«Leistungsträger darf man nicht von ihren eigentlichen Tätigkeiten ablenken»

Studien zeigen: Die Hälfte aller Mitarbeitenden ist bereit für einen Jobwechsel. Ein Problem auch für Handwerksbetriebe. Unternehmensberater Robin Steinheimer darüber, wie Firmen Leistungsträger langfristig an sich binden.

 

Robin Steinheimer, es herrscht allgemeiner Fachkräftemangel. Auch Handwerksbetriebe sind davon betroffen – welche Zweige besonders?

Laut einer Statistik aus dem Jahr 2021 sind es insbesondere die Zweige Bauelektrik, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Kraftfahrzeugtechnik, Verkauf von Fleischwaren, Holz-, Möbel- und Innenausbau stark betroffen.

Welche Möglichkeiten haben Handwerksbetriebe, um überhaupt an Leistungsträger heranzukommen?

Eines vorweg: Leistungsträger befinden sich in der Regel bereits in einer festen Anstellung.  Trotzdem haben viele ein stetiges Interesse am Arbeitsmarkt und daran, was er für sie zu bieten hat. Für Handwerksbetriebe bedeutet dies, dass es nur wenig Sinn ergibt sich, stark in Jobbörsen zu positionieren. Um Leistungsträger zu erreichen, sollten Unternehmen vielmehr dort aufstellen, wo sich diese tagtäglich aufhalten – und das ist heutzutage im Internet. Um Leistungsträger zu erreichen, muss man sie also zum Beispiel über die sozialen Netzwerke wie Instagram und Facebook ansprechen. Das gelingt am besten, indem man seine Vorteile nach aussen kommuniziert. So steigt die Attraktivität der Betriebe in den Augen der Leistungsträger.

Was müssen Betriebe tun, um für künftige Arbeitnehmende attraktiv zu sein, bzw. zu bleiben?

Als erstes gilt es herauszufinden, welche Bedürfnisse die spezielle Mitarbeitergruppe hat – diese sollten bestenfalls erfüllt werden. Dazu zählt beispielsweise auch die Abnahme der Aufgaben, die nicht zu ihrer Fach-Tätigkeit gehören. Dadurch können sie sich auf das konzentrieren, was sie wirklich begeistert. Bereits auf diese Weise können Betriebe die eigene Attraktivität enorm steigern. Ausserdem zieht auch das Unternehmen in diesen Fällen einen grösseren Nutzen aus den eigenen Arbeitnehmenden – da ihre Produktivität auf diese Weise zunimmt. Ebenso kann ich Betrieben nur empfehlen, das Gespräch mit den Mitarbeitenden zu suchen und allfällige Probleme zu lösen. Denn zufriedene Angstellte sind ein Magnet für künftige Kolleginnen und Kollegen.

Fakt ist: Die grossen Betriebe nehmen mit besseren Konditionen den Kleineren die Leute weg. Inwiefern spielt der Lohn nach wie vor eine Rolle, um für Fachkräfte attraktiv zu sein?

Die Mitarbeitenden müssen vernünftig bezahlt werden, um sie dauerhaft an das eigene Unternehmen zu binden. Allerdings höre ich oft von kleineren Betrieben, dass sie sich das nicht leisten können. Diese müssen sich dann damit abfinden, dass etwas weniger vom Kuchen für sie übrigbleibt. Denn mit einem starken Team ist es möglich, Aufträge schneller und effizienter abzuarbeiten.

Wie wichtig sind andere Benefits für Leistungsträger?

Neben einem angemessenen Gehalt ist ein weiterer wichtiger Vorteil, Leistungsträger nicht von ihren eigentlichen Tätigkeiten abzulenken. Aufgaben, die nicht in ihren Bereich fallen, sollten von den zuständigen Personen übernommen werden. Zudem sollten auch Bestellvorgänge reibungslos funktionieren. Benefits wie Lohnmodelle oder ein Bonus sind weitere Optionen. Einen Bonus würde ich nicht etwa einmal jährlich ausbezahlen, sondern herunterbrechen auf viertel- oder halbjährlich. Auf diese Weise fühlen sich die eigenen Mitarbeiter wertgeschätzt.

Inwiefern sind diese Arten von Benefits für kleine Betriebe überhaupt erschwinglich?

Auch für kleine Betriebe ist es durchaus erschwinglich. Darüber hinaus sollten sich die Arbeitgeber klar machen, dass es den Leistungsträgern im Team nicht nur um Geld geht. Für kleine Betriebe bedeutet das, dass sie das richtige Umfeld schaffen müssen und den Leistungsträgern auch ermöglichen, die Arbeit zu tätigen, die ihnen Spass macht. Zudem sollte man Benefits finden, die auch den Familien der Mitarbeitenden einen Mehrwert bieten. Dazu gehören Arbeitszeitmodelle, Freizeitausgleich, ein Kinderbetreuungszuschuss oder auch Benefits im Bereich Gesundheit.

Robin Steinheimer

Robin Steinheimer ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung 977.consulting GmbH. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Handwerksbetriebe bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung zu unterstützen. 977.works

 

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