Checkliste

Professionelle Online-Bewerbungsgespräche

7 Tipps worauf Personaler und Bewerbende im Video-Call achten sollten.

Seit der Corona-Pandemie haben die Online-Bewerbungsgespräche stark zugenommen. Im Video-Call gelten allerdings andere Regeln, als im persönlichen Vorstellungsgespräch – sowohl für die Bewerbenden als auch für die Personalverantwortlichen im Unternehmen. Denn wichtige Komponenten, die wir aus Offline-Gesprächen kennen, fallen online weg. Angefangen bei «Banalitäten», wie dem Händedruck, der Frage nach Kaffee/Wasser, oder ob der Weg gut gefunden wurde, bis zu dem Gespür, das der Bewerbende für die Firma bekommt – aufgrund der Räumlichkeiten und Menschen, denen er dort begegnet. Dies erfordert ein Umdenken, um für beide Seiten eine angenehmen Gesprächsatmosphäre und Verständnis für die andere Person zu entwickeln.

Damit Ihr Online-Bewerbungsgespräch zum Erfolg wird, sollten Sie die folgenden sieben Punkte beachten:

1. Technische Voraussetzungen

Stellen Sie als Personaler sicher, dass die Bewerbenden technisch optimal vorbereitet sind. Das zeugt von Respekt. Denn bei der Vielzahl an Videokonferenzsystemen kann nicht vom Bewerbenden erwartet werden, dass er jedes kennt. Versenden Sie dafür eine Woche vor dem Termin eine E-Mail, in der alle notwendigen technischen Informationen stehen:

  • Wer ist der Video-Call-Anbieter (Zoom, Skype, MS Teams etc.)?
  • Welcher Browser eignet sich am besten für das Programm?
  • Über welchen Link gelangen die Kandidaten in den Online-Warteraum?
  • Wie können sie sicherstellen, dass Mikro und Webcam funktionieren?

2. Ton

Für optimale Tonübertragung benutzen Sie ein Headset mit Kabel. Somit vermeiden Sie, dass die Bluetooth-Verbindung plötzlich abbricht. Zudem filtern sie so Hintergrundgeräusche heraus und haben eine hohe Audioqualität.

3. Bild

Der visuelle Aspekt spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Da physische Aspekte, wie Sitzverhalten, Gestik und Mikromimik, grösstenteils wegfallen, sollten die Gesprächspartner auf zwei visuelle Aspekte besonders achten: die Wahl des Hintergrunds und die Kameraeinstellung.

3.1 Hintergrund

Für Unternehmensseite bedeutet das: Suchen Sie sich einen hellen Besprechungsraum, im Idealfall mit Tageslicht (kein Fenster im Hintergrund!). Ungünstig sind gläserne Räume am Gang oder auf dem Weg zur Kantine. Im Homeoffice gelten dieselben Regeln, wie beim Bewerbenden.

Auf Bewerberseite ist ein Raum mit Tageslicht ebenfalls ideal. Um nicht von sich abzulenken, wählen Sie einen ruhigen Hintergrund, also: kein volles Bücherregal oder Küchenablagen. Auch das Schlafzimmer ist nicht für ein Bewerbungsgespräch geeignet – das Gehirn schaltet dort unbewusst auf «Schlaf». Besser sind einfarbige Wände, vielleicht mit einem Bild oder einer Blumenvase im Hintergrund. Falls die eigenen vier Wände das nicht hergeben, bieten sich ein Coworking-Space oder vielleicht die Wohnung eines Kollegen an.

Wichtig: Wählen Sie keinen virtuellen Hintergrund. Dieser verursacht unterbewusst Skepsis beim Gegenüber und das Gefühl, der Gesprächspartner hätte etwas zu verbergen.

3.2 Kameraeinstellung

Die Kamera unbedingt auf Augen-/Stirnhöhe ausrichten. Dann können wir von einem Gespräch «auf Augenhöhe» sprechen. Bei zu tief eingestellter Webcam, wie z.B. bei einem Laptop, sieht es so aus, als würden Sie von oben auf die andere Person herabschauen. Bei zu hoch eingestellter Webcam hingegen wirkt der Blick «dackelartig». Dadurch entsteht eine ungewünschte Form der Hierarchie, die beide Gesprächsseiten voneinander distanziert.

