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Zuwanderung: Ein Gewinn für alle oder Bedrohung des Wohlstands?

Immer mehr Ausländer ziehen in die Schweiz. Dabei wünscht sichDavid Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, Stagnation statt Wachstum. Ein Drittel der Schweizer hegt zudem grosses Unbehagen gegen Ausländer. Dies waren die Themen am staffingday 2013.

Das Verhältnis der Schweiz zu Arbeitsmigranten ist ambivalent: Einerseits brauchen die Wirtschaft und auch die Temporärbranche die Zuwanderung wegen des Fachkräftemangels, andererseits herrscht in der Bevölkerung diesbezüglich eine negative Stimmung. Sie fürchte sich vor allem vor Lohndumping, steigenden Mietkosten sowie vor der Verdrängung von Schweizer Arbeitskräften, wie Charles Bélaz, Präsident von swissstaffing, ausführt. Doch: «300’000 Mitarbeiter arbeiteten im Jahr 2012 temporär. Ein solcher Zuwachs ist nur möglich dank dem Beitrag ausländischer Arbeitskräfte», sagt Bélaz. Die verschiedenen Initiativen, die derzeit von links und rechts lanciert werden – die 1:12- und die Mindestlohn-Initiative, die Masseneinwanderungs- und die Ecopopinitiative –, seien Herausforderungen für den Arbeitsmarkt.

Wachstumszwang als Problem

In seiner Einleitung zeigte Bélaz auf, worum es am staffingday von swissstaffing, dem Verband der Personaldienstleister, ging: Nämlich um die Themen Immigration, Zuwanderung und Arbeitsmarkt Schweiz. Damit befasste sich auch David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts, in seiner Keynote. «Die Zahl der Ausländer nimmt dramatisch schnell zu», stellt er fest. «Heute zählen wir 50 Prozent mehr Erstmigranten als noch 1990.»

Bosshart sieht das eigentliche Problem nicht in der Zuwanderung, sondern im Wachstumszwang. Für das Wachstum sei Migration nötig, doch diese sei eine Frage des Masses. Eine stagnierende oder schrumpfende Population bringe viele Vorteile, betont Bosshart: «Sie ist ökologisch sinnvoll, führt zu einer Steigerung der Lebensqualität und zu einer sinkenden Kriminalitätsrate, schwächt die Folgen des Klimawandels ab und die Würde des Menschen wird mehr respektiert.» Zu nachhaltigem Reichtum können Nationen erst kommen, wenn sie die Überpopulation im Griff haben, sagt Bosshart. Und prophezeit: «Ein kreativer Umgang mit einer stagnierenden Wirtschaft wird wichtig werden.»

Grosses Unbehagen gegenüber Ausländern

Die Migrationsängste der Schweizer Bevölkerung untersuchte eine Studie im Auftrag von swissstaffing, die Studienleiter Gianni D’Amato vom Swiss Forum for Migration and Population Studies der Universität Neuchâtel vorstellte. Die Ausländerzahlen wachsen kontinuierlich, wobei sich die Zusammensetzung der Migranten ändert: Heute kommen vor allem Deutsche, gefolgt von Franzosen und Portugiesen, während die Zuwanderung aus Ex-Jugoslawien und der Türkei stagniert. Die Ausländer, die heute in die Schweiz kommen, sind häufig sehr gut ausgebildet.

Bei den Schweizern ist das Unbehagen gegenüber den Ausländern gross: Ein Drittel der Befragten sagten, dass sie starkes Missfallen gegenüber Ausländern hegten, ein Drittel hatte wenig und das letzte Drittel überhaupt kein Unbehagen in Bezug auf die Einwanderer. Dabei spielt jedoch eine Rolle, woher die Ausländer kommen: Bei Portugiesen oder Italienern stellten die Forscher keine Ressentiments fest, grosses Unbehagen gibt es dagegen zum Beispiel gemäss Studie gegenüber Kopftuchträgerinnen. Gross ist auch die Ablehnung gegenüber ausländischen Personen, die Sozialhilfe beziehen.

Arbeitsmigranten in Finnland

Den letzten Vortrag der Veranstaltung hat Arno Tanner gehalten, Adj. Professor an der Universität Helsinki, Finnland. Er stellt die finnische Immigrationsstrategie vor. Auch in der finnischen Bevölkerung stellt er eine problematische Haltung gegenüber Zuwanderern fest. Dabei sei es für das Land wichtig, offen und global zu sein, weil es am Rande liege und nicht wie die Schweiz von anderen Nationen umgeben sei.

Finnland kennt das Phänomen Immigration noch nicht lange. Dass grössere Ströme von Arbeitsmigranten kommen, sei neu. Die Zuwanderer sind in erster Linie Arbeiter aus Russland und Estland sowie reiche Eliten aus der ehemaligen Sowjetunion auf der Suche nach einer besseren Lebensqualität. Die Zuwanderung sei aber zahlenmässig moderat, zudem kümmerten sich Staat und Kommunen engagiert um die Immigranten, sagt Tanner. Dennoch werden die Immigranten von den Finnen als Bedrohung betrachtet – oder als Opfer behandelt. Auch werde die Zuwanderung als potentielles Geschäfts- und Erfolgsmodell kaum beachtet. Dabei wäre dies gerade im Hinblick auf die alternde finnische Bevölkerung wichtig. «Der finnische Arbeitsmarkt braucht Einwanderung», betont Tanner.

Best Training Award

Im Rahmen des staffingdays wurde erstmals der Best Training Award verliehen. Mit Hilfe des Fonds temptraining können sichTemporärarbeitende weiterbilden. «Ziel und Zweck von temptraining ist es, die Arbeitsmarktfähigkeit von Temporärarbeitenden zu erhalten und zu fördern», sagt Myra Fischer-Rosinger, Vize-Direktorin von swissstaffing und Leiterin temptraining. Den Weiterbildungsfonds gibt es seit dem 1. Juli 2012, seit der GAV Personalverleih in Kraft trat.

Für den Best Training Award wurden drei Personen nominiert: Hans Peter Hefti, Lastwagenchauffeur und Kranführer; die Finanzexpertin Yin Hui Wang sowie der Web-Journalist Arnaud Gariépy. In drei Videoporträts wurden die Nominierten mitsamt ihrer Weiterbildung kurz vorgestellt. Am Schluss oblag es den Teilnehmern des staffingdays, den Sieger zu küren: Die Wahl fiel auf Hans Peter Hefti.

Herr Hefti, was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Hans Peter Hefti (Bild): Der Preis bedeutet mir sehr viel. Er ist eine Bestätigung für die harte Arbeit.

Warum haben Sie sich zum Kranführer weitergebildet?

Mir macht Weiterbildung Spass, ich will noch weiter kommen. Derzeit besuche ich die Handelsschule. Mein Ziel ist es, Disponent zu werden.

Was empfehlen Sie anderen Temporärarbeitenden?

Macht weiter, gebt nicht auf, denn die Arbeit ist hart. Aber es lohnt sich!

 

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