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Bewerbungen schreiben mit KI?

Geht es um KI-Bewerbungen, kollidieren die Meinungen. Doch in ein paar Jahren wird niemand mehr fragen, ob Bewerbungen KI-generiert sind oder nicht. Entscheidend ist nicht, ob, sondern wie.

Erst kürzlich kam eine Führungsperson, mit welcher ich aktuell eine Position rekrutiere, mit der Forderung auf mich zu, ich solle auf unser Stelleninserat schreiben «Bewerbungen, die mit KI generiert wurden, werden nicht berücksichtigt». Ich verstehe den Gedanken dahinter. Sie möchte authentische Bewerbungen erhalten und nicht solche, die zwar perfekt formuliert sind, aber wenig über die Person dahinter aussagen und komplett austauschbar sind. Dennoch habe ich diese Forderung abgelehnt. Ich bin schon lange davon überzeugt, dass KI ein modernes Hilfsmittel ist, das von Bewerbenden und Unternehmen unbedingt genutzt werden soll. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob KI verwendet wird, sondern wie sie eingesetzt wird.

KI ist ein Werkzeug, das richtig angewendet werden muss

Die Nutzung von künstlicher Intelligenz im Bewerbungsprozess ist schon lange Realität. Bewerbende nutzen KI, um Formulierungen zu verbessern, ihre Erfahrungen strukturierter darzustellen, Rechtschreibfehler zu vermeiden oder eine Bewerbung gezielter auf eine Stelle auszurichten.

Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Auch vor KI haben Bewerbende Hilfsmittel genutzt. Sie liessen ihre Unterlagen gegenlesen, holten Feedback von Karriereberatungen ein oder nutzten Vorlagen aus dem Internet. KI ist nichts anderes als ein weiteres solches Hilfsmittel. Problematisch wird es dann, wenn die generierten Inhalte unreflektiert verwendet werden. Dann versinken wir im KI-Einheitsbrei und jede Bewerbung wird austauschbar.

Die Gefahr liegt also nicht in der Technologie, sondern im unkritischen Umgang damit. Eine gute Bewerbung entsteht nicht dadurch, dass ein Tool möglichst überzeugende und fehlerfreie Sätze produziert. Sie entsteht durch die Auseinandersetzung mit Fragen wie: Was motiviert mich? Welche Erfahrungen bringe ich mit? Warum interessiert mich genau diese Aufgabe? Was macht mich als Person aus? Diese Reflexion kann keine KI ersetzen. Genau deshalb ist und bleibt Eigenverantwortung entscheidend. Eine KI kann einen Text verbessern sowie Inputs und Ideen geben. Sie kann aber die eigene Persönlichkeit nicht ersetzen. Wer KI nutzt, sollte sich bewusst sein, dass jede Behauptung, jede Kompetenz und jedes Motivationsschreiben später im Vorstellungsgespräch thematisiert werden können.

Was für Bewerbende gilt, gilt auch für die Unternehmen

Es wirkt widersprüchlich, wenn Unternehmen Bewerbenden den Einsatz von KI verbieten möchten, während viele selbst bereits KI einsetzen, um Stellenanzeigen zu schreiben, Bewerbungen zu analysieren oder Prozesse zu automatisieren.

Wiederum ist nicht der Einsatz selbst von KI entscheidend, sondern auch hier gilt die Eigenverantwortung im Umgang damit. Problematisch wird es dann, wenn Unternehmen die Verantwortung vollständig an die KI abgeben: wenn sie Stellenanzeigen generiert, Auswahlkriterien definiert, Bewerbungen vorsortiert und Standardabsagen verschickt, ohne dass ein Mensch diese Entscheidungen kritisch hinterfragt. Wer von Bewerbenden einen verantwortungsvollen Umgang mit KI erwartet, sollte diesen Anspruch auch an sich selbst als Arbeitgeber stellen.

Die Bedeutung von KI für einen modernen Bewerbungsprozess

KI ist aus einem modernen Rekrutierungsprozess nicht mehr wegzudenken. Sowohl aus Sicht der Bewerbenden als auch aus Sicht der Arbeitgebenden. Die Qualität einer Bewerbung sollte nicht daran gemessen werden, ob sie mit oder ohne KI-Unterstützung entstanden ist. Viel wichtiger ist, ob die Bewerbung authentisch, die Motivation glaubwürdig und die Kompetenzen und Erfahrungen nachvollziehbar sind.

Wer heute Bewerbende dafür kritisiert, KI zu nutzen, bewertet nicht ihre Eignung für eine Stelle, sondern ihre Bereitschaft, moderne Tools einzusetzen. Dabei gehört genau diese Kompetenz bei vielen Positionen bereits zum Alltag. Als Arbeitgeber muss man sich also die Frage stellen, welche Kompetenzen im Bewerbungsprozess eigentlich gesucht werden. Wenn wir Mitarbeitende suchen, die Technologien reflektiert anwenden und digital affin sind, dann ist der sinnvolle Einsatz von KI eine relevante Kompetenz. Warum sollte dann der Bewerbungsprozess davon ausgenommen sein?

Wie geht es weiter?

Die Zukunft des Recruitings wird nicht «Mensch oder KI» sein, sondern «Mensch und KI». In einigen Jahren wird niemand mehr fragen, ob Bewerbungsunterlagen mit KI erstellt wurden oder nicht. Entscheidend wird vielmehr sein, ob Menschen die Künstliche Intelligenz kompetent, verantwortungsvoll und reflektiert einsetzen können, sowohl unternehmensseitig als auch auf der Seite der Bewerbenden. Genau das sollten wir im Recruiting fördern, statt es zu verbieten.


Die Gedanken, Erfahrungen und Beispiele in diesem Beitrag stammen aus meiner eigenen Praxis. Für den inhaltlichen Feinschliff und die Struktur habe ich KI zur Unterstützung genutzt.

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Selina Silva

Selina Silva ist Cluster Lead Branding und Recruiting bei der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Sie bringt langjährige Erfahrung in verschiedenen HR-Themen mit, darunter insbesondere Recruiting und Sourcing, Employer Branding sowie Karriereberatung und Outplacement.

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