Ein einig Volk erschöpfter Arbeitnehmender
Erschöpft nach einem langen Arbeitstag? Das geht sehr vielen so. Und: Die Ursachen dafür sind primär strukturell und nicht etwa persönliche Unzulänglichkeiten, zeigt eine Analyse von Travail.Suisse.

Erschöpfung ist ein grosses Problem der aktuellen Arbeitswelt. (Bild: Canva/rs)
Im Rahmen des Projekts «Barometer Gute Arbeit» hat der Arbeitnehmendenverband Travail.Suisse weitere Analysen veröffentlicht. Die vertiefte Auswertung der Ergebnisse von 2025 hat der Verband gemeinsam mit der Berner Fachhochschule erarbeitet. Fokusthema: Erschöpfung. Darunter leidet gemäss Erhebung nämlich mehr als ein Drittel der arbeitenden Schweizer Bevölkerung. Tendenz: steigend.
Travail.Suisse und die BFH haben einerseits analysiert, in welchen Branchen Arbeitnehmende am stärksten von Erschöpfung betroffen sind, und andererseits untersucht, mit welchen spezifischen Arbeitsbedingungen das zusammenhängt.
Am höchsten ist die Erschöpfungsquote – mit einem Anteil von über 40 Prozent – gemäss Travail.Suisse bei Arbeitenden in den Branchen Gastgewerbe, Gesundheitswesen und Detailhandel. In letzterer Branche betrifft es mit 47 Prozent fast die Hälfte der Arbeitnehmenden. Mit 38 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich erschöpft sind Arbeitnehmende in der Branche «Information und Kommunikation».
Die Ursachen dafür, befindet Travail.Suisse, seien strukturell und nicht «individuelle Unzulänglichkeiten». Besonders Personen mit überlangen Arbeitszeiten und fehlender Vereinbarkeit (über zehn Stunden pro Tag, viele und häufige Überstunden) sind häufiger von Erschöpfung betroffen.
Alle Branchen mit erhöhter Erschöpfung weisen einen hohen Frauenanteil auf. Dabei sind aber etwa im Gesundheitswesen Frauen und Männer gleich erschöpft, während es die Frauen im Detailhandel härter trifft. Wiederum sind Männer im Gastgewerbe häufiger erschöpft als Frauen. Das spricht gemäss Travail.Suisse für generell problematische Arbeitsbedingungen – die Geschlechterunterschiede könnten von ausserberuflichen Faktoren beeinflusst werden, allen voran familiäre Verantwortlichkeiten.