Meinung zur Debatte HR Today Nr. 4/2021

«Wir sind alle ein bisschen CRO»

Braucht es einen Chief Remote Officer, der sich um Mitarbeitende und Arbeitsplätze im Homeoffice kümmert?

Was für Anforderungen würden in einem Stelleninserat für den «Chief Remote Officer» ausgeschrieben werden? In dieser Funktion setzen Sie als Dirigent die virtuellen Kollaborationstools des 21. Jahrhunderts in Szene und achten dabei auf das Wohlergehen der verschiedenen Protagonisten. Grundvoraussetzung ist der erfolgreiche Abschluss des Erste-Hilfe-Kurses für schlechte Bild- und Tonqualität. Aber mal ernsthaft: Müssen wir die Verantwortung und Aufgaben für die Arbeit im Homeoffice auf oberster Hierarchiestufe regeln und dafür eine neue Stelle schaffen?

Sich in eine neue Arbeitsumgebung zu begeben bringt so einiges in Bewegung. Das Wort «Homeoffice» wird der Tragweite der neuen Realität nicht wirklich gerecht. Denn nicht nur die beruflichen Routinen geraten ins Wanken, auch Abläufe im Familienleben sowie allenfalls die Raumaufteilung im trauten Heim. Da viele sich fürs Arbeiten eine neue Oase schaffen müssen. Doch irgendwann sind die neuen Routinen verankert: Die Büro-Ecke ist definiert, das neue Equipment angekommen und die Familienabläufe angepasst.

Eine kompetente Begleitung und Unterstützung in dieser Übergangsphase erscheinen mir sehr wichtig, denn Neues ist für uns Gewohnheitstiere keine leichte Kost. Wenn Sie mich fragen, ist dies ein Steilpass fürs HR sich aktiv in die Gestaltung der modernen Arbeitswelt einzubringen. Betroffen sind die technologische, kulturelle und physiologische Umgebung des Mitarbeitenden. Eine positive «Employee Experience» scheint durch das Homeoffice in Gefahr. Um an der richtigen Stelle anzusetzen, muss das HR den Puls der Mitarbeitenden spüren. Deshalb mein Appell an die HR-Abteilungen: Wer fragt, gewinnt! Mittels Umfragen und persönlichen Gesprächen können Handlungsfelder eruiert und Massnahmen eingeleitet werden.

Nebst dem HR spielt der Vorgesetzte eine wichtige Rolle. Das Zauberwort heisst «Vertrauen». Der Versuch, die Mitarbeitenden kontrollieren zu wollen, führt in vielen Fällen zu einem gefährlichen Cocktail aus Stresshormonen. Die Motivation leidet, die Produktivität sinkt. Ein aufrichtiges Interesse am Wohlbefinden der Mitarbeitenden und die mögliche Hilfestellung im Umgang mit schwierigen Situationen stärkt die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden. Mein Fazit: Am Schluss sind wir alle ein bisschen Chief Remote Officer.

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Michael Frühauf

Michael Frühauf, HR Strategies bei HR Campus.

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