Agentic AI im HR: Ein struktureller Wandel beginnt
Künstliche Intelligenz im HR erreicht einen neuen Entwicklungsschritt: Systeme handeln zunehmend selbstständig. Damit geraten Prozesse, Rollen und Organisationsmodelle gleichzeitig in Bewegung.

Bild: zVg
Nach dem Hype: die nächste Stufe der KI
Im HR wird über KI anders gesprochen als noch vor einem Jahr. Damals stand generative KI im Mittelpunkt, etwa wenn sie bei der Erstellung von Stellenanzeigen unterstützt hat. Nun ist Agentic AI in den Fokus gerückt.
Der Unterschied zeigt sich dabei im Verhalten der KI: Generative KI wartet auf Eingaben, während KI-Agenten eigenständig ein Ziel verfolgen, Entscheidungen treffen und laufend dazu lernen. KI wird damit vom Hilfsmittel zu einem System, das sich aktiv an der Zielerreichung beteiligt.
Agentic AI wirkt nicht nur auf einzelne Abläufe, sondern zugleich auch auf die Organisationslogik dahinter. Wenn operative Arbeit automatisiert läuft, Wissen jederzeit abrufbar ist und Abstimmungen systemisch erfolgen, verliert die klassische Arbeitsteilung an Bedeutung. Dadurch verschieben sich Aufgaben, Zuständigkeiten und die Wege, wie Entscheidungen fallen.
Wo das 3-Säulen-Modell an Grenzen stösst
Das 3-Säulen-Modell prägt viele HR-Organisationen seit über zwanzig Jahren. Business Partner, Center of Excellence und Shared Services sollten vor allem Standardisierung und Skalierung ermöglichen und HR zugleich strategischer positionieren. Viele Organisationen haben damit an Struktur und Effizienz gewonnen.
Mit der Zeit zeigen sich allerdings Nebenwirkungen. Die starke Arbeitsteilung sorgt dafür, dass Prozesse in Einzelteile zerfallen. Jeder Teil hat eine klare Zuständigkeit, doch zusammengeführt wird am Ende selten. Im Organigramm sieht das aufgeräumt aus. Im Alltag entstehen die Reibungsverluste genau an den Übergängen.
Ein Organisationsmodell entlang der Wertbeiträge
Das neue Modell orientiert sich weniger an funktionaler Trennung als viel mehr an Wertbeiträgen. Dabei stehen zwei Dimensionen im Zentrum: Performance & Orchestration und Strategy & Transformation.
Performance & Orchestration steuert dabei das gesamte HR-System. Standardisierte Vorgänge laufen weitgehend automatisiert, und Menschen greifen dort ein, wo Fälle komplex oder kritisch werden.
Transformation bekommt in diesem Modell einen eigenen Platz. Unter Strategy & Transformation laufen Organisationsentwicklung, Workforce-Transformation und Skill-Management zusammen. Transformation wird damit zu einer zentralen Aufgabe von HR.
Mit dieser Verschiebung verändert sich auch das Rollenverständnis:
- Der Business Partner löst sich von Koordination und Schnittstellenarbeit. Er setzt gezielt Impulse und begleitet Transformation aktiv. Seine Arbeit dreht sich stärker um komplexe Fragen als um laufende Abstimmung.
- Im Center of Excellence fallen Konzeption und Umsetzung nicht mehr so klar auseinander. Wer dort arbeitet, trägt Systeme, Prozesse und Inhalte durchgehend mit.
- Shared Services verlagern ihren Schwerpunkt ebenfalls. Standardisierte Anfragen und Transaktionen laufen zunehmend automatisiert. Die Teams übernehmen dann Steuerung, Qualitätssicherung und die Ausnahmefälle.
Mehr Produktivität, aber wofür?
Mit Agentic AI sind deutliche Produktivitätsgewinne in Sicht. Prozesse werden schneller, Entscheide stützen sich stärker auf Daten und standardisierte Arbeit lässt sich leichter skalieren. Daneben öffnen sich Spielräume für persönlichere Erlebnisse von Mitarbeitenden und für eine breiter verfügbare Beratung.
HR hat sich lange über Effizienz und Kosten definiert. Jetzt entsteht neuer Handlungsspielraum in der Entwicklung der Organisation, in Transformationsthemen und in strategischen Projekten. Der Mehrwert von Agentic AI liegt damit weniger in der Automatisierung selbst als darin, wie Unternehmen die dabei gewonnene Zeit einsetzen.
Eine Chance für das Selbstverständnis von HR
Agentic AI ist weniger ein Technologieprojekt als vielmehr ein Anlass, HR grundlegend neu auszurichten. Prozesse, Rollen und Organisationsmodelle verändern sich, und damit auch die Rolle von HR im Unternehmen. Offen ist deshalb nicht, ob dieser Wandel kommt, sondern wie aktiv man ihn gestaltet.
Welche Prozesse in Ihrer HR-Organisation sind heute bereits agentenfähig? Welche neuen Rollenprofile entstehen? Wie setzen Sie die gewonnenen Freiräume strategisch ein? Von Ihren Antworten auf diese Fragen hängt ab, welche Rolle HR in der nächsten Entwicklungsstufe der Organisationen einnimmt.
Video-Tipp: Im Ask-the-expert-Interview zu «Agentic AI & HR im Fokus» können Sie das Thema jederzeit weiter vertiefen.
tts digital HR experts – an HR Path company
Suchen Sie einen Partner, der dank langjähriger Umsetzungserfahrung HR und IT aus ganzheitlicher Perspektive denkt? Gemeinsam entfalten wir das volle Potenzial von Digital HR – von der Strategie über das Prozessdesign bis hin zur Implementierung und dem Betrieb der HR-Systeme.