Mehr als Sensibilisierung

So schafft HR eine sichere Arbeitswelt

HR-Abteilungen und Sicherheitsbeauftragte haben die anspruchsvolle Aufgabe, Mitarbeitende nicht nur für Gefährdungen zu sensibilisieren, sondern auch präventive Massnahmen wirksam umzusetzen und die gesamte Organisation auf ein hohes Sicherheitsniveau zu bringen. 

Ein zentraler Bestandteil moderner Unfallprävention ist die digitale Erfassung von sicherheitsrelevanten Vorfällen. Mithilfe digitaler Meldeprozesse können Unfälle, Beinahe-Unfälle oder potenzielle Gefährdungen sofort dokumentiert und ausgewertet werden. Dies schafft Transparenz, beschleunigt die Reaktion auf Risiken und liefert wertvolle Daten für die Definition von Massnahmen und Sicherheitszielen für die Zukunft.

Individuelle digitale Lösungen für Reporting und Analyse helfen Unternehmen, Trends zu erkennen und Risiken zu priorisieren. HR erhält so die Möglichkeit, gezielt Präventionsmassnahmen zu planen und umzusetzen. Besonders in komplexen, dezentralen oder mobilen Arbeitsumgebungen sind digitale Prozesse entscheidend, um Sicherheitsstandards einzuhalten und Unfallzahlen nachhaltig zu reduzieren.

Zitat von Patrick Wegman: «Die reine Analyse von Risiken reicht nicht aus. Mitarbeitende müssen kontinuierlich für Sicherheitsthemen sensibilisiert werden.»


Zusätzlich können HSE-Audits, Unfallabklärungen und Gefährdungsermittlungen Schwachstellen im Sicherheitsmanagement aufzeigen, Prozesse optimieren und präventive Massnahmen frühzeitig implementieren. In der Praxis bedeutet dies beispielsweise, dass Mitarbeitende, die häufig unterwegs sind, gezielt geschult werden, potenzielle Unfallquellen zu erkennen und sofort zu melden. Hierzu eignen sich Meldeprozesse, die einfach und intuitiv sind, damit sie auch tatsächlich genutzt werden – beispielsweise via QR-Codes oder Apps. Die gleichen Methoden sollten nicht nur für Feststellungen, sondern auch bei Unfällen oder Beinahe-Unfällen angewandt werden können.

Kommunikation und praxisnahe Schulungen


Die reine Analyse von Risiken reicht nicht aus. Mitarbeitende müssen kontinuierlich für Sicherheitsthemen sensibilisiert werden. Eine sichtbare und fortlaufende Kommunikation – sowohl digital als auch vor Ort – ist daher essenziell. HR-Abteilungen und Sicherheitsverantwortliche können beispielsweise über Newsletter, Intranet oder Aushänge auf aktuelle Sicherheitsmassnahmen hinweisen, aber auch kurze Schulungsvideos oder interaktive Module einsetzen, um die Aufmerksamkeit hochzuhalten.

Praxisnahe Schulungen sind ein weiteres Schlüsselelement der Prävention. Dazu gehören beispielsweise:

  • Erste-Hilfe-Kurse: vom Basiskurs bis zu weiterführenden Ausbildungsangeboten inklusive Reanimation (BLS-AED). Solche Kurse sollten möglichst nicht nur für interne und vor Ort anwesende Betriebssanitäterinnen und Betriebssanitäter angeboten werden, sondern auch für Mitarbeitende im Aussendienst oder im Homeoffice. Sie brauchen mindestens ein Grundlagenwissen, beginnend bei der Alarmierung.
  • Evakuationsübungen: realistische Szenarien, die das Verhalten im Notfall trainieren – und zwar auf die jeweiligen Gebäude und vor allem auch auf die jeweilige Schicht ausgerichtet. Nachts fehlen beispielsweise die Evakuationshelferinnen und Evakuationshelfer aus der Verwaltung. Evakuationskonzepte und -übungen müssen solchen Umständen Rechnung tragen.
  • Ergonomie- und Mental-Health-Schulungen: Förderung der körperlichen und psychischen Gesundheit, inklusive Tipps und konkreten Massnahmen zu Arbeitsplatzgestaltung, Pausenmanagement und Stressbewältigung. Hierzu werden detaillierte Arbeitsplatzanalysen benötigt, und ausgewertete Daten zu Unfällen, Beinahe-Unfällen, Krankheitstagen oder Performance-Zahlen liefern Hinweise.
  • Firmenspezifische Schulungen: Inhalte werden individuell auf die Unternehmensstruktur und identifizierte Gefährdungen abgestimmt. Wer zum Beispiel mit Gefahrstoffen arbeitet, muss nicht nur die sicherheitsrelevanten Aspekte der Lagerung und Anwendung kennen, sondern sollte auch über die passenden Erste-Hilfe-Massnahmen und Gesundheitsrisiken informiert sein.

