HR Today Nr. 6/2019: Fokus Forschung

Bitte helfen, aber nicht ungefragt!

Dass sich Mitarbeitende gegenseitig unterstützen, wird in Organisationen gefordert. Reaktives Verhalten hingegen wird weniger toleriert. Eine Studie der Michigan State University zeigt nun, dass unaufgefordertes Helfen auch negative Auswirkungen haben kann.

Um herauszufinden, wie sich das einander Helfen in einer Organisation unter Arbeitskolleginnen und -kollegen oder Mitarbeitenden und Vorgesetzten auf die Dankbarkeit, das Wohlbefinden und das Engagement bei der Arbeit auswirkt, befragte eine Forschergruppe der Michigan State University 54 Arbeitnehmende unterschiedlicher Branchen mittels Fragebogen. Dabei unterschieden die Forschenden proaktives und reaktives Helfen. Ersteres definierten sie als «Helfen, ohne spezifisch danach gefragt zu werden», während sie reaktives als solches Helfen klassierten, «wofür man spezifisch angefragt wird».

Um die Perspektive der Hilfeempfangenden und der Hilfeleistenden abzubilden, wurden die Studienteilnehmenden instruiert, an eine Situation zu denken, in der sie (a) ungefragt Hilfe erhalten hatten, (b) auf ihre Anfrage hin Hilfe erhalten hatten, (c) ungefragt Hilfe geleistet oder (d) auf Anfrage hin Hilfe geleistet hatten. Im Anschluss daran wurden sie aufgefordert, ihre Gedanken und Gefühle bezüglich der vorgestellten Situation zu beschreiben.

Die Ergebnisse der Studie zeigten Folgendes:

  • Proaktives und reaktives Helfen wirken sich unterschiedlich auf Hilfeempfangende und Hilfeleistende aus.
  • Reaktives Helfen führt beim Hilfeempfänger gegenüber dem Hilfeleistenden eher zu Dankbarkeit als proaktives Helfen.
  • Verspürt der Hilfeleistende Dankbarkeit, führt dies zu erhöhtem Wohlbefinden und Engagement bei der Arbeit.
  • Proaktives Helfen kann dazu führen, dass sich der Hilfeempfangende inkompetent fühlt.

Daraus resultierend sollten Unternehmen:

  • Proaktives Verhalten nicht als das «Mass aller Dinge» proklamieren, sondern eine Diskussion darüber führen, inwiefern proaktives Verhalten von Mitarbeitenden eingefordert werden soll.
  • Eine Unternehmenskultur schaffen, in der Mitarbeitende aktiv um Hilfe bitten können, falls sie diese benötigen.
  • Eine Unternehmenskultur und Möglichkeiten schaffen, in der Mitarbeitende ihre Dankbarkeit für geleistete Hilfe ausdrücken können. Das kann beispielsweise in einer Führungskräfteausbildung thematisiert werden.
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Sandra Furrer, wissenschaftliche Assistentin am Zentrum für Human Ressource Management, Universität Luzern

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