbecue-Saison beginnt. Überhaupt schätze ich es, gut essen zu gehen, beispielsweise mit dem Stöckli-Team über den Mittag in einem Restaurant in Malters.

Büro oder Homeoffice?
Ich bin der Bürotyp. Bei uns darf man zwar seit der Pandemie zwei bis drei Tage Homeoffice machen, aber ich arbeite lieber im Büro. Ich brauche den ­Kontakt zu den Leuten.

Zusammenhalt und flache Strukturen

Der Start war eine Herausforderung: «Alle Mitarbeitenden befanden sich aufgrund der Pandemie im Homeoffice. Während der ersten zwei Monate bekam ich gerade sechs Mitarbeitende zu Gesicht. Das war schon komisch.» Bis Sabrina Balmer die gesamte Belegschaft von Stöckli kennenlernt, wird es Herbst. Längst ist die HR-Fachfrau im Alltag angekommen. Im Gegensatz zu den meisten Mitarbeitenden, die wöchentlich zwei Homeoffice-Tage einziehen, verbringt sie ihre Arbeitszeit am liebsten am Hauptsitz in Malters im Büro. «Ich brauche den Austausch mit Mitarbeitenden, meiner HR-Kollegin, die mich mit 40 Prozent unterstützt, oder meinem Vorgesetzten.» Letzterer ist CFO. Dadurch ist Balmer nicht Teil der Stöckli-Geschäftsleitung. Das ist für sie jedoch kein Nachteil: «Wir pflegen im Betrieb eine so flache Hierarchie, dass alle HR-Themen über ihn in der Geschäftsleitung positioniert werden.»

Momentan beschäftigt Sabrina Balmer nebst dem Recruiting die Digitalisierung des HR. «Zurzeit implementieren wir ein neues Enterprise-Resource-Planning-Tool. Das wird uns in der Digitalisierung einen Schritt weiterbringen.» Daneben will Sabrina Balmer «mit Blick in die Zukunft» vermehrt strategisch tätig werden. Dazu fehlen ihr aktuell jedoch die nötigen Ressourcen. «Vor der Strategie kommt das Operative. Zudem gibt es im Nachgang der Pandemie noch viel zu tun.» Priorität habe jetzt, alle Mitarbeitenden persönlich und individuell abzuholen. «Ich sehe es als meine Aufgabe, nachzufragen, wie es ihnen geht. Am Ende mache der familiäre Zusammenhalt Stöckli aus. «Der muss aber gepflegt werden.» Dafür eigne sich ein gemeinsames Essen, Grümpelturniere oder das Austesten neuer Skimodelle.

HR-Fachfrau Sabrina Balmer von Stoeckli Swiss Sports AG sitzt auf einem Ski-Lift.

HR-Fachfrau Sabrina Balmer in ihrem Element. (Bild: Aniela Lea Schafroth)

Träumereien

Auch privat ist die 38-Jährige äusserst gesellig und aktiv. Mit ihren Freunden und der Familie ist Balmer oft unterwegs und pflegt verschiedene Sportarten von Biken über Skifahren bis hin zu Rollerbladen. Balmer bereist zudem gerne verschiedene Länder: «Im Herbst steht eine Kanada-Reise an, die ich schon länger im Kopf hatte. Auf dieses Erlebnis freue ich mich sehr.»

Überhaupt würde Sabrina Balmer die Welt gerne noch viel mehr erkunden. «Am liebsten einmal rund herum.» Das erlaube ihre Funktion momentan aber nicht. «Ich müsste wohl kündigen. Dafür gefällt es mir bei Stöckli jedoch viel zu gut. Aber träumen darf man ja.»

Zur Firma

Die Stöckli Swiss Sports AG ist der erfolgreichste Skihersteller der Schweiz, sowohl im Verkauf von Ski als auch im aktiven Rennsport. Das Unternehmen betreibt in der Schweiz zehn Sportfachgeschäfte und zwei Testcenter und beliefert denSchweizer Sportfachhandel. Über 50 Prozent der jährlichen Skiproduktion werden in über 40 Länder exportiert. Das seit 1935 bestehende Traditionsunternehmen mit Sitz im luzernischen Malters ist in Familienbesitz.

 

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Christine Bachmann

Christine Bachmann ist stellvertretende Chefredaktorin von HR Today. cb@hrtoday.ch

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