Europa Forum Luzern 2016

Spannungsfeld: Arbeitsmarkt und Zuwanderung

In der Kontroverse um Fachkräfte und Zuwanderung forderten die Wirtschaftsvertreter am 31. Europa Forum in Luzern eine konsensfähige Lösung, die Planungssicherheit gebe und den Zugang zu internationalen Arbeitsmärkten weiterhin ermögliche. Sie sahen sich aber auch als Arbeitgeber in der Pflicht, neue Arbeitsmodelle für Alle zu schaffen.

Mehr als 300 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verfolgten am 31. Europa Forum Luzern die unterschiedlichen Rezepte gegen den Fachkräftemangel.

Jürgen Rainalter, CEO Getzner Werkstoffe GmbH, Bürs/AT, sprach über seine Herausforderung, dass es für die Schwing- und Dämpfungsbranche kaum Ausbildungen gebe. Deshalb setze er auf eigene Ausbildungs- und Betreuungsprogramme. Das reiche von der dualen Ausbildung junger Berufsleute über Trainee Programme für Hochschulabsolventen bis hin zu Weiterbildungskursen für Fachspezialisten und Führungskräfte. Pro Mitarbeiter werde pro Jahr durchschnittlich 1‘000 Euro aufgewendet. Als internationales Unternehmen müssten sie jedoch sowohl die verschiedenen Sprachen als auch die verschiedenen Kulturen integrieren.

Arbeitsmarkt im Wandel

Dass Arbeitgeber künftig noch stärker geforderte sind, zeigte Sandra Peiti, Manpower Switzerland, mit ihrer neusten Studie auf: «Der Arbeitsmarkt erfährt eine fundamentale Transformation. Im Jahr 2020 werden vier verschiedene Generationen im Arbeitsprozess stehen. Arbeitgeber sind mit dem demografischen Wandel, neuen Businessmodellen, einem rasanten Technologiewandel und veränderten Ansprüchen der vier Generationen konfrontiert».

Dass grosse Arbeitgeber die Entwicklung erkannt und neue Anreize geschaffen haben, zeigten die CEO’s von ABB Schweiz, Implenia, Pilatus Aircraft, Partners Group, Swisscom und Ypsomed auf. «Top Rahmenbedingungen, attraktive Arbeitsplätze und ein ausgezeichneter Ruf sind entscheidende Faktoren für ABB Schweiz», erläuterte ABB-CEO Remo Lütolf. Denn Innovationen seien nur dank bestens qualifizierten Mitarbeitenden möglich. André Frei, Co-CEO von Partners Gruop ergänzte: «Wir müssen genau das bieten, was wir selbst von einer guten Stelle erwarten. Dazu gehören auch moderne Arbeitsmodelle, um über 50-Jährigen eine Motivation zu geben». Abzuwarten sei die definitive Ausgestaltung der Umsetzung der Zuwanderungsinitiative. Hier setzte Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Seco-Direktorin, ein positives Zeichen. Sie bekräftigte, dass das Seco bei der Umsetzung des Parlamentsauftrages bestrebt sei, den bürokratischen Aufwand so klein wie möglich zu halten.

Spannungsfeld Zuwanderung

Der Österreichische Bundesminister des Inneren, Wolfgang Sobotka, zeigte sich am öffentlichen Abend des Europa Forum zuversichtlich: «Aufgrund der Migrationsströme 2015, entstand ein diffuses Gefühl der Angst in der Bevölkerung. Gemeinsam werden wir in Europa jedoch die passenden Antworten auf die Fragen von Gesetzlichkeit und Rechtsstaatlichkeit finden.»

Das anschliessende Podium mit CVP-Ständerat Pirmin Bischof, FDP-Präsidentin Petra Gössi, SVP-Nationalrat Roger Köppel und SP-Nationalrat Eric Nussbaumer, moderiert von Sonja Halser, sorgte für einige Lacher bei den rund 1‘000 Teilnehmern. Die einen bezeichneten die Vorschläge zur Umsetzung der Zuwanderungsinitiative als praktikable Lösung, um die Bilateralen Verträge zu erhalten und gleichzeitig den Volksauftrag umzusetzen. Dagegen monierte Roger Köppel, dass die Verfassung nicht ernst genommen werde. Laufend würden neue esoterische Massnahmen gegen die Umsetzung geschaffen. Zum Wahlausgang in Amerika meinte Petra Gössi pragmatisch: «Donald Trump wird seine Aussagen wohl nicht immer umsetzen können. Erstaunlich ist, dass alle die Strömung in der Bevölkerung nicht wahrgenommen haben. In der Schweiz müssen wir darauf achten, dass sich diese Politikverdrossenheit nicht so aufbauen kann.»

Kommentieren0 Kommentare

Beatrice Suter ist Texterin und Kommunikationsberaterin mit den Themenschwerpunkten Architektur, Gesundheitswesen, Energie, Handwerk, Wissenschaft, Treuhand sowie Profit-Organisationen.

Weitere Artikel von Beatrice Suter

Kommentieren

Das könnte Sie auch interessieren