Forum Wirtschaftspsychologie 2012

«Die Guerilla-Planer entzünden das Feuer»

Die Schweizer sind Innovationsmeister, und sie wollen es auch bleiben. Was braucht es dafür? Das Forum Wirtschaftspsychologie 2012 in Olten ging der Frage nach, im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit dem Titel «Innovation und Unternehmenskultur – der Beitrag der Psychologie».

Wann ist ein Unternehmen innovativ? Muss es dafür eher jung oder alt sein? Und ist echte Innovation in grossen Unternehmen überhaupt noch möglich? Die Meinungen gingen am Donnerstagabend am Forum Wirtschaftspsychologie, organisiert von der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW und den Alumni FHNW Angewandte Psychologie, auseinander. Ganz klar einig waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion aber in einem: Eine innovative Idee zu haben ist das Eine, sie zu Ende zu bringen, das Produkt oder die Dienstleistung also am Markt zu platzieren, das Andere.

Daraus entwickelte sich eines der Hauptthemen des Abends, nämlich die Frage: Kann ein Projekt von Anfang bis Ende von der gleichen Person durchgezogen werden?

An der Kante zur Kündigung

Professor Hartmut Schulze, Leiter Institut für Kooperationsforschung und –entwicklung der FHNW sowie Dozent an der Hochschule für Angewandte Psychologie, führte das Beispiel Daimler an. Dort hat er beobachtet, dass die Leitung von Innovationsprojekten regelmässig in der Mitte wechselt: «Zuerst entzünden die Guerilla-Planer das Feuer, und später übernehmen die Pragmatiker, die Hartnäckigen das Zepter und bringen das Auto auf die Strasse.»

Den «Guerilla-Planern» wurden an diesem Abend viele Namen verliehen: Kreative, Hippies, Freaks, Nonkonformisten, Rebellen, Chaoten. Die Menschen, auf die diese Namen zutreffen, würden allerdings oft viel weniger wertgeschätzt als das, was sie tun: «In unserer standardisierten, McDonaldisierten Welt erfährt die Innovation an sich eine Aufwertung. Das gilt allerdings nicht für die Nonkonformisten, die diese Innovationen entwickeln», sagte Theo Wehner, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie am Zentrum für Organisations- und Arbeitswissenschaften (ZOA) der ETH. Dem pflichtete Hans-Jürgen Hübner, CEO Schoeller Medical, bei: «Jene, die das Feuer anzünden, brauchen Mut und auch Frechheit. Deswegen stehen sie oft an der Kante zur Kündigung.»

Auch Nonkonformisten müssen zwischendurch konform sein dürfen

Ob die «Hippies» effektiv Projekte zu Ende bringen können und sollen, wurde nicht definitiv beantwortet. Allerdings zeigte Hans-Jürgen Hübner die Tendenz auf: «Es ist schwierig, die beiden verschiedenen Disziplinen, also das Feuer-Anzünden und das Projekt-zu-Ende-Bringen, in einem Hirn zu vereinen.» Klar war auch, dass für die zweite Projektphase eine gewisse Erdung nötig ist. Und dass es darum für kreative Menschen – und somit Nonkonformisten – sinnvoll sein kann, wenn sie zwischendurch zu Routinearbeiten übergehen, um in der Konformität eine gewisse Stabilität zu gewinnen, sozusagen als Gegengewicht zu den visionären, eher abgehobenen Phasen von Innovationsprojekten.
 

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Franziska Meier ist Redaktorin und Produzentin mit langjähriger Erfahrung im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich. Als Chefredaktorin des Magazins «fit im job» sowie als Fachredaktorin der Zeitschrift «HR Today» hat sie sich auf das Thema «Mensch, Arbeit & Gesundheit» spezialisiert. Zu ihren journalistischen Schwerpunkten gehören insbesondere Persönlichkeitsentwicklung, Coaching, Stressprävention und betriebliches Gesundheitsmanagement. Achtsamkeit praktiziert sie manchmal im Schneidersitz, öfter jedoch auf ihren Spaziergängen rund um den Türlersee.

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