Oft machen wir den Fehler, nicht direkt in die Kamera zu blicken, sondern entweder auf uns selbst oder den Gesprächspartner. Der direkte Blickkontakt ist jedoch sehr wichtig für den Beziehungsaufbau. Damit Sie sowohl in die Webcam, als auch auf den Gesprächspartner schauen können, lohnt sich eine externe Webcam mit Tischstativ, die Sie vor den eigenen Monitor stellen. So können Sie die Reaktionen des Bewerbenden beobachten und ihm dennoch das Gefühl eines intensiven Blickkontakts geben.

4. Agenda zusenden

Damit das Gespräch «rund» läuft, kann die Unternehmensseite vorab eine Übersicht über den Gesprächsablauf versenden. Was ist das Ziel? Wer ist anwesend? Wie ist der Video-Call strukturiert? Wie sind (bei mehreren Teilnehmenden) die Abläufe, wenn jemand etwas sagen möchte (z.B. durch Handheben). Diese Informationen geben den Bewerbenden Orientierung und helfen ihnen, sich noch besser auf das Gespräch vorzubereiten.

5. Über mehrere Etappen gehen

Teilen Sie Online-Bewerbungsgespräche in mehrere Etappen von ca. 45 Minuten ein. Einerseits lässt die Konzentrationsfähigkeit am Bildschirm relativ schnell nach, andererseits können Sie Ihre Kandidaten so auch in unterschiedlicher Tagesform beobachten – und genauere Erkenntnisse daraus ziehen. Zwischen den Etappen können die Bewerbenden beispielsweise eine Aufgabe lösen.

6. Vorab informieren und ausreichend Vorbereitung einplanen

Für beide Seiten gilt: Frühzeitig am Bildschirm sitzen. Menschen neigen dazu, sich für Online-Meetings weniger vorzubereiten, als für Präsenz-Meetings. Wer erst fünf Minuten vor dem Video-Call den Rechner einschaltet und schnell die Info über den Kandidaten, bzw. das Unternehmen, querliest, hat es später im Gespräch schwer. Die Kandidaten fühlt sich nicht wertgeschätzt – und die Personaler erkennen kein wahres Interesse des Bewerbenden.

6.1 Achtung: Stress-Test!

Manche Personaler rufen übrigens absichtlich 5-10 Minuten früher an, um die Reaktion der Kandidaten zu beobachten. Wer sich hier noch die Zähne putzt, sein Müsli löffelt oder schnell das Hemd zuknöpft, macht Minuspunkte. Auch aus diesem Grund sollten die Bewerbende mindestens 15-20 Minuten vor dem Gespräch bereit sein.

7. Smalltalk

Was offline automatisch passiert, wird online oft ausgelassen: Das Socializing und der Smalltalk. Dabei ist es online noch wichtiger, um die distanzierende Monitorbarriere zu überwinden. Planen Sie deshalb bewusst Zeit ein, um zu Beginn des Gesprächs erstmal «warm» zu werden und eine vertraute und persönliche Atmosphäre zu schaffen. Damit legen Sie den Grundstein für einen erfolgreichen Verlauf des Bewerbungsgesprächs.

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Andrea Heitmann

Andrea Heitmann ist Trainerin und Coach für Kommunikation und (digitale) Rhetorik sowie Expertin für Körpersprache und Auftrittskompetenz. Seit August 2020 bietet Heitmann Online-Kurse für digitale Rhetorik an. digitale-rhetorik.com

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Kommentare

Was mir bei dieser Checkliste fehlt, ist der Punkt «Bekleidung»: Zu einem physischen Bewerbungsgespräch erscheint der Bewerber meistens adäquat bekleidet. Im Homeoffice herrscht meistens der «Dresscode» T-Shirt und Trainer. Bei einem Online-Bewerbungsgespräch sollte Bewerber/in und Personaler/in genau gleich «auftreten» wie bei einem physischen Vorstellungsgespräch. Der erste Eindruck zählt (mit)!

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