Wie KI psychische Gesundheit beeinflusst
Künstliche Intelligenz hält mit Tempo Einzug in den Arbeitsalltag – doch was macht das mit der psychischen Gesundheit von Mitarbeitenden? Eine aktuelle Studie zeigt, dass das Problem nicht bei der Technologie liegt, sondern ganz woanders.

Je besser die psychologische Sicherheit, desto geringer das Risiko, (Bild: zVg)
Künstliche Intelligenz (KI) verändert Arbeitsprozesse rasant und stellt Organisationen und Beschäftigte vor neue Herausforderungen. Während die Forschung bislang vor allem Effizienzgewinne durch KI untersucht, ist wenig darüber bekannt, wie sich KI auf die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden auswirkt. Eine aktuelle Studie aus Südkorea zeigt: Entscheidend ist weniger die Technologie selbst als der Umgang mit ihr.
Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen KI-Einführung, ethischer Führung, psychologischer Sicherheit und depressiven Symptomen. Grundlage war eine dreistufige Online-Befragung von 381 Beschäftigten aus verschiedenen Organisationen über mehrere Monate.

In der ersten Erhebungsphase berichteten die Teilnehmenden, in welchem Ausmass ihre Organisation KI in fünf Bereichen einsetzt (HR, Operations, Marketing, Strategie, Finanzen) und wie ethisch sie ihre Führungskräfte wahrnahmen. In der zweiten Phase wurde die psychologische Sicherheit erfasst, also ob sich die Mitarbeitenden trauten, Fragen zu stellen oder um Hilfe zu bitten, ohne negative Konsequenzen zu befürchten. In der dritten Phase wurden depressive Symptome wie Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Einsamkeit und Erschöpfung erhoben. Die Auswertung erfolgte mittels Strukturgleichungsmodellen.
Ethische Führung spielt eine zentrale Rolle
Die Ergebnisse zeigen: Mit der Einführung von KI steigt die Unsicherheit der Mitarbeitenden. Rollen verändern sich, Anforderungen nehmen zu und Entscheidungen werden weniger transparent. Dadurch sinkt die psychologische Sicherheit – also das Gefühl, Fragen stellen, Fehler zugeben oder Bedenken äussern zu können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen. Nimmt dieses Sicherheitsgefühl ab, steigen depressive Symptome deutlich an.
Bemerkenswert ist, dass kein direkter Zusammenhang zwischen der KI-Einführung und depressiven Symptomen besteht.
Negative Effekte entstehen erst dann, wenn KI als bedrohlich, unfair oder unklar erlebt wird. Hier spielt die Führung eine zentrale Rolle. Ethische Führung, geprägt von Transparenz, Fairness, Verlässlichkeit und Beteiligung, wirkt als Schutzfaktor. Führungskräfte mit einem ethischen Führungsstil erklären die Ziele der KI-Nutzung, schaffen Mitsprachemöglichkeiten und kommunizieren offen über Veränderungen. In Teams mit hoher ethischer Führung fällt der Rückgang psychologischer Sicherheit deutlich geringer aus.
Für die Praxis bedeutet das: Wer KI einführt, sollte zugleich eine Kultur fördern, in der Mitarbeitende Fragen stellen und Sorgen äussern dürfen. Transparente Entscheidungen, realistische Übergangsphasen und aktive Beteiligung sind entscheidend. Die zentrale Botschaft lautet: KI wird dann zum Risiko, wenn psychologische Sicherheit fehlt. Ethische Führung ist damit eine Schlüsselbedingung für eine gesunde und nachhaltige KI-Transformation.
Quelle:
• Kim, B.-J., Kim, M.-J., & Lee, J. (2025), «The dark side of artificial intelligence adoption: Linking artificial intelligence adoption to employee depression via psychological safety and ethical leadership», Humanities and Social Sciences Communications, 12, 704.

