Adventsserie 2020: Corporate Learning

Wissen oder Können! Was ist hier die Frage?

Könnte es sein, dass der reine Wissenserwerb die Grundlage für kompetenz-orientiertes Lernen darstellt? Wenn dem so ist, werden Organisationen ihr Konzept vom Lehren und Lernen überdenken müssen, wenn sie Könnerinnen statt (Besser)Wisserinnen in ihren Reihen haben wollen.

Kehren wir nochmal in unsere Kindheit zurück: Alles, was wir uns lernend erschlossen, diente dazu, Dinge zu bewerkstelligen, die uns bis dahin nicht möglich waren. Wir wollten an höhergelegene Gegenstände kommen und lernten, uns an Wänden, Schränken oder Tischen aufzurichten. Wir wollten wie die Grossen den Spinat auf dem Löffel in den eigenen Mund befördern und lernten durch Imitation und Ausprobieren. Stets ging es darum, Willen via Handlung in Können zu überführen. Nie um reines Wissen.

Der Anfang vom Ende

Sie ahnen es schon: Auch das ist spätestens mit dem Eintritt in die Schule vorbei. Ab dann geht es in erster Linie um Wissen. Wann die Schlacht bei Issos stattfand. Wie sich der Umfang eines Kreises berechnet. Wie man Partizipialsätze bildet. Weshalb wir das wissen sollten, was sich damit ganz praktisch anfangen lässt, welchen möglichen Transfer es dazu in unsere Lebensrealität gibt, spielt für die Bildung dabei keine Rolle.

Für diejenigen, die sich im Anschluss an die Schullaufbahn einer Hochschule anvertraut haben, geht es nahtlos so weiter. Einzig Absolventinnen einer Berufslehre oder einer Fach(hoch)schule durften sich ein wenig anwendungsnäher bilden lassen. Dennoch trug uns allen die lange Zeit in Schulbänken ein tief verwurzeltes Lernverhalten ein, das wir automatisch an den Tag legen, wenn wir uns in offizielle Lehrkontexte versetzt sehen.

Klammer auf: Haben wir ein Hobby oder eine selbstgewählte Nebenbeschäftigung, für die wir wirklich brennen, dann lernen wir in der Regel ganz anders – leichter, selbstbestimmt und aktiv. Was sagt uns das über unseren Beschäftigungskontext, in dem wir zum Lernen angehalten werden müssen? Klammer zu.

Neubeginn

Beim Lernen in Organisationen ist das Erlangen von reinem Wissen nur die halbe Miete – höchstens. Wissen bildet allenfalls die Grundlage für neues, anderes, vielleicht besseres Handeln. Und in Organisationen geht es um das Handeln. Sei es bei der Produktentwicklung, im Vertrieb oder im Kundendienst. Wissen wie das geht hilft nicht, wenn man es nicht tut.

Sieht man sich jedoch Trainings in Unternehmen an, so wird in erster Linie Wissen vermittelt und abgefragt. In alter Schulmanier also. Und dann – der Regel nachgelagert – wird noch an den Know-how-Transfer gedacht, der – häufig in Form einer weiteren Wissensabfrage daherkommend – tatsächlich wenig Einbettung in den Arbeitskontext bietet.

Weshalb kehren wir nicht gedanklich in die Welt der Kindheit zurück und versuchen ein Setting zu schaffen, in dem es darum geht, Willen via Handlung in Können zu überführen? Unterstützt und begleitet von der Trainingsabteilung . So lassen sich verschiedene Ergebnisse ansteuern. Zum Ersten müssten die Menschen einen Willen entwickeln, also ihre Ziele analysieren. Sodann gälte es herauszufinden, welche Handlungsfertigkeiten anzustreben sind, um die notwendigen Kompetenzen zu entwickeln, um sich diese schliesslich im direkten Anwendungskontext selbstorganisiert und sinnvollerweise vernetzt anzueignen.

Der nächste Artikel der Adventsserie 2020 zum Thema «Corporate Learning» erscheint am 16. Dezember. Darin geht es um Lerngelegenheiten, die bestenfalls arbeitsplatznahes Lernen ermöglichen.

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Martin Geisenhainer

Mit seiner Firma Participation.Rocks unterstützt Martin Geisenhainer Organisation bei der Einführung partizipativer Lern- und Arbeitsformen. Zudem ist er Founder und Mitorganisator des Swiss Social Collaboration Summit und lizensierter Working Out Loud Coach.

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