Solche Massnahmen befähigen Mitarbeitende, nicht nur eigene Risiken zu erkennen und zu vermeiden, sondern auch Kolleginnen und Kollegen aktiv zu unterstützen. Gleichzeitig fördern sie eine Sicherheitskultur, in der Prävention und gegenseitige Verantwortung selbstverständlich sind.

Erste Hilfe für Remote-Mitarbeitende


Auch in Sachen Erste Hilfe verlangen neue Arbeitswelten neue Herangehensweisen. Gemäss Arbeitsgesetz müssen Unternehmen die Erste Hilfe im Betrieb sicherstellen, und dazu gehören ausgebildete Betriebssanitäterinnen und Betriebssanitäter. Arbeiten diese aber allesamt im Homeoffice und sind gar nicht im Betrieb, bringt das wenig und ist rechtlich sogar äusserst heikel. Doch dieses Szenario kann und muss durch gute Planung von Homeoffice- oder von Ferientagen gelöst werden. Auch gibt es Erste-Hilfe-Systeme, die untrainierten Ersthelferinnen und Ersthelfern Unterstützung bieten – beispielsweise mittels direkter Verbindung zur Notrufzentrale, die genau anleiten kann.

Sollte ein Notfall eintreten, während Mitarbeitende allein im Homeoffice arbeiten, ist die Situation besonders heikel. Es sind keine Betriebssanitäter vor Ort. Bei klassischer Büroarbeit im Homeoffice handelt es sich zwar um allein arbeitende Personen, die gemäss Gefährdungsbeurteilung keiner ständigen Überwachung bedürfen. In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass sie bei einer Verletzung oder in einer kritischen Situation genügend mobil und handlungsfähig bleiben, um entsprechend dem betrieblichen Notfallkonzept selbst sofortige Hilfe herbeizurufen (siehe Suva-Merkblatt 44094, Seite 15). Allerdings müssen Menschen an Einzelarbeitsplätzen – zu denen das Homeoffice gehört – auch psychisch, körperlich und intellektuell dafür geeignet sein. So sollten beispielsweise Mitarbeitende mit einer bekannten Kreislaufproblematik nicht allein von zu Hause aus arbeiten.

Quick Wins versus langfristige Unfallprävention


Häufig gibt es «Quick Wins», die mit kleinem Aufwand grosse Verbesserungen erzielen. Ein kurzer Blick von aussen identifiziert solche möglichen Massnahmen oft schnell und effizient.

Mittel- und längerfristig funktioniert die Prävention rund um Arbeitsunfälle und Krankheitsausfälle vor allem dann, wenn digitale Meldeprozesse, gezielte Kommunikation, praxisnahe Schulungen und durchdachte Gesundheitsförderung verknüpft werden. Zu letzterem gehören etwa eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Programme rund um die mentale Gesundheit oder Initiativen rund um Ernährung und Fitness. All dies sind Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitsunfalls oder Krankheitsfalls, die Verletzungsgefahr und auch die Dauer und Qualität der Genesung positiv beeinflussen.

Ganzheitliche Betrachtungsweise und gezieltes Messen


Gezielte Massnahmen liefern häufig rasch erste Effekte, die auch messbar sind. Im besten Fall sind dies reduzierte Unfallzahlen, aber auch eine deutlich höhere Anzahl an gemeldeten Beinahe-Unfällen oder unsicheren Situationen sind positive Effekte solcher Bemühungen. Erkennt das Management in quartalsweisen Auswertungen diese Effekte, ist es auch eher bereit, Mittel für solche Projekte bereitzustellen.

Durch die Verbindung von Schulung, Sensibilisierung, ­Prävention und Intervention rund um Sicherheits- und Gesundheitsaspekte schaffen HR-Abteilungen und Sicherheitsverantwortliche eine Arbeitsumgebung, in der Mitarbeitende flexibel, leistungsfähig und motiviert bleiben und zudem geschützt sind. In modernen, dezentralen Arbeitswelten wird damit eine Kultur der Prävention und Verantwortung etabliert, die nicht nur Unfälle vermeidet, sondern auch Motivation, Bindung und Zufriedenheit der Mitarbeitenden steigert. Die Praxis zeigt, dass Unternehmen, die diese ganzheitliche Strategie umsetzen, sowohl Unfallzahlen senken als auch die Mitarbeitendenzufriedenheit und Produktivität erhöhen.

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Porträt eines lächelnden Mannes mit graumeliertem Haar in schwarzer Jacke mit dem Logo „LIFETECO“ auf der linken Brustseite. Er trägt ein weisses Hemd darunter und steht mit verschränkten Armen vor einem neutralen, hellgrauen Hintergrund.

Patrick Wegmann ist Chairman und  Managing Director der Lifetec AG, die er 2016 übernahm. Lifetec ist spezialisiert auf Health, Safety und Environment (HSE) und bietet Beratung sowie innovative Erste-Hilfe-Systeme und -Schulungen. 

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