Gemeinsam vorwärts, mit Drive
Anja Bates denkt schnell und treibt neue Themen voran. Als Chief Human Resources Officer der AMAG Group gestaltet sie den Wandel eines Unternehmens mit, das sich gerade neu erfindet. Ihr Prinzip: Tempo machen – aber so, dass die Menschen mitkommen.

Bild: Pierre-Yves Massot/realeyes.ch für HR Today
AMAG-CEO Helmut Ruhl hat sie geholt, um den Wandel voranzutreiben. Denn die Schweizer Autobranche steht unter Strom: Elekt-romobilität und Digitalisierung verändern Geschäftsmodelle und Berufsbilder. Der Schweizer Neuwagenmarkt liegt etwa 25 Prozent unter dem Vor-Pandemie-Niveau und neue Anbieter aus China erhöhen den Wettbewerbsdruck. Hier kommt Anja Bates ins Spiel. Sie kam vor fünf Jahren als Chief Human Resources Officer zum Unternehmen.
Statt den klassischen Weg in die HR-Leitung zu nehmen, hat sie ihren beruflichen Rucksack mit Erfahrungen im Recruiting, in der Personal- und Organisationsentwicklung und in der Beratung gefüllt – und mit den Fragestellungen rund um Transformation, Chan-ge, Diversity, Führungskultur. All das, was die AMAG beschäftigte. «Es hat einfach gepasst. Ich wollte raus aus meiner Komfortzone, die Aufgabe war spannend und das Angebot kam zum richtigen Zeitpunkt.» Ausserdem: «Helmut Ruhl, der damals neue CEO, hat Drive. Das mag ich sehr.»
Für Anja Bates gilt es, die kommenden Herausforderungen zu erkennen und die Menschen im Unternehmen darauf vorzubereiten. Für sie ist klar: «Veränderungen lassen sich nicht verordnen. Die Menschen müssen sie mittragen.»
Von 0 auf 100 geht nicht
Die AMAG Group beschäftigt heute rund 7300 Mitarbeitende, etwa 800 davon sind Lernende. Ein solches Unternehmen lässt sich nicht per Knopfdruck transformieren. Veränderung ist ein Prozess und das Tempo muss so gewählt werden, dass möglichst viele mitkommen. Deshalb arbeitet HR eng mit dem Business zusammen. Anja Bates bindet die Geschäftsbereiche früh ein und kennt ihre Bedürfnisse. Sie sagt: «Im Headquarter Folien malen ist einfach. Die Veränderungen auf den Boden zu bringen, braucht Zeit.» Die AMAG ist zwar noch nicht so schnell, wie Anja Bates es gerne hätte, aber: «Wir haben an Speed zugelegt.»
Anja Bates hat ein sehr starkes HR-Team übernommen. Sie selbst hält die Fäden in der Hand, gibt die Richtung vor, bringt Impulse ins CEO-Meeting und schafft Verbindungen zwischen Group HR und den Business Units.
Die zentralen HR-Handlungsfelder werden nicht isoliert im Headquarter, sondern gemeinsam mit den Geschäftsbereichen vorange-trieben. Co-Creation ist das Schlüsselwort. Leads aus Group HR arbeiten mit Co-Leads aus den Business Units, weitere Teams wer-den in die Umsetzung einbezogen. In monatlichen Reviews werden die Fortschritte überprüft. Denn das Wichtigste ist, dranzublei-ben: nachfassen, transparent kommunizieren, Ängste aufnehmen, aber auch die Dringlichkeit für Veränderung klar formulieren – diese Aufgaben sieht Anja Bates im HR. Sie sagt: «Wir haben alles, was wir brauchen. Wir müssen es nur immer wieder bespielen.» Kontinuität ist für sie wichtiger als immer neue Initiativen.
Lernen, bevor man muss
Die Aufgaben und Anforderungen werden sich ändern, so viel sei klar, sagt Anja Bates. Und wer zukunftsfähig bleiben wolle, müsse bereit sein, immer wieder Neues zu lernen. Sie ist überzeugt: Wenn die Menschen die Dringlichkeit erkennen, werden sie das auch tun.
Das AMAG-Weiterbildungsangebot ist umfassend und einfach nutzbar. Werkstattmitarbeitende erhalten kurze Trainings vor Ort, Learn@Lunch steht allen offen, die AMAG Import Academy sorgt für die fachliche Weiterbildung in Verkauf, Service und Werkstatt. Group HR wiederum konzentriert sich vor allem auf die Ausbildung von Führungskräften. Weiterbildung soll Menschen helfen, mit neuen Anforderungen klarzukommen. Deshalb nimmt Anja Bates die Führungskräfte in die Pflicht. Diese sollen mit ihren Mitarbei-tenden immer wieder darüber sprechen, wie wichtig es ist, sich neue Kompetenzen anzueignen – nicht nur im eigenen Fachgebiet. Deshalb plädiert sie auch für Jobrotation, temporäre Einsätze in anderen Rollen oder Bogenkarrieren bei Führungskräften.
Das Ziel ist die Entwicklung von High Performing Teams – mit den Menschen, die schon heute in der AMAG arbeiten. Anja Bates will diese Menschen mitnehmen und sie befähigen, die kommenden Herausforderungen selbstbewusst anzugehen.
Das gelingt ihr, findet Marcel Oertig, Partner beim Schweizer HR-Beratungsunternehmen Avenir Group: «Ich erlebe Anja Bates als Führungspersönlichkeit, die neue Trends und Entwicklungen nicht nur beobachtet, sondern mit echter Begeisterung aufgreift und ins Unternehmen trägt. Diese Innovationsfreude, gepaart mit einem klaren strategischen Kompass, hat HR bei AMAG sichtbar ge-stärkt.»
Kultur ist mehr als nur ein Wohlfühlthema
Wie wichtig die Menschen bei der AMAG sind, zeigt sich daran, dass das Thema Kultur einer von fünf Pfeilern der Unternehmens-strategie ist. Eigentlich logisch, findet Anja Bates: «Sind die Mitarbeitenden zufrieden, steigt die Kundenzufriedenheit und das Busi-ness läuft besser.»
Was die Kultur der AMAG ausmacht? Anja Bates nennt Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, Austausch auf Augenhöhe und Vertrau-en. Und Gestaltungsmöglichkeiten: Wer eine gute Idee hat und diese überzeugend präsentiert, soll die Chance bekommen, sie um-zusetzen.
Anja Bates selbst bringt viele Ideen ins Unternehmen. Sie probiert sie im Team aus, lebt sie vor und trägt sie über intensiven Aus-tausch weiter. «Walk the Talk» – seinen Worten Taten folgen lassen – ist für sie zentral. Sie sagt: «Wir kommen gut voran und werden jedes Jahr ein bisschen besser. Wir erreichen nicht alle unsere Ziele, aber wir sind auf dem Weg. Step by step, sodass wir möglichst alle mitnehmen können.»
Nah am Business
Anja Bates betrachtet Mitarbeitende, Führungskräfte und die Geschäftsleitung als Kundinnen und Kunden des HR. Entsprechend hoch ist ihr Anspruch an die interne Dienstleistung. Das HR-Team steht in engem Kontakt zum Business, holt Feedback ein und bespricht, was gut läuft und wo es Verbesserungspotenzial gibt. Anja Bates hat den Anspruch, das Richtige zu tun und gemeinsam besser zu werden. Dass dieser Ansatz ankommt, spürt sie an der Wertschätzung der Business-Kolleginnen und -Kollegen. «Die Wich-tigkeit des HR beziehungsweise von People-Themen ist erkannt.»
Allein macht sie das nicht. Rund 115 Menschen arbeiten in den HR-Teams der AMAG – viele davon in Teilzeit. Dass sie miteinander die Zukunft des Unternehmens prägen können, empfindet Anja Bates als Privileg.
Sie sucht bewusst auch den Blick nach aussen und bewegt sich gerne ausserhalb ihrer HR-Bubble. Beispielsweise vertritt sie die A-MAG am Swiss Economic Forum. Andere Menschen, andere Perspektiven, neue Gedanken – das inspiriert Anja Bates.
Vollkornbrot!
Wie schafft es diese Frau, die beruflich gerne Tempo macht, drei Kinder hat und zahlreiche Initiativen gleichzeitig im Blick behält, nicht ausser Atem zu geraten? «Ich delegiere knallhart alles, was ins Team gehört, ans Team.» Sie schenkt Vertrauen und bekommt es zurück. Natürlich sei sie da, wenn es nötig oder gewünscht ist.
Ausserdem ist sie vorbildlich dabei, Ferien zu kaufen – bis zu 20 Tage kann man bei AMAG zusätzlich einkaufen – und organisiert sich so, dass sie mindestens viermal im Jahr Ferien mit der Familie machen kann. Am liebsten im Ferienhaus in Griechenland. Dort macht sie Wassersport und liebt es, etwas mit den Händen zu schaffen – zum Beispiel ein richtig gutes deutsches Vollkornbrot.
Zur Person
2021 – heute Chief Human Resources Officer, AMAG Group AG
2019 - 2021 Head of HR Operations & Transformation; HR COO, KPMG Switzerland
2017 - 2019 Head HR People & Organizational Development, KPMG Switzerland
2014 - 2017 Head HR Learning & Development, KPMG Switzerland
2004 - 2014 Senior Consultant, BOSS Business Consulting AG
Zum Unternehmen
Die AMAG Group ist ein Schweizer Familienunternehmen, 1945 gegründet von Walter Haefner. 2006 übergab er die geschäftliche Gesamtverantwortung an seinen Sohn Martin und hat damit über seinen Tod hinaus für Kontinuität im Familienunternehmen gesorgt. Martin Haefner ist heute alleiniger Eigentümer und Verwaltungsratspräsident der AMAG Group. Mit rund 7300 Mitarbeitenden – davon rund 800 Lernende – und Marken wie VW, Audi, Škoda, SEAT/CUPRA, Porsche und Bentley bietet die Gruppe Fahrzeugimport, Retail, Leasing und Vermietung sowie Ladeinfrastruktur, Photovoltaik und Stromspeicher. Die AMAG entwickelt sich vom klassischen Automobilunternehmen zur Anbieterin eines vernetzten Mobilitäts- und Energie-Ökosystems.
AMAG in Zahlen
Die AMAG hat 15 Prozent Wiedereinsteigende
93 Prozent der Lernenden schliessen ihre Lehre erfolgreich ab
Aktuell sind die Mitarbeitenden durchschnittlich seit 8,4 Jahren dabei
10 Prozent der Mitarbeitenden machen Jobrotationen
Die Fluktuation liegt bei 8,9 Prozent
Die Absenzenquote beträgt 3,6%