Forschung

«Bad Bosses», Anerkennung und Arbeitskräftemangel

Eine Kurzübersicht zu aktuellen Studien zum Thema Arbeit. Dieses Mal: Schlechte Chefs, Anerkennung und Fachkräftemangel.

1.  Schlechte Chefs und Kündigungen

Flache Cartoon-Illustration auf gelbem Hintergrund: Ein sichtlich verärgerter Mitarbeiter sitzt mit wütender Miene und Dampf über dem Kopf an seinem Schreibtisch, während im Hintergrund eine lächelnde Person mit Hut in der Hand durch eine Tür eintritt — oder das Büro verlässt.


Der sogenannte «Bad Bosses Report» von LiveCareer beginnt mit einem arbeitspsychologischen Leitsatz: «Mitarbeitende verlassen ihre Vorgesetzten, nicht Unternehmen». Dafür wurden 1000 Mitarbeitende aus fünf europäischen Ländern befragt. Die Ergebnisse sind bitter: Fast ein Fünftel der Befragten hat eine Arbeitsstelle bereits wegen eines schlechten Chefs verlassen. Mehr als doppelt so viele – also über 40 Prozent – hätten darüber bereits «ernsthaft nachgedacht».

Doch es kommt noch dicker: Über 75 Prozent der Befragten gaben an: Toxische Führungspersönlichkeiten seien Unternehmensalltag. Wer glaubt, dass sich das beheben lässt, wird von der folgenden Zahl ernüchtert sein: Gerade einmal 6 Prozent der schlechten Chefs verbessern sich durch Coachings, und fast die Hälfte der schlechten Chefs wird trotz mangelnder Führungskompetenzen befördert.

Die bitterste Pille für HR-Profis: Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, sie würden sich nicht trauen, das in der Personalabteilung anzusprechen. Die Angst vor Karriereschäden ist dafür schlicht zu gross. Die halb-gute Nachricht: Fast die Hälfte der Befragten gaben an, in ihrer Karriere guten Chefs begegnet zu sein. Aber auch bei ihnen ist die Meinung gemacht: Fast drei Viertel halten toxische Bosse dennoch für ein Problem. Das gibt zu denken.

Die vollständige Studie finden Sie hier.


2. So wichtig ist Anerkennung im Job

Flache Cartoon-Illustration auf gelbem Hintergrund: Ein Vorgesetzter im Anzug legt einem sitzenden Mitarbeiter am vollgestapelten Schreibtisch anerkennend die Hand auf die Schulter; beide zeigen einen Daumen hoch, über dem Vorgesetzten schwebt eine Gedankenblase mit einem goldenen Stern als Symbol für Wertschätzung.


O.C. Tanner, ein Unternehmen, das sich auf Software spezialisiert hat, die sich mit Mitarbeitendenzufriedenheit befasst (die Resultate sind darum durch diese Linse zu lesen), hat über 4000 Mitarbeitende in zehn Ländern befragt, inklusive Fokusgruppen mit Leadern, Angestellten und HR-Profis. Anerkennung im Job – was ein Selbstzweck sein kann und auch sein soll – hat reale Auswirkungen.

Die gute Nachricht zuerst: Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, ihr Unternehmen würde in puncto Anerkennung gut funktionieren, und rund 60 Prozent gaben an, in den letzten 30 Tagen Anerkennung erhalten zu haben – ob das eine genügende oder schlechte Zahl ist, müssen Sie entscheiden.

Falls Sie ökonomische Argumente brauchen, um Anerkennung im Job durchzusetzen: Ist Anerkennung im Unternehmen integriert, vergrössert sich die Wahrscheinlichkeit diverser Effekte. Etwa erhöht sich die Chance um Faktor 12, dass Mitarbeitende hohes Vertrauen ins Unternehmen haben. Ebenfalls zwölfmal wahrscheinlicher ist es, dass Mitarbeitende auch in einem Jahr noch in Ihrem Unternehmen arbeiten möchten. Elfmal höher sei auch die Chance, so O.C. Tanner, dass Mitarbeitende sehr gute Arbeit leisten.

Auf Menschen zentrierte Integration von Anerkennung erhöhe – und das ist eine beeindruckende Zahl – die Chance mal 21, dass Mitarbeitende persönlich engagiert sind, wenn es um den Erfolg des Unternehmens geht.

Die vollständige Studie finden Sie hier.


3. Zum Stand des Arbeitskräftemangels

Düstere Cartoon-Illustration auf gelbem Hintergrund: Ein verlassener, verrotteter Büroschreibtisch mit einem verstaubten Telefon, einer verwelkten Pflanze, Spinnweben und zerstreuten Akten auf dem Boden; auf einer Zeitung am Boden ist die Schlagzeile «Factory Closure Announced» zu lesen — symbolisches Bild für einen unbesetzten Arbeitsplatz oder wirtschaftlichen Niedergang.

Das Magazin «Die Volkswirtschaft», herausgegeben vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), fasst gleich mehrere Forschungsergebnisse zum allgegenwärtigen Thema Arbeitskräftemangel zusammen. Sie kommt etwa zum Schluss, dass die Schweiz im Vergleich zu ihren Nachbarländern, gemessen an Vakanzen, den Fachkräftemangel besser navigiert.

Obwohl das Thema Demografie und Migrationspolitik einige paradoxe Effekte parat hält, kommt «Die Volkswirtschaft» zum Schluss: «Ohne Zuwanderung wäre das grosse Stellenwachstum in der Schweiz in den letzten 20 Jahren schlicht nicht möglich gewesen». Ein anderes Thema, das in letzter Zeit die Gemüter erhitzt: Teilzeitarbeit.

Obwohl statistisch mehr Männer Teilzeit arbeiten als noch früher, wertet «Die Volkswirtschaft» das nicht als Problem für den Fachkräftemangel: Der Trend ginge mit «einer Umverteilung der Erwerbsarbeit in Paarhaushalten und einer Pensenerhöhung bei Frauen» einher. Spannend: Während das Arbeitsvolumen von Paarhaushalten ohne Kinder stabil geblieben ist, sei hingegen jenes von Paarhaushalten mit Kindern sogar gestiegen. 

Die vollständige Studie finden Sie hier. (rs)

Kommentieren 0 Kommentare HR Cosmos
Weitere Artikel von HR Today Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren