HR Today Nr. 11/2020: swissstaffing-News

Personalvermittler als Drehscheibe in der Krise

Qualifizierte Arbeitskräfte sind für Arbeitgebende Gold wert und Personalvermittlern fällt die Aufgabe zu, dieses kostbare Gut zu finden. Die Corona-Krise hatte und hat immer noch Auswirkungen auf unseren Alltag, insbesondere auf die wirtschaftliche Entwicklung und den Arbeitsmarkt. Was können Personalvermittler in diesem Zusammenhang unternehmen, um der Krise entgegenzuwirken?

Eine Antwort auf die Pandemie könnte für Personalvermittler darin bestehen, Arbeitnehmende und ihre Talente genau unter die Lupe zu nehmen, um sie so an die richtige Firma zu vermitteln. Das kommt Arbeitnehmenden, Unternehmen wie auch der Gesellschaft zugute. Die Herausforderung der HR-Fachpersonen besteht darin, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, welche die spezifischen Kriterien der Unternehmen erfüllen. Durch den Einsatz ihres umfassenden Fachwissens im Recruiting können Personaldienstleister dazu beitragen, dass die Arbeitslosigkeit schneller wieder sinkt und sich die Wirtschaft bald erholt. Die aktuelle Situation ist daher für die Personaldienstleistungsbranche nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Gelegenheit, einen aktiven Beitrag zur Krisenbewältigung zu leisten.

Voraussetzungen für eine rasche Erholung

Arbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist ein wichtiger Bestandteil für eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung. Fachkräfte spielen dabei eine bedeutende Rolle, denn sie sind trotz der Krise bei den Unternehmen nach wie vor sehr gefragt. Dennoch ist die Bewältigung des vor uns liegenden Veränderungsprozesses eine Herausforderung. Die Situation ist auch paradox, denn in manchen Berufen herrscht immer noch ein Fachkräftemangel. Das erschwert eine rasche Erholung. Es gibt drei Möglichkeiten, dieses Problem anzupacken:

Eine besteht darin, auf den inländischen Bestand an hochqualifizierten Arbeitskräften zu bauen, die durch flexible Arbeitszeitmodelle aktiviert werden könnten. Eine zweite in der Umschulung und Höherqualifizierung von Arbeitnehmenden, die den gewünschten Profilen nicht zu hundert Prozent entsprechen. Das hervorragende Schweizer Bildungssystem bietet dazu den idealen Nährboden. Es ist flexibel und umfassend, wodurch Berufstätige ihre Laufbahn als Lehrling beginnen und durch flexible Weiterbildungen in verschiedene Fachrichtungen ergänzen können. Als dritte Möglichkeit könnten qualifizierte Migrantinnen und Migranten eingestellt werden, um bestehende Lücken im Wirtschaftssystem zu füllen. Diese Menschen steigern die Diversität in Unternehmen und ergänzen fehlendes Wissen und Humankapital und bringen in anderen Ländern erworbene Berufserfahrungen mit. Für die Schweiz ist es entscheidend, von diesen Ansätzen Gebrauch zu machen, um die Wirtschaftskrise möglichst rasch zu überwinden und wettbewerbsfähiger zu werden.

Personaldienstleistung als wertvolle Ressource

Um erfolgreich zu sein, müssen Personalvermittler die Bedürfnisse von Unternehmen und Arbeitnehmenden gleichermassen verstehen. Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit verlangt nach ausreichenden Ressourcen. Die Schweizer Arbeitsämter verfügen in der aktuellen Situation vielerorts jedoch nicht über genügend Kapazitäten, um alle Stellensuchenden optimal zu unterstützen. Da die Vermittlung passender Kandidatinnen und Kandidaten herausfordernd und zeitintensiv ist, kann die private Personalvermittlungsbranche einen Beitrag zur Erholung der Wirtschaft leisten, indem sie Stellensuchende so rasch wie möglich wieder in den Arbeitsmarkt integriert.

Abbildung 1: Qualifikationsniveau der vermittelten Personen.

Besteht ein Mangel an inländischen Fachkräften, welcher die Leistung von Unternehmen hemmt, setzen HR-Fachpersonen oft auf Instrumente wie aktives Sourcing in sozialen Netzwerken. Viele Unternehmen nutzen solche Werkzeuge jedoch nicht, was die Zusammenarbeit mit spezialisierten Personaldienstleistern umso zielführender macht. Durch die über sie angeworbenen Arbeitskräfte können Unternehmen wachsen und neue Stellen schaffen, die sie mit inländischen Arbeitskräften besetzen können. Das zeigt, weshalb die internationale Personalvermittlung eine Grundvoraussetzung für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg ist. Insbesondere in einem Land wie der Schweiz mit ihrem hohen Lohnniveau.

Fachkräftemangel mit Recruiting-Know-how entschärfen

Eine Sachkompetenz und Dienstleistung der Temporärunternehmen, welche oft vergessen geht, ist die Direktvermittlung von Mitarbeitenden an einen neuen Arbeitsplatz. Gemäss der vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO veröffentlichten Jahreszahlen werden jährlich rund 90 000 Personen von Personaldienstleistern direkt platziert. Verschiedenen Statistiken, die auf 2019 durch die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) erhobenen Daten basieren, veranschaulichen die Leistungen der Branche, den Qualifikationsgrad der Vermittelten und das Lohngefälle zwischen Arbeitnehmenden.

Abbildung 2: Lohnverteilung der vermittelten Personen.

Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung zeigt beispielsweise das Bildungsniveau der vermittelten Arbeitskräfte. Demnach verfügen 39 Prozent der vermittelten Arbeitnehmer über einen Hochschulabschluss, 50 Prozent gelten als qualifiziert, nur 11 Prozent dagegen als ungelernt. Dass fast 90 Prozent der vermittelten Arbeitnehmenden als qualifiziert gelten, deutet auf eine anhaltend hohe Nachfrage nach Fachkräften hin und ist somit ein Ausdruck des Fachkräftemangels. Die grosse Bandbreite an Vermittlungsaktivitäten zeigt sich zudem bei den Löhnen der vermittelten Personen. Gemäss der Lohnverteilung der vermittelten Personen (SAKE) verdienen 25 Prozent der Ungelernten weniger als 4 100 Franken im Monat. Den Gegenpol bilden Arbeitskräfte mit Hochschulabschluss. 25 Prozent von ihnen verdienen mehr als 9000 Franken im Monat. Das macht Folgendes deutlich: Von Direktvermittlungen durch private Dienstleister profitieren nicht nur hochqualifizierte Spitzenverdiener. Diese Dienstleistung ist auch eine Chance für Ungelernte und Arbeitskräfte mit Berufsbildung.

Abbildung 3: Direktvermittlungen nach Branche.

Der Branchenmix der vermittelten Arbeitnehmenden verdeutlicht die breite Palette an Tätigkeitsfeldern. 32 Prozent der Direktvermittlungen erfolgen im Industriesektor und 16 Prozent im Baugewerbe und zeigen den hohen Fachkräftemangel in diesen Wirtschaftszweigen. Auch das Gesundheitswesen, der Wissenschafts- und der Finanzsektor, die Logistikbranche und die Automobilindustrie sind in Bezug auf Direktvermittlungen wichtige Kunden der Personaldienstleistungsunternehmen. Das fundierte Wissen der Personaldienstleister im Recruiting zeigt sich in diesen Zahlen. Dieses Wissen könnte während der Krise und darüber hinaus eine grosse Hilfe sein.

Ein Blick in die Zukunft

In der Krise, mit der wir gegenwärtig konfrontiert sind, kommt der Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern eine noch grössere Bedeutung zu. Es gibt viele Menschen, die eine neue Arbeit suchen müssen, die ihnen wieder das Gefühl gibt, geschätzt und akzeptiert zu werden. Für einige Stellensuchende wird es unabdingbar sein, eine Umschulung oder eine höhere Qualifizierung in Angriff zu nehmen. Der rasche Anpassungsprozess der digitalen Fertigkeiten vieler Arbeitnehmender während des Lockdowns gibt Anlass zur Hoffnung, dass diese bevorstehenden Herausforderungen von den Stellensuchenden gemeistert werden. Gleichzeitig müssen die Unternehmen sich aber bewusst machen, dass der Lockdown neue Bedürfnisse hinsichtlich Flexibilität geweckt hat, denen sie als Arbeitgebende Rechnung tragen müssen. HR-Fachpersonen können Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden dabei helfen, die neue Situation erfolgreich zu bewältigen.

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Marius Osterfeld ist Ökonom bei ­swissstaffing.

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Jean-Claude Cereghetti

Jean-Claude Cereghetti ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei swissstaffing.

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