HR Today Nr. 6/2016: Im Gespräch

«Jeder verdient Respekt»

Der Ostschweizer Personaltag dreht sich rund um das Thema Digitalisierung. Referent Patrick D. Cowden, Top-Manager und Bestseller-Autor, spricht im Interview mit HR Today über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung, was einen guten Chef ausmacht und wie sich Mitarbeiter begeistern lassen.

Herr Cowden, wie unterscheidet sich Personalmanagement im digitalen Zeitalter von früherem Personalmanagement?

Patrick D. Cowden: Der grösste Unterschied ist die Geschwindigkeit. Durch die Digitalisierung ist alles viel schneller geworden. Mit immer weniger Ressourcen muss immer mehr immer schneller gestemmt werden.

Was sind die Auswirkungen?

Die Frage ist: Wie lässt sich die Qualität trotz gestiegener Geschwindigkeit und weniger Ressourcen halten? Qualität wird durch Beziehungen geschaffen; Beziehungen gewinnen vermehrt an Bedeutung, etwa wenn es darum geht, Talente zu finden oder Menschen zu begeistern. Beziehungen lassen sich nicht digitalisieren. Sich um das Personal zu kümmern, wird deshalb immer wichtiger.

Zur Person

Patrick D. Cowden wanderte im Alter von 19 Jahren aus seiner Heimat USA nach Deutschland aus. Bereits mit Ende zwanzig war er Millionär und Geschäftsführer einer westdeutschen Landesbank. Es folgten Stationen bei renommierten Unternehmen wie Cap Gemini, Dell und Deutsche Bank, wo er selbst in Krisenzeiten immer wieder Rekordergebnisse erzielte. 2010 wurde er vom japanischen Konzern Hitachi zum Manager des Jahres gekürt. 2008 gründete Patrick Cowden die Firma Beyond Leadership mit dem Ziel, das Potenzial von Organisationen und Unternehmen im höchstmöglichen Masse zu aktivieren. Sein Wissen vermittelt Cowden auch im Rahmen von Lehrveranstaltungen an heutige und zukünftige Manager, unter anderem an der Hochschule für Wirtschaft Zürich. Zudem ist er leidenschaftlicher Keynote-Speaker, Bestseller-Autor («Neustart», 2013) und Kolumnist sowie Referent an renommierten Hochschulen.

Worin sehen Sie die grössten Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung?

Die Herausforderung besteht darin, die Digitalisierung und die Beziehung unter den Menschen miteinander zu kombinieren und dies fortschrittlich, innovativ und qualitativ hochwertig zu tun. Wichtig ist es, die Begeisterung der Talente und der ganzen Belegschaft auf ein hohes Niveau zu bringen. Durch die Automatisierung zahlreicher Prozesse ermöglicht uns die Digitalisierung, uns vor allem um den Mensch zu kümmern. Es braucht jedoch Mut, im Personalmanagement innovative Methoden anzuwenden.

An welche Art von Methoden denken Sie konkret?

Ich denke an Aktivierungsmethoden, welche die Identifizierung der Mitarbeitenden mit dem Betrieb ermöglichen, denn das ist das Fundament für die Begeisterung der Mitarbeitenden. Das Ziel sollte sein, die Mitarbeiter so zu aktivieren, dass eine Atmosphäre der Kollegialität herrscht. Dabei sollen jene Facetten gefördert werden, welche die Kultur positiv prägen. Zu diesen Facetten zählen Vertrauen, Wertschätzung und Respekt anstelle von Angst und Stress, wie das früher oft der Fall war.

Wie sieht gutes Personalmanagement aus?

Ich unterscheide zwischen Pflicht und Kür. Zur Pflicht gehört es, die Mechanismen der Verwaltung, des Recruitings und der Personalentwicklung zu kennen und Instrumente dafür zu haben. Da bietet die Digitalisierung Unterstützung. Denn sie hilft, die Abläufe zu vereinfachen und zu verbessern. Die Kultur und die Qualität der menschlichen Beziehungen sind die Kür.

Wie lässt sich die Kür erreichen?

Ganz wichtig ist die Einstellung der Führungskräfte und der HR-Abteilung: Sie müssen sich um Menschen kümmern wollen. Und sich überlegen, welche Programme sie haben, mit welchen Kommunikationsmassnahmen sie den Faktor Mensch fördern, wie sie die Qualität des Miteinanders verbessern können. Viele Firmen sagen: Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Sie tun aber nichts dafür. Ziel jedes Unternehmens müsste es sein, den Faktor Mensch zu fördern und Begeisterung zu aktivieren.

Sie kämpfen für mehr Menschlichkeit in der Wirtschaft. Warum?

Mein Ziel ist ein würdiges, wertschätzendes, vertrauensvolles Arbeitsleben für alle Menschen auf der Welt – weil jeder es verdient, mit Würde, Respekt und Vertrauen behandelt zu werden. Neben Zahlen muss es auch Raum für den Menschen geben. Der Mensch ist mit Abstand der Erfolgsfaktor Nummer eins in jeder Organisation der Welt. Wie bringen wir nun den Menschen dazu, Höchstleistungen zu erbringen? Und zwar nicht als Individuum, sondern als Team, denn zusammen ist eine Gruppe stärker als jeder Einzelne allein. Wenn er etwas aus freien Stücken und aus tiefstem Herzen will, läuft der Mensch zur Höchstform auf. Und das ist dann der Fall, wenn er sich geachtet und wertgeschätzt fühlt, also mit gutem Gefühl bei der Arbeit ist. Dann geht der Erfolg der Unternehmen nach oben und die Produktqualität steigt.

Was macht einen guten Chef aus?

Ein guter Chef weiss, wie wichtig das Wohlergehen seiner Mitarbeitenden ist, und erkennt dies als wichtigsten Erfolgsfaktor. Zudem stellt er Raum und Zeit zur Verfügung, um eine positive Kultur zu entwickeln, in der sich jeder mit dem anderen und mit seiner Aufgabe verbunden fühlt und weiss, was er zu tun hat. Eine Mannschaft muss miteinander verbunden sein und ein Ziel vor Augen haben, sonst geht es schief.

Was sind die häufigsten Fehler der Vorgesetzten?

Ich bin überzeugt, dass es jeder Chef richtig machen will. Doch oft schauen Vorgesetzte zu sehr auf das Ergebnis und auf Zahlen und zu wenig auf die Treiber, die das Ergebnis liefern – die Mitarbeitenden. Gute Führungskräfte wissen, dass ihre Leute die Quelle des Erfolgs sind, und richten ihre Entscheidungen danach aus.

Was ist Ihre Botschaft an die Besucher des Ostschweizer Personaltags?

Wir haben die Chance, die Digitalisierung und den Faktor Mensch in Qualität zueinander zu bringen, und das auf höchstem Niveau. Alles, was wir dazu brauchen, ist schon da. Let’s just make it so!

Veranstaltungshinweis

Am 9. Juni 2016 findet der 12. Ostschweizer Personaltag unter dem Motto «Personalmanagement im digitalen Zeitalter» statt. Patrick D. Cowden referiert dort zum Thema «Beyond Leadership – die Kunst des Vertrauensaufbaus». Zu den weiteren Referenten gehören Petra Schmidhalter von der Swisscom, die über Virtual Reality spricht, Jörg Buckmann, der einen Vortrag über HR-Marketing hält, und Bestseller-Autorin 
Anja Förster, die sich dem Thema Führungskultur widmet. Über Personalmanagement im digitalen Zeitalter referiert Sibylle Olbert-Bock von der Fachhochschule St. Gallen. 
Infos und Anmeldung: www.personaltag.ch

 

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