Wie New Work zum New Normal wird

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit neue Arbeitsformen dabei helfen können, Organisation und Führung zukunftsfähig zu machen? Fest steht, es braucht ganz bestimmte Energien, damit Unternehmen und Menschen sich neu entdecken und im Sinne von New Work entwickeln können.

Soziokratie, Holokratie oder evolutionäres Unternehmen – unsere modernen Organisationsformen zeigen unterschiedliche Ansätze in der Umsetzung des New Work-Gedankens. Im Wesentlichen gibt es Schnittmengen im Bereich Sinnhaftigkeit, Ganzheitlichkeit und Selbstorganisation. Was den New Work-Betrachtungen logischerweise fehlt, ist ein Reglement oder etwas Festgeschriebenes, wie sie genau wirken sollen. Auch wenn die Form – beispielsweise keine Hierarchien, sondern Kreise in der Holokratie – klar vorgegeben ist. Also schaut man eigentlich nur darauf, sich in der neuen Organisationsform gut einzurichten und erfolgreich zu arbeiten.

Aber wie nachhaltig ist die neue Form der Organisation? Wird im Unternehmen tatsächlich eine sichere Tragfähigkeit für die Zukunft geschaffen? Wie ist diese für die Mitarbeitenden zu erkennen? Und wie können wir die Effizienz oder die Wirkung eines New Work-Modells erfassen? Möglichst zu einem Zeitpunkt, an dem sich Effekte, sprich zukünftige Ergebnisse, noch ändern lassen, bevor sie messbar oder in der Betriebswirtschaftlichen Auswertung sogar schwarz auf weiss sichtbar werden. Eine Möglichkeit ist, mit dem QUANT-Modell die Entfaltung der vier zentralen Energien im Unternehmen zu analysieren und so zu erkennen, wie sich vor allem die Quellenergie im Laufe der Zeit in der neuen Organisationsform verändert.

Die Ursprungskraft nutzen

Die Quellenergie ist die eigentliche Ursprungskraft in jedem Unternehmen. Sie ist die Grundlage für Sinnhaftigkeit und Innovation. Ausserdem gibt sie Aufschluss darüber, welche Möglichkeiten es für Mitarbeitende gibt, den gewohnten Rahmen und damit auch die eigene Komfortzone zu verlassen sowie bislang bestehende Grenzen zu überschreiten, um eigene Entscheidungen zu treffen. Und sie ist Ausdruck dafür, wie sich die Mitarbeitenden mit ihrer persönlichen Begeisterung einbringen können.

Abhängig von den Rahmenbedingungen gibt es viele Unternehmen, die zwar New Work verkünden und in denen die Mitarbeitenden insgesamt viel Potenzial haben, dieses aber aufgrund der Organisationsform oder anderer Faktoren nicht umsetzen können. Ziel von New Work sollte es sein, eine Organisationsform zu schaffen, die diese Entfaltung fördert und ein holistisches Bild des Menschen als Grundlage für die Organisation nutzt.

Die 4 Energien des QUANT-Modells im Überblick:

1) Die Quellenergie

Allem, was wir erschaffen, geht eine Vision voraus. Es kann ein inneres Bild sein, das uns begeistert oder eine Idee, die wir für sinnvoll halten. Die Inspiration dafür entspringt aus der Quellenergie. Ihre Wirkung äussert sich z. B. durch Kreativität, Veränderungsinitiative, «Eingebungen», Begeisterung und Optimismus. Die Quellenergie bewirkt Lebendigkeit und Weiterentwicklung: Sie zieht uns in Richtung Zukunft.

2) Die Umsetzungsenergie

Der Drang «loszugehen», also etwas zu tun und zu erreichen, entspringt aus der Umsetzungsenergie. Dies ist die Energie des Handelns, der Wertschöpfung und der sichtbaren Ergebnisse. Die Umsetzungsenergie äussert sich z. B. in Tatkraft, in Schnelligkeit, Direktheit und Ergebnisorientierung. Die Umsetzungsenergie bewirkt, dass wir unsere Visionen tatsächlich verwirklichen und zu sichtbaren Ergebnissen und Gewinn transformieren.

3) Die analytisch-administrative Energie

Der Wunsch nach Übersichtlichkeit und Ordnung entspringt aus der analytisch-administrativen Energie. Dies ist die Energie der Abläufe, der Routinen und Regeln. Die analytisch-administrative Energie äussert sich in Logik, Messbarkeit und Strukturierung, und bewirkt, dass Dinge (auf dem sichersten, effizientesten Weg) dauerhaft gleich geschehen können.

4) Die Nähe- und Beziehungsenergie

Die Wahrnehmung und Integration zwischenmenschlicher Verbindungen und Gefühle entspringen aus der Nähe- und Beziehungsenergie. Dies ist die Energie der Menschlichkeit, der Beziehungen und des persönlichen Umgangs miteinander. Die Nähe- und Beziehungsenergie äussert sich in Mitgefühl, Gemeinschaftssinn und der Beschäftigung mit persönlichen Bedürfnissen. Sie bewirkt, dass wir auf soziale Weise ergänzend zusammenarbeiten können.

Was bewirkt die Umstellung zu New Work?

In den bisher begleiteten Projekten stellen wir immer wieder fest, dass es einen enormen Motivationsschub bei den Mitarbeitenden geben kann, wenn sie in eine neue Organisationsform kommen. Dabei ist auffallend, dass die Umstellung auf das neue Modell und die Nachhaltigkeit der Begeisterung von einem zentralen Punkt beeinflusst wird: Wie bewusst sind sich die Mitarbeitenden über ihre eigenen inneren Themen? Besteht eine Reflexion und gibt es Hilfsmittel zur Innenarbeit? Innenarbeit bedeutet, dass die «Schuld» (die es ohnehin nicht gibt) nicht im Aussen gesucht wird, sondern Hindernisse, Probleme und Blockaden als Spiegelung eines inneren Themas verstanden werden. Das heisst also, je bewusster die Menschen im Unternehmen sind, desto leichter können New Work-Modelle umgesetzt werden. Weitere zentrale Punkte bilden die Attraktivität der Vision und die Sinnhaftigkeit für die Mitarbeitenden.

Was braucht es also, um ein Team mit Freude auf die Reise zu New Work mitzunehmen? Wie gelingt es, Strömung und Sogwirkung zu nutzen, statt mühsam zu ziehen? Die Antwort darauf lautet: Bewusstsein und eine energetische Unternehmensentwicklung für neue Wege, Fülle und Wachstum statt gewöhnlicher Motivationsmethoden und Lösungsversuche. In New Work wird die Quelle der eigenen Kraft und Energie zur Quelle im Unternehmen, welche Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeitende gleichermassen mit Energie und Leichtigkeit erfüllt. Aus Engpässen werden Chancen, Blockaden werden aufgelöst und Kräfte freigesetzt. Es ist ein gemeinsamer Weg, der zu einem wertschätzenden, fokussierten Miteinander führt. Wirtschaftlicher Erfolg und Wachstum (und hier sprechen wir vor allem von qualitativem Wachstum) sind die logische Folge. New Work wird zum New Normal.

Kommentieren0 Kommentare
Christoph Döhlemann

Christoph Döhlemann ist Unternehmer und Initiator des QUANT-Modells®. Seit 1996 begleitet er Unternehmer und Führungskräfte dabei, sich von innen heraus zu stärken und so den Herausforderungen der Zukunft kraftvoll zu begegnen.

Weitere Artikel von Christoph Döhlemann

Kommentieren

Das könnte Sie auch interessieren