HR Today Nr. 6/2019: Episode 5 – Wehe dem, der Fehler macht...

Die EGO AG – Folge 5

Ines Perfekt ist mit den Administrationsaufgaben ihres Chefs und der anderen Abteilungen sowie ihren zusätzlichen Aufgaben zusehends überfordert – und erhöht gar ihr Arbeitspensum. Dies hat fatale Folgen.

Was nach dem Softwaredesaster passierte: Max Nerd und Kurt Erbsenzähler gehen sich aus dem Weg. Die IT- und die Finanzabteilung haben sich zu feindlichen Lagern entwickelt und die Mitarbeitenden haben sich mit ihren jeweiligen Chefs solidarisiert. Es findet fast kein Austausch mehr zwischen den beiden Abteilungen statt. Zwar funktioniert die eingeführte Finanzsoftware nach dem Ausmerzen der Kinderkrankheiten, doch Alexander Gross bemerkt nichts vom Unfrieden in seiner Firma. Frau Heile Welt spürt diese Spannungen, verdrängt sie aber, denn das Geschäft läuft ja. Aus ihrer Sicht gibt es keinen akuten Handlungsbedarf.

Ines Perfekt gerät mit den Administrationsaufgaben ihres Chefs und der anderen Abteilungen sowie ihren zusätzlichen Aufgaben immer mehr unter Druck. Sie glaubt, sie bekomme es schon irgendwie hin und erhöht ihr Arbeitspensum permanent. Diese Situation hält schon seit vier Jahren an. Doch Ines Perfekt kann nicht «Nein» sagen oder ihre Überforderung kommunizieren. In den letzten Wochen macht sie immer wieder gravierende Fehler: Flüge wurden falsch gebucht, Termine wurden vertauscht und Meetings falsch kommuniziert. Alexander Gross, der davon am meisten betroffen ist, reagiert sofort und übergibt Hildegard Kaffeeklatsch seine Reise- und Terminplanung sowie die des Führungsteams. Diese freut sich sehr über das Vertrauen und die wichtige Aufgabe, die sie mit dieser Arbeitsverlagerung erhält. In den Augen des CEO ist Hildegard mit ihrer Rezeptionistenrolle sehr unterfordert. Er fragt sie oft spöttisch, warum sie für das bisschen «Hallo sagen» so viel Geld verdient. Aus seiner Sicht ist sie die Unproduktivste im Unternehmen.

Ines zerfleischt sich seit Wochen innerlich und durchlebt ihre Fehler immer und immer wieder. Durch das Wegnehmen ihrer Arbeit, was ohne Vorbereitung und ohne Personalgespräch erfolgt, erleidet sie einen Kontrollverlust. Sie glaubt, dass sie bald gehen muss, weil sie versagt hat. Voller Neid schielt sie zur Konkurrentin, bei der nun alle Kollegen ein- und ausgehen. Sie katapultiert sich vom Mittelpunkt der Firma in eine Randposition.

Hildegard Kaffeeklatsch hingegen geniesst die Aufmerksamkeit, die sie durch diese neue Rolle erhält. Es macht ihr einen Riesenspass, der Dreh- und Angelpunkt der Firma zu sein. Sie kann sich nicht vorstellen, diese Aufgaben und den damit verbundenen Status wieder aufzugeben. Deshalb macht sie Ines hintenherum schlecht und streut das Gerücht, Ines hätte ein Burnout und wäre wohl nicht mehr lange im Unternehmen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie alles übernehme und die Fäden in der Hand halte.

Diese Gerüchte erreichen auch Herr Gross und Frau Heile Welt. Spöttisch tun diese sie mit einem Lächeln ab. Auch Ines bekommt diese Aussagen zu hören. Sie fühlt sich verletzt und igelt sich immer mehr ein. Dann wird sie tatsächlich krank.

Was löst die Überforderung bei Ines Perfekt aus und welche Kreise zieht sie?

  • Ines Perfekt will beweisen, was sie kann, und möchte sich nicht eingestehen, dass sie überfordert ist. Sie hat Angst vor einer daraus resultierenden Abwertung. Im Hause EGO AG gibt es keine Schwächen.
  • Ines Perfekt werden ohne Informationen wichtige Teile ihrer Arbeit weggenommen. Sie erlebt einen Kontrollverlust.
  • Frau Kaffeeklatsch wird ohne Information mit Mehrarbeit beglückt. Sie erhält die Aufmerksamkeit, die sie sich immer gewünscht hat.
  • Die Gerüchteküche brodelt und keiner berichtigt oder bereinigt die Gerüchte.
  • Intrigen nehmen ihren Lauf.
  • Die Kernbotschaft dieser Episode: Wer Fehler macht, wird sofort bestraft oder hat keinen Platz in der EGO AG.

Wie hätte man es besser lösen können?

  • Plötzlich so viele Fehler? Was ist bei ihr los?
  • Überforderung ist ein grosses Thema im Unternehmen. Dauerhafte Überstunden müssen unter die Lupe genommen werden.
  • Probleme und Fehler sollten angesprochen werden, der Mitarbeitende muss wissen, wo er steht.
  • Herabstufungen und Beförderungen sollten zuerst intern besprochen und der Betroffene sollte dann über die Hintergründe informiert werden.
  • Klatsch und Tratsch sind ernst zu nehmen.
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