Online lernen: Von der Notlösung zum «Neuen Normal»

Die Corona-Pandemie hat auch die berufliche Weiterbildung verändert: Nebst dem Arbeiten im Homeoffice waren auch Schulungen im virtuellen Raum möglich. Auch das Lernen der Zukunft wird einen hybriden Charakter haben.

Weil Präsenzunterricht insbesondere zu Beginn der Corona-Pandemie nicht möglich war, wurde Online-Lernen zur (Not-)Lösung. Lern- und Videoplattformen, Foren und Kollaborationstools stellen mittlerweile eine Bereicherung der Weiterbildung dar – unter anderem, weil sich der Fokus weg vom Trainer hin zu den Teilnehmenden verschoben hat. Sie werden viel stärker als beim «klassischen» Lernen dazu animiert, ihre Lernprozesse selbst zu organisieren und zu gestalten. Zudem rückt online das gemeinschaftliche Lernen stärker in den Fokus, bei dem das Wissen für alle zugänglich im Netz gespeichert ist.

Nun sind neue Arrangements gefragt. Die folgenden sechs Tipps helfen bei der Umsetzung eines hybriden Lernsettings:

1. Digital-Technik ermöglicht neue Weiterbildungskultur

HR-Verantwortliche sollten beim Organisieren von Weiterbildungen vermehrt auf sogenannte Online-Nuggets setzen. Sprich: Lernblöcke von 1,5 bis 2 Stunden. Diese lassen sich gut in den Arbeitsalltag integrieren. Deshalb können sie nicht nur für kurzfristige Lernbedürfnisse genutzt werden, sondern lassen sich auch in längerfristige Entwicklungsmassnahmen integrieren.

Zudem sind statt der gewohnten Tagesseminare verstärkt Weiterbildungen gefragt, die synchrone (Präsenz- und Live-Online-Veranstaltungen) und asynchrone Elemente (Vorbereitungs- und Nachbereitungsarbeiten) verknüpfen. Sie machen aus dem Einmal-Event einen Lernprozess, der meist nachhaltiger wirkt.

2. Co-Moderatoren einsetzen bei hybriden Veranstaltungen

Inzwischen habe viele Unternehmen und Tagungshotels in Technik für hybride Meetings und Seminare investiert, bei denen einige Teilnehmende live im Seminarraum und andere zu Hause oder im Betrieb vor dem Monitor sitzen. Der zeitliche Ablauf sollte sich an den virtuell Teilnehmenden ausrichten, weil beim Online-Lernen die Aufmerksamkeitsspanne kürzer ist.

Ist in hybriden Veranstaltungen Gruppenarbeit geplant, steigen die Anforderungen an die Referenten: die Gruppen vor Ort und die virtuellen Gruppen müssen parallel betreut werden. Dafür eignen sich Co-Moderatoren. Diese können sich Aufgaben wie die Betreuung der Präsenz- und Online-Gruppen, Inputs-geben und technische Probleme lösen aufteilen.

3. Trainieren mit virtueller Realität

Beim Üben von Arbeitsschritten punkten zunehmend Simulationstrainings mittels virtueller Realität, was die Handlungssicherheit erhöht – beispielsweise beim Bedienen von Maschinen. Da muss meist jeder Handgriff sitzen. An einer entsprechenden Schulung können die Teilnehmende dank VR-Brille sorglos üben. Ausserdem haben VR-Brillen und die dazugehörigen Weiterbildungsprogramme den Vorteil: Sie können nach der Anschaffung immer wieder verwendet werden – ohne lange Planung.

4. Der Mensch im Fokus und Förderung der Eigenverantwortung

Stellen Sie beispielsweise den Teilnehmenden einige Tage vor der Weiterbildung kurze Einstimmungsaufgaben und Videos zur Verfügung. So sind sie bereits im Thema drin.

Weiterbildner müssen sich zudem der sozialen und emotionalen Aspekte einer netzgestützten Zusammenarbeit bewusst sein. E-Learning ist nicht nur ein technischer Prozess, es geht darum, Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen – auch wenn es darum geht die erforderlichen Fähigkeiten für selbstorganisiertes Lernen zu entwickeln.

5. Netiquette und lernförderliches Klima

Das Netz ist mittlerweile voll mit Fauxpas aus Video-Konferenzen mit eher ungünstigen Hintergründen von dreckigem Geschirr oder Wäschebergen. Deshalb stellen inzwischen viele Firmen ihren Mitarbeitenden gebrandete virtuelle Hintergründe zur Verfügung.

Generell gilt: Beim Online- und hybriden Lernen werden auch die Beziehungen über die digitalen Kanäle gepflegt. Das erfordert ausser wechselseitigem Respekt das Einhalten gewisser Regeln. Etablieren Sie deshalb in Ihrem Unternehmen eine Netiquette, die eine offene, vertrauensvolle Kommunikation fördert. Dies begünstigt gleichzeitig das Lernklima.

6. Lernzeit als Arbeitszeit anerkennen

Lernen darf nicht zur Nebenbei-Beschäftigung verkommen. Deshalb sollte Lernzeit seitens der Unternehmen als solche anerkannt, zur Verfügung gestellt und zur Arbeitszeit gezählt werden. Das bezieht sich nicht nur auf die Zeiten, die die Teilnehmenden synchron mit einem Trainer verbringen, sondern auch ihre asynchronen Vorbereitungs- und Nachbereitungszeiten.

Lernen braucht ausserdem Zeit und Ruhe – digital oder analog. Meist entscheiden sich Mitarbeitende, wenn sie die Wahl haben, dafür, Online-Weiterbildungen im Homeoffice zu absolvieren, denn hier können sie sich ihre Lernumgebung individuell gestalten.

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Sabine Prohaska

Sabine Prohaska ist Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmen seminar consult prohaska in Wien.